Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 40 (1876)
- Issue
- Heft 19 (9.5.1876)
- Date
- 1876-05-09
- Page
- Seite 300 (sequence 4)
- Language
- German
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300 die oft sogar hart die Grenze des Schönen streiften, wirkten zusammen, um den Zuhörer zuerst zu gewinnen, dann mit sich fortzureißen und zu bezaubern. Und dennoch sind M.'s Reden, selbst gelesen, eine wahre Herzenserquickung und ein Seelengenuß, und wecken im Leser die Empfindung, als ob er den edlen Mann leibhaftig wieder vor sich auf der Kanzel gesehen und von dort aus hatte sprechen hören. So sehr spiegelt sich in ihnen die ganze Eigenart des Redners ab und so charakteristisch war seine ganze Weise im Schreiben, wie im öffentlichen Reden. Eine Gedanken- und Anschauungswelt von krystallener Klarheit, ein gläubiges, für alles Edle und Gute empfängliche Gemüth, ein seltener Sinn für Formschönheil, unerschütterliche Ueberzeugungstreue und zielbewußtes Streben — das sind die Quellen, aus denen seine Beredlsamkeit ihre befruchtenden Waffer schöpfte. „Ich bin kein Prophet", sprach er am Versöhnungstage 1831, „der Dunkles und Verborgenes weiß zu enthüllen, bin aber ein treuer Hirte und Wächter in meinem Volke, habe einen offenen, fteien Blick und ein Herz, Las Gott hat angefüllet mit Glauben und Vertrauen" (S. 87». Wie M. von seinem Berufe dachte, zeigen noch andere Stellen der neuen Predigten auf's eindringlichste: „Wirken kann ich wenig mit vereinzelter Kraft und gebundener Hand, aber reden kann ich, so lange einer da ist, der mich höre, und reden will ich, bis daß mir die Seele ausgeht" (125). „Es ist die größte Sorge, die ich auf dem Herzen trage, der ich meine schönsten Lebensjahte und meine beste Lebenskraft, so Gott will, zu seines Namens Ehre, geweihet und geopfert habe — die Sorge für die Auferstehung Israels — seine Auferstehung dem Leibe und dem Geiste nach" (112 ). So spricht nur die echteste Hingebung an den Beruf, und die höchste Erfaffung desselben. Die im vorliegenden Hefte herausgegebenen Reden stammen aus den Jahren 1826—32. Es sind: 2 Sabbath-, 7 Festtags¬ und eine Gelegenheitsrede, die wahrscheinlich nur des historischen Jntereffe wegen — es ist die Rede zur Einweihung des Tempels im I. 1826 — in der Auswahl Aufnahme fand. Siegleichen den von M. selber im I. 1835 veröffentlichen „gottesdienstlichen Borträgen zum 1. u. 2. B. M." in ihrem ganzen Guffe voll- 'tändig. In formaler Beziehung dieselbe Klarheit der Gliederung und Durchsichtigkeit der Entwickelung, dieselbe Anschaulichkeit, Wärme und Schönheit der Sprache, der gleiche kindlich ansprechende Ton, wie ihn nur der feinfühlige Geschmack des Meisters zu treffen weiß, aber auch der Schwung rhetorischer Erhebung. In Beziehung auf Inhalt und Tendenz finden in diesen Predigten dieselben Ansichten, Grundsätze und Bestrebungen ihren formschönen Ausdruck, denen M. sein Lebelang treu blieb. Unerschütterliches Festhalten am Glauben. Einigkeit in Israel, die Erhaltung reiner Sitte und makelloser Rechtlichkeit in seiner Mitte, Familiensinn und Nächstenliebe, geistige und sittliche Erhebung durch einen würdevollen Gottesdienst und lebendige Selbstbetheiligung der Gemeinde daran — das waren die Losungsworte seiner Reden im Anfänge, wie zu Ende seiner langjährigen Wirksamkeit. In biographischer Beziehung bieten die feinen polemischen Pointen gegen die Reform und die Stillstandpartei (S. 91), gegen die verschrobene talmudistische Auslegungsweise (100, 130 :c. „das ritdrrv ist die größte Lüge") und manche auf die Wiener Gemeinde bezughabende Stelle, viel Jntereffe. Selten findet sich in riesen Predigten die Anwendung des Midrasch, in den späteren Jahren scheint M. diese heimischen Quellen mehr verwerthet zu haben. Mannheimers Sohn, Eduard, hat die Sichtung des Predigtnachlaffes und die Herausgabe derselben dem emer. Religionsprofeffor S. Hammerschlag übergeben. Einer geeigneteren Hand hätte diese Aufgabe nicht übertragen werden können, denn ein feines Verständniß vereinigt sich in diesem Manne mit einer ehrerbietigen Pietät, die er dem dahingegangenen Freunde und Meister nachträgt. — Die Ausstattung ist eine vorzügliche. 0—in. Deutschland. Fürth, 21. April. Der kürzlich dahier verlebte praktische Arzt vr. inell. Simon Hollstein hat testamentarisch verfügt, daß sein Nachlaß nach Abzug einiger Legale zur Bildung einer Stipendienstiftung für Studirende der Medicin jüdischer Religion verwendet werden soll. Für den Fall, daß die Bekenner der jüdischen Religion zum Genuffe der bis jetzt nur für Christen bestimmten Stipendien zugelasien werden, sollen auch Studirende jeden.Bekenntniffes zum Genuffe dieser Stiftung befähigt sein. Edeukoben, 23. April. «Privatmilth.) Es ist immerhin von Jntereffe, den weiteren Verlauf, nachdem der „Pfälzische Kurier" den Aufsatz über die Kreuzigung Jesu is. Nr. 16) gebracht hatte, zu beobachten. Eine solche Freisprechung der Juden mußte selbst einen großen Theil der Liberalen ärgern, die bekanntlich das Judenthum noch weniger lieben als das Christenthum, und jede Rechtfertigung des erstern wie eine Schädigung des Liberalismus ansehen. Auch der Nationalismus, wenn er nur in Gestalt einer positiven Religion austritt, ist ihnen lästig. Es galt daher, den guten Eindruck im „Pfälzischen Kurier" selbst wieder auszulöschen, und dies Geschäft wurde von einem gewiffen Hs. übernommen. In einer Reihe von Artikeln in Nr. 88 bis 92 „Kreuzige, kreuzige ihn!" sucht er — ja, wenn man nur wüßte was? . . . das Resultat, so viel vermag man herauszulesen, jener Untersuchung über die Kreuzigung des Herrn I. Fr.