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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-05-02 · Heft 18 (2.5.1876) · p. Seite 290

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 18 (2.5.1876)
Date
1876-05-02
Page
Seite 290 (sequence 10)
Language
German
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290 Hospital 124 Kranke ausgenommen, von denen 63 als geheilt, 59 als gebessert und 2 als ungeheilt entlassen worden. Diese Thatsache ist wohl im Stande, diesem Hospital die Aufmerksamkeit edelherziger Menschen zuzuwenden. Die Ausgaben beliefen sich auf 2644 st., und wurden diese von den Einnahmen nur um ein Geringes überstiegen. Das Vermögen des Hospitals betragt gegenwärtig 20325 fl. Wir fügen daher aus dem Vorwort der Direction den Satz hinzu: „Die gefertigte Direction verkennt es allerdings nicht, daß die Folgen großer, wirthschastlicher Krisen, innerhalb und außerhalb der Grenzmarken unseres Reiches, noch immer schwer und dumpf nachklingen, und die finanzielle Lage der Gegenwart nicht darnach angethan ist, daß jeder Einzelne seinen armen Mitmenschen mit vollen Händen beispringe; doch müssen wir es tief bedauern, daß die einzelnen oft größeren Gemeinden, die gewiß mit Leichtigkeit gewahren können, was dem Einzelnen oft schwer fällt, sich beharrlich unseren Bitten verschließen, daß der Nothruf unerhört verhallt, den wir im Namen der armen Leibenden an sie richten. Das Institut, das wir leiten, dient doch wahrlich den humansten und höchsten gottgefälligen Zwecken, das Ziel, das wir anstreben, entspringt gewiß dem edelsten Streben." Olmütz, 14. April. (N. fr. Pr.) Unsere-Gemeindevertretung hat jüngst eine principielle Entscheidung hinsichtlich der Besoldung der hiesigen Religionslehrer gefällt. Bisher hatte die Gemeinde die Auslagen für die kathol. Religionslehrer bestritten. Nun suchte der jüd. Religionslehrer bei der Gemeinde ebenfalls um Besoldung an, und zwar auch um Auszahlung seines seit mehreren Jahren rückständigen Gehalts. Die Gemeindevertretung beschloß nun, dem Gesetze entsprechend, die Religionslehrer von nun an nicht mehr aus der Gemeindecasse zu besolden, sondern die Kosten durch Umlagen, welche von den einzelnen Mitgliedern jeder Religionsgenossenschaft zu entrichten sind, aufzubringen. Dieser Vorgang dürfte bald in anderen Gemeinden, in denen bisher die alte Gepflogenheit bestand, daß die Religionslehrer aus den Gemeinderenten bezahlt wurden, Nachahmung finden. Frankreich. Paris. 15. April. Herr Ernest Haendle, Advocat (Schwiegersohn des Herrn Albert Kohn> früher schon einmal Präfect der Republik, ist durch Decret vom 13. April zum Präfecten des Departements de l'2)onne ernannt worden. — Die drei neuen Rabbinate zu M«'-döah, Tlemcen und Bona sind jedes mit einem Gehalte von 3000 Frcs. vom Staate ausgestattet worden. — Bei der jüngsten Rekrutirung in Algerien hat sich bei der jüd. Bevölkerung der löblichste Eifer gezeigt, der gesetzlichen Wehrpflicht zu genügen. Selbst gegnerische Blätter, wie „Courrier d'Orrn", mußten dies eingestehen, da alle Revisionsräthe darüber einverstanden waren. Großbritannien. London, 16 April. Schon vor längerer Zeit, als Spanien einen Augenblick Republik war, dachte man hier daran, das Gesuch des Redacteurs dieser Zeitung an die Cortes, um Aufhebung des Berbannungsdecretes der Juden vom 14. März 1492 jetzt zu erneuern. Allein die spanische Republik war verschwunden, bevor man zur Ausführung dieses Planes kommen konnte. Jetzt hat der Board of Deputies beschlossen, sich mit diesem Gesuche durch Vermittelung des Britischen Gesandten in Madrid an den König Alfons und die Cortes zu wenden. Wie die Dinge in Madrid liegen, läßt sich schwerlich ein Erfolg voraussehen. Italien. Ferrara, im März. Ein Correspondent der „Arch. isr. berichtet: Der Ehrentitel eines Ordonnanzofficiers des Königs, ist dem Commandeur Cäsar Rovighi, Major und Professor an der Kriegsschule von Modena ertheilt worden. Derselbe Herr Rovighi war in seiner Jugend Begründer und Leiter des ersten israelit. Journals in italienischer Sprache, nämlich der „Rivista israelitica" und noch jetzt ist er als Mitglied des Vorstandes der Gemeinde thätig, um die Interessen seiner Glaubensgenoffenschaft bemüht. Rom, 16. April. Der „N. fr. Pr." schreibt man: „Noch nie, so lange Zeit ich auch schon in Rom lebe, habe ich einen Erwachsenen taufen sehen, ein Zeichen, daß die freiwilligen, wie die erschlichenen Uebertritte zum Katholicismus immer seltener werden. Jedes Jahr am Ostersamstag werden in der Kirche San Giovanni in Laterano die Türken und Juden getauft, und um dieser heiligen Handlung einmal beizuwohnen, begab auch ich mich gestern Vormittags in die genannte Kirche, allein ich habe weder einen Juden und noch weit weniger einen Türken gesehen. Das klerikale Comitä für die Verbreitung des kathol. Glaubens, das seinen Centralsitz in Rom hat, hatte sich alle erdenkliche Mühe gegeben, den seit einiger Zeit hier weilenden tätowirten Gorgios Costrntinos zum Ucbertritt zu bekehren, allein die frommen Bemühungen führten nicht zum Ziele. Gorgios Costantinos, der sich in einem hiesigen Theater für Geld sehen läßt, machte den triftigen Einwand gellend, daß er sich bei Lebzeiten dem Britischen Museum verkauft habe und daher nicht mehr nach Belieben über sich disponiren könne, am allerwenigsten aber möge er sich ohne Erlaubniß des Britischen Museums taufen lassen. Rumänien. Fokschany, im April. (Privatmitth.) Sie fragen, welchen Eindruck die endliche Gutheißung des österreichisch - rumänischen Handelsvertrages durch die parlamentarischen Häuser auf die

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