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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-05-02 · Heft 18 (2.5.1876) · p. Seite 286

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 18 (2.5.1876)
Date
1876-05-02
Page
Seite 286 (sequence 6)
Language
German
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286 auf das unsagbar Große, des Vergänglichen auf das Ewige, des Scheins auf die Wahrheit, des Irdischen auf das Himmlische. 1 j In diesem Sinne könne an dieser Bahre der 90. Psalm, der in 2) uralten Tagen als das Gebet Mosis gedichtet wurde, gesprochen 3) werden: „Herr Gott, Du bist unsere Zuflucht für und für u. s. w." Redner sprach den Psalm in freier Übersetzung und fuhr alsdann fort: „Und jetzt noch die härteste Minute, welche die Schwingen der Seele fallen macht, die uns das Innerste erbeben läßt, da die sterbliche Hülle von hinnen genommen wird. Die Schwingen werden sich wieder heben, und sein Bild wird klar und lauter vor unserer Seele stehen. Wessen Leben ein so segensreiches gewesen, dessen Andenken wird auch gesegnet sein, jetzt und immerdar." Diese einfachen Worte, die schlichte, von dem Gepränge freie Handlung verfehlte ihres Eindruckes auf die Zuhörer nicht; der Schmerz, den die zitternde, zuweilen fast versagende Stimme des Redners verrieth, fand seinen sympathischen Widerhall in der tiefen Ergriffenheit, die sich sichtlich aller Herzen bemächtigte. — Der Sarg wurde auf den Leichenwagen gebracht und eine unabsehbare Wagenreihe gab ihm das Geleite hinaus zum jüdischen Begräbnißplatze an der Schönhauser Allee, wo das „Hazur Tamim" und das „Kadisch Gebet" auf ausdrücklichen Wunsch des Torten vom Prediger der jüdischen Reformgemeinde Dr. Ritter in hebräischer Sprache gesprochen wurde. A«ö Westphaleu, 31. März. (Privatmitth.) Der Vorstand der „Unterstützungscasse des Vereins israelit Elementarlehrer für Westphalen und die Rheinprovinz" Vorsitzender: Lehrer Blumenau in Bielefeld) versendet soeben den Jahresbericht res Instituts pro 1875. Derselbe liefert den Beweis, daß der Verein auf dem betretenen Wege rüstig fortschreitet, daß die Caffe bereits die schönsten Resultate aufzuweisen hat und sich immer wachsender Anerkennung und Theilnahme erfreut. Wenn diese letztere noch keine so allgemeine ist, wie man wohl erwarten könnte, — was besonders von den größeren Städten gilt, — so liegt dieses, wie es in dem Berichte heißt, „nicht etwa in mangelndem Wohlthätigkeitssinn der, Gott sei Dank! noch immer in den Häusern und Gemeinden Israels mächtig und lebendig ist, fonrern es fehlt eben an ver nöthigen Anregung. Diese Anregung zu geben, werden alle Menschenfreunde, alle, die ein Herz für altersschwache und kranke Lehrer, für verlassene Wittwen und Waisen haben, dringend gebeten." Die Jahreseinnahme betrug 1875: a) an ordentlichen Beiträgen der Mitglieder. .492,00 Mark l>) an außerordentlichen Beiträgen von Gemeinden und Privaten.3714,20 0 an Zinsen. 1256,17 Summa: 5462,37 Mark und beträgt das Vermögen des Vereins am 1. Januar 1876 27608,38 Mark.j Pächtern An Unterstützungen erhalten statutengemäß im Jahre 1576: ein erblindeter Lehrer mit Frau u. 6 Kindern 702 Mark eine Lehrerwittwe mit 5 Kindern .... 432 - eine Lehrerwittwe mit 2 Kindern. 270 - 4) eine Lehrerwittwe mit 1 Kinde.216 - 5) eine Lehrerwittwe ohne Kinder.162 - 6) 2 Kinder eines verstorbenen Mitgliedes... 108 - Summa: 1890 Mark. Der Verein hat im vorigen Jahre besonders nach zwei Seiten hin wichtige Aenderungen in seinem Statute getroffen, nämlich 1) daß den ausgewanderten oder den aus dem Lehramte ausgeschiedenen Mitgliedern der etwa später gewünschte Wiedereintritt wesentlich erleichtert ist und 2) daß den hinterlaflenen Waisen von Mitgliedern die Unterstützungen bis zum zurückgelegten 18. Lebensjahre (statt, wie früher, bis zum 15.) gezahlt werden sollen. Hat die „Unterstützungscasse" somit den Kreis ihrer Thärigkeit erweitert, so darf sie mit Recht wohl auf die erhöhte Theilnahme aller wohlthätig gesinnten Glaubensgenossen rechnen, welchen das segensreiche Institut hiermit von Neuem auf's wärmste empfohlen sein soll. Würzburg, im April. (Privatmitch.) Der 75-jährige Ol-, jur. Wilh. Demme hat, als ein bewährter Kämpfer für Recht und Wahrheit, an die Redacttouen der liberalen Blätter ein Circular versendet, dessen Hauptstelle folgendermaßen lautet: Klerikale und Feudale waren und sind im trauten Verein — es ist ja die alte Maskopei „Pfaffen und Junkerthum" — alle Zeit fertig sacro-sanct-ttaditionellen Ingrimm gegen die Juden die Zügel schießen zu lassen, so oft hierzu sich ein Anlaß herbeizerren laßt. Diesfallsige Belege bieten in denkbar handgreiflichster Weise Tagespresse und parlamentarische Debatte. Man greife aus dem ersten besten Convolut diverser Jahrgänge von ä la „Kreuzzeitung" und „Germania" besorgten Tagesblättern auf's Gradewohl hier und da eines heraus und es müßte seltsam zugehen, wenn sich unter 10 nicht 3 fänden, in welchen der srouime Judenhaß seinem Gift Luft macht. In accomodirter Movification würde das Nämliche sich finden, wenn man die stenographischen Berichte über Herrenhaus-Verhandlungen durchblätterte. Diese Feindseligkeits-Orgien nehmen in den Spalten der vom „Christlich-Germanischen Priucip" — jenem aus jesuitischer Beschattung hervorgegangenen Wechselbalg mittelalteriger Romantik — angehauchten Presse fortwährend erneuten Anlauf, und unlängst sogar nicht allein mit vermehrter Heftigkeit, sondern auch mit methodisch geleiteter Böswilligkeit. Mag auch ein solennes „Hepp Hepp!" mit Häuserstürmen, Plündern und etwas Todschlag in Scene zu setzen heutzutage etwas schwer halten, an der Lust es zu präpariren fehlt es sichttich nicht, und vorläufig schafft es den ob so vielerlei Aergerlichkeiten, die der leidige Liberalismus fortan zustandebringt, hochchristlich enragirten Himmels¬ und Altesblaublut-Inhabern immerhin schon ziemlich

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