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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-05-02 · Heft 18 (2.5.1876) · p. Seite 287

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 18 (2.5.1876)
Date
1876-05-02
Page
Seite 287 (sequence 7)
Language
German
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287 Erleichterung, wenigstens nach einer Seite hin ihre angehäufte Erbitterung erklecklich auszulaffen. Mehr oder weniger schon von hausaus, beziehungsweis infolge pfaffenhafter Abrichtung und junkerhafter Erziehung, bornirt und spater durch fortwährende logische Blamagen in die immer mehr die Denkfähigkeit ttübende Erboßung des gekränkten Eigendünkels versetzt, vermeinen sie dem fatalen Liberalismus eine vernichtende Schlappe beizubringen, wenn sie zum tausendsten Mal constatiren, daß in seinem Lager, ja sogar in seiner Elite sich — Juden befinden. Für den Horizont ihrer „christlich-germanisch" zugeschnitteneu und jesuitisch geränderten Gemüth- und Charaktercomplexion, Cultur und Jnrelligenzbeschaffenheit sind ja Juden unbesehen Das, was dem durch Beichtstuhlpraktiken, Canzel- und sonstige Capuzinaden ultramontan gezüchteten Janhagel „Freimaurer", „Luther'sche" und „Nrtionalliberale" sind: der Inbegriff alles Abschaums und natürlich überdies auch noch ewig verflucht und verdammt, mithin complet vogelfrei, wenn auch dermalen noch nicht so recht für diese, dann doch ganz gewiß für jene Welt. Diese schmachvolle Hetzerei in ihrer ganzen Irreligiosität und Nichtswürdigkeit auf das Hervorstechendste zu brandmarken und so zugleich durch Gerechtigkeitswaltenlaffen des Forums sittlich begründeter „Oöffentlicher Meinung ihren verderblich fortwirkenden Folgen vorzubeugen, ist eine Aufgabe, deren die Presse einer sich ihres Weltberufs als Culturmacht bewußt gewordenen Nation nicht entziehen darf. So lange unsere, mit uns auf das Innigste schon durch ein und dasselbe, in Mosis zehn Geboten zum Gesittungshort aller Culturvölker gewordene Sittengesetz religiouöverwaudteu Landsleute alttestamentlichen Bekenntnisses von Namenschristen dieser schmählichsten Art öffentlich auf solche organisirte Weise bis zur Beschimpfung angefeindet werden, ohne daß der deutschnationale und von Humanität beseelte Rechts- und Ehrensinn mit nachdrücklicher Entschiedenheit und sonach auch mit dem hiervon zu erwartenden sittlichen Erfolg laut und scharf seine Stimme dagegen erhebt, so lange werden sie fortfahren, im festen mißgeschicksgenossenschaftlichen Anschluß aneinander, an ihren sie einenden und vereinenden Satzungen, Gebräuchen und deren Gepflogenheiten treu und getreulich festzuhalten und so, im staatsbürgerlichen Gesammtverband der Zeitgenossenschast, inmitten seines staatlichen Nebeneinander- Lebens und seines verkehrlichen Miteinander- Schaffens und Wirkens, zur unbemeßlichen Schädigung des gemeinsamen Culturfortschritts im Großen Ganzen, einen gesellschaftlich abgeschlossenen und ausschließenden, meidenden und gemiedenen Sonderverband zu bilden. Man weiß gar viel und sehr geläufig von dem sich zäh und hartnäckig sorterbenven dem offen zulageliegenden Wieso unv Warum hiervon Rechnung zu ttagen." Diesem Circular ist ein Gedicht aus einem noch ungedruckten poetischen Werke „Heerhornklänge" beigefügt: „Der Judenhaß und seine Sündenschuld und Schmach". Mögen die Redactionen dem Aufrufe des verehrten Greises Folge leisten! Friedeberg i. d. Neumark, im April. (Privarmirth.) Vor einem Jahre war es, gerade am ersten Tage Peßach, als der famose Rittergutsbesitzer Wedemeyer „wider uns aufstand, um uns zu verderben". In einer Versammlung des landwirthschaftlichen Vereins, in Gegenwart vieler Israeliten aus der hiesigen Stadt, schoß er die Pfeile seines unauslöschlichen Hasses gegen unsere Glaubensgenossen ab, indem er uns als die gefährlichsten Feinde der Gesellschaft darstellte, wobei er sich nicht scheuete, die edelsten Männer unseres Volkes mir feinem schmutzigen Geifer zu besudeln. Welch' traurige Folgen hätte solch Auftreten nach sich ziehen können, wenn solche Insinuationen auf einen fruchtbaren Boven gefallen wären! Hatte dies nicht mindestens unsere gesellschaftliche Stellung beeinträchtigen müssen? Und doch, nichts von alledem ist eingetroffen. Im Gegentheil, heute, wieder um die Erlösungszeit, habe ich den Lesern dieses Blattes von erfreulichen Vorgängen aus der hiesigen Stadt zu berichten, die nicht allein eine lebendige Illustration den zu dem trostspenden Satze der liefern, Nnn -p-12 di-ijS“*] sondern auch von der festbegründeten Stellung unserer Glaubensgenossen in hiesiger Stadt ein schönes erhebendes Zeugniß ablegen. Und nur deshalb gestatten Sie mir, von einer Ovation zu berichten, die einem unserer Glaubensbrüder von der hiesigen Stadt bereitet worden ist. Am 12. April waren 25 Jahre verflossen, seitdem unser Gemeindemitglied, Herr I. Labus, ohne Unterbrechung Ehrenämter in den hiesigen städtischen Collegien bekleidet: Jahre wirkt er als Mitglied imStadtverordneten-Collegium und 9 Jahre bekleidet er das Amt eines Magistratsmitgliedes. Diesen Zeitpunkt haben die städtischen Behörden für passend erachtet, um dem würdigen, strebsamen, das Gemeindewohl mit allen Kräften fördernden Manne ihre Anerkennung in solenner Weise Larzubringen. An diesem Tage begaben sich denn der Magistrat in corpore und eine Deputation der Stadtverordneten in die Wohnung des Jubilars, um demselben eine Adresse zu überreichen, in der sie ihren Gefühlen für den würdigen Jubilar einen angemessenen Ausdruck verliehen. Als Zeichen der Anerkennung für die vielfachen Verdienste, die Herr Labus durch eiftiges selbstloses Wirken im Dienste der Stadt sich erworben, wurde ihm mittelst dieser Adresse der Ehrentitel eines „Stadtältesten" ertheilt. — Wie wenig übrigens die vorjährigen Jnvectiven des Gutsbesitzers W.in der hiesigen Stadt Boden gefunden haben, bezeugt nicht allein diese Thatfache, sondern nicht minder auch der Umstand, daß das Vertrauen unserer Mitbürger erst vor einigen Jusichzurückziehen des Judenthums zu reden, vergißt aber dabei l Monaten einen unserer Glaubensgenossen, E. Frank, in das

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