Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 40 (1876)
- Issue
- Heft 18 (2.5.1876)
- Date
- 1876-05-02
- Page
- Seite 288 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3227069-3227088--34418-3304291- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
288 Collegium der Stadtverordneten berufen hat, wie denn auch schon seit Jahren ein dritter Glaubensgenosse, B. Jacobus, sich der gleichen Ehre erfreuen darf. Und das in einer Stadl, in der unsere Glaubensgenoffen unter den etwa 6000 Einwohnern eine verschwindend kleine Minorität bilden. Solche Zeichen der Zeit sind höchst erfreulich, erhebend und zugleich ermuthigend; sie verdienen es besonders gegenwärtig, wo die gegen uns gerichteten finsteren Mächte wiederum walten und Herrschaft und Einfluß gewinnen wollen, in diesen Blättern registrirt zu werden. Aber die Mahnung wird nicht minder auch berechtigt und am Platze sein, daß wir uns des Vetrauens, das das Volk uns noch immer entgegenträgt, durch edle und redliche Lebens- und Handlungsweise auch würdig erweisen. Oesterreich - Ungarn. Pest, 11. April. (Privatmitth.) Der hiesige israelitische Handwerks- und Ackerbauverein hat seinem eben ausgegebenen Ausweise nach in dem verfloffenen Jahre einen Zuwachs von 32 Zöglingen erhallen, so daß die Zahl derselben sich auf 93 beläuft. Zu Gehülfen fteigesprochen wurden im Vereinsjahre 23 und zwar 4 Tischler, je 3 Schmiede, Spengler, Tapezierer, 2 Schildermaler und je 1 Bäcker, Bildhauer, Drechsler, Kupferschmied, Metalldrucker, Pseifenschneider, Porzellanmaler und Schlosser. Das Vereinsvermögen beläuft sich auf ca. 32,000 fl. Der Director des hiesigen statistischen Bureaus, Herr Josef Körösi, bespricht in dem 4. Abschnitte feines eben erschienenen Werkes „Die Sterblichkeit der Stadt Pest in den Jahren 1872 und 1873 und deren Ursachen" die Todesfälle nach den Confessionen und die durchschnittliche Lebensdauer der Angehörigen einzelner Confessionen. Unter den Juden war die Anzahl der Verstorbenen über 50 Jahre am zahlreichsten (19H/io %), bei Lutheranern u. Reformirten 15 l/i o %, bei Katholiken 133,io %. Im ersten Lebensalter verstärken 28-/io % bei Lutheranern, 30*/io °/o bei Juden, 34s;io % bei Katholiken. Das Durchschnittsalter der Protestanten ist 23.23 Jahre, bei Juden 21.71, bei Katholiken 19.99. — —. Der „Pester Lloyd" vom 15. April bringt vollständig den Wortlaut Ihrer Petition an das deutsche Reichskanzleramt über den Handelsvertrag mit Rumänien. Wien, im April. (Privatmitth.) Keiner der hiesigen Vereine verdient wohl in einem höheren Grade das Licht der Oeffentlichkeit, um die Wirksamkeit deffelben erkennen zu laffen und dadurch gewiß zu fördern, als der „Verein zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten", deffen dreiunddreißigster Jahresbericht uns vorliegt. Am einfachsten zeichnet sich die Thätigkeit des Vereins durch den Bericht des Vorstandes selbst, deffen Schlußwort wir dringend der Beherzigung, namentlich unsrer Glaubensgenoffen in den Provinzen empfehlen. Es heißt in dem Berichte: „Es standen im verfloffenen Jahre nicht weniger als 319 Lehrlinge unter der Obhut des Vereins, 77 wurden neu ausgenommen, 23 haben die Lehre verlassen und 6l vollendeten dieselbe, indem sie zugleich als Gehülfen genossenschaftlich abge- 'chrieben worden sind. Der Bestand der Bereinszöglinge mit Schluß des Jahres war 258. Wir haben zu unserem Bedauern abermals eine Verminderung der Vereinsmitglieder zu verzeichnen: 543 gegen 573 im Vorjahre; eine Folge der alle socialen Verhältniffe ohne Ausnahme berührenden mißlichen Zeitumstände. Wir geben uns der Hoffnung hin, daß mit eintretender Besserung derselben, auch unser Verein, dem in den langen Jahren seines Bestehens die allgemeine Anerkennung niemals versagt worden ist, reichen Ersatz für den erfahrenen Abgang änden wird. Als Legat erhielten wir von Herrn Mayer Ritter v. Kallir 1 1000 in Papierrente. Als Schenkung zum Fonde von Herrn Nathan Ritter von Kallir und Frau Amalie Niernstein, geb. Kallir fl. 200 in Papierrente. Im Vergleiche mit dem Vorjahre betrugen die Einnahmen: 1875 1874 an Jahresbeiträgen.... . 4666.30 4844.30 - Capitalsu. Stiftungszinsen . 3892.84 3630.15 - Spenden. 313.50 261.— - Rückvergütungen . . . . 285.— 372.81 fl. 9157.64 fl. 9108.26 Die Ausgaben: 1875 1874 Für genoffenschaftliche Gebühren. 499.25 620.69 - Wäsche und Bekleidung. . . 4967.06 5756.08 - Bildungsanstalten.... 491.98 867.— - Werkzeug, Unterstützung., Regie :c. 2332.28 2758.07 fl. 8290.75 fl. 10001.84 Aus der Hermann Todesco-Stiftung sind fünf Meister mit fl. 1600; aus der Theresia Meyer-Stiftung ist einer mit fl. 100; aus der Baron Königswarter-Sttftung ein Meister mit fl. 210; unterstützt worden. Die Zinsen der Sigmund Edler von Wertheimstein-Stiftung sind wie alljährlich an deffen Sterbetage an sechs der würdigsten Petenten verabfolgt worden. Wir schließen mir der Bitte an Alle, die warmes Mitgefühl für das Wohl unserer Glaubensgenoffen haben, und ihre Zahl ist groß, dem segensreichen Wirken unseres Vereins auch in Zukunft ihre werkthätige Theilnahme nicht zu entziehen. Die schwere trübe Zeit hat unsägliches Elend gebracht, wo gäbe es ein besseres, wirksameres Mittel, dasselbe zu lindern, als die „Förderung der Handwerke." Wer daran theilnimmt, hat wahrlich ein humanes, gottgefälliges Werk geübt."