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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-05-02 · Heft 18 (2.5.1876) · p. Seite 285

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 18 (2.5.1876)
Date
1876-05-02
Page
Seite 285 (sequence 5)
Language
German
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285 Geschichte der israelitischen Gemeinde in München. Ueber das tragische Schicksal der israelit. Glaubensgenossen in München im Mittelalter mir versöhnlicher Kürze hinwegeilend, verfolgte er die Entwickelung der Gemeinde von Anbeginn des 19. Jahrhunderts an, ihr Aufblühen unter dem Schutze humaner Fürsten und milder Gesetze unter dankbarem Hinweise auf das bayerische Herrscherhaus. Er warf einen Blick auf die verschiedenen Wandlungen in rem inneren Leben der Gemeinde, ließ dem Geiste der früheren Generation gerechte Würdigung widerfahren und betonte anderseits die Nothwendigkeit, auch den Anforderungen des heutigen Geschlechtes Rechnung zu tragen. Die Rede schloß mit einem Segensgebete für das Vaterland, das bayerische Königshaus, die Gemeinde, ihre Vertreter und Beamten. Mit den Schlußstrophen der bereits erwähnten Cantate schloß die herzerhebende Feier, welche in ihrer ganzen Anlage durch den edlen Geist, der sie belebte, auch auf jeden Nichtisraeliten einen wohlthuenden Eindruck machen mußte. München, 20. April. (Privatmitth.) In einigen deutschen Blattern ist doch etwas zu viel Gewicht darauf gelegt worden, daß bei der bayerischen Abgeordnetenkammer von einigen ultramontanen Dummköpfen eine Petition um Vertreibung der Freimaurer und der Juden eingebracht worden, die doch in der betr. Commission selbst sofort beseitigt wurde. Für die Thorheit, die einige Wenige begehen, ist ein Volk so wenig wie das ganze Jahrhundert verantwortlich. Sie würde doch nur in dem Falle einige Bedeutung erhallen, wenn ihr von nur irgend einer erheblichen Anzahl eine solche beigelegt worden wäre. Dies ist aber keineswegs der Fall gewesen. Allerdings kann man jene Petition nur als einen Ausfluß der ganzen ultramontanen Jubenhetzerei ansehen, deren schriftliche Ergüsse oft genug auf den Gedanken ausgingen, die Juden mäßen vertrieben werden. Dann aber zeigt eben jene vereinzelte Petition die ganze Erfolglosigkeit des ultramontanen Feldzuges gegen die Juden. Jetzt, wo sie überall ihre Trumpfe gegen uns ausgefpielt und nichts erreicht haben, als hier und da schnell wieder verflüchtete Erbitterung, jetzt sind sie auch auf diesem Kampfplatze als besiegt zu betrachten. Edeukobeu, 15. April. (Privatmittheil.) Da der auch von Ihnen (Nr. 16.) mitgetheilte Aufsatz des „Pfälz. Kuriers" eine allgemeine Aufmerksamkeit im hiesigen Lande gewonnen hat, konnten die gegnerischen Blätter nicht ganz dazu schweigen. Besonders brachte die ultramontane „Rheinpfalz" einen Gegenartikel, der aber so schwach und nichtssagend ist, daß er den Aufsatz des „Pf. K." vielmehr bestätigt. Er möchte den Beweis führen, daß nicht politische, sondern religiöse Motive bei der Anklage Jesu vorherrschten, und dieser Beweis gelingt ihm nicht, da viele Stellen des Neuen Testaments für die eminent politische Auffassung des ganzen Vorgangs Zeugniß ablegen. Ein eigenthümliches Zusammentreffen ist es, daß der Verfaffer jenes Aufsatzes zu Gunsten der Juden ein wegen seiner wiffenschaftlichen Bildung sehr geachteter Protestant ist, während der eigentliche Redacteur der ultramontanen „Rheinpfalz" ein getaufter Jude ist. Im Uebrigen erweist es sich immer mehr, daß, um die Ultramontanen von ihren ewigen Angriffen auf die Juden abzubringen, Nichts wirksamer ist, als sich nicht auf Abwehr zu beschränken, sondern muthig und männlich sie selbst und ihr ganzes Bauwerk anzugreifen. Sie fühlen dann alsbald ihre eigenen Schwächen so sehr, daß sie sich recht gern vom Kampfplatz zuruckziehen. Berlin, 18. April. (Privatmitth.) Außer den reichen Lorbeeren, welche die Wiffenschaft in den auerkennendsten Nekrologen auf das Grab Traube's niedergelegt hat, sind wir wohl berufen, ihm noch einen besonderen Kranz für die treue Anhänglichkeit zu widmen, welche er für seine väterliche Religion erwiesen hat. Nicht nur, daß er alle die vielfachen Versuchungen zurückwies, die schon nach seinen ersten glänzenden Arbeiten an ihn herantraten, um ihm die erfolgreichste Laufbahn zu öffnen, sondern er ertrug auch als einer der ersten Koryphäen seines Faches die schwersten Hintenansetzungen, welche ein verknöchertes Regierungssystem ihm nicht ersparte, weil er Jude war und blieb. Diese religiöse Treue drückte sich auch bei seiner Bestattung aus, deren Beschreibung wir hier nach der „N. Z." folgen lasten: Heule (14.) Nachmittag 1 Uhr hat die Beisetzung der Leiche des am 11. d. M. verstorbenen Geh. Medicinalrathes Prof. Dr. Traube stattgefunden. Dem Rufe des berühmten Gelehrten, der gesegneten Wirksamkeit des Heimgegangenen entsprach die zahlreiche Versammlung, die den schwarz umflorten, reich mir Palmen und Lorbern gezierten Sarg in dem Trauerhause umstand. Die medicinische Facultät war durch ihre glänzendsten Namen — Birchow, Wilms, Hirsch u. A. — vertreten; die Charitö, an welcher Traube so lange gewirkt, das Friedrich- Wilhelms-Jnstitut, die übrigen ärztlichen Anstalten unserer Stadt hatten ihre Vorstände entsandt; aus dem Cultusministerium war der Geh. Regierungsrath Göppert anwesend, die Universität vertrat der Rector Prof. Di*. Dillmann. Neben dem Vorstände der jüdischen Gemeinde sah man die berühmtesten Aerzte Berlins und so manchen jungen Mediciner, der herbeigeeilt war, um dem Meister die letzte Ehre zu erweisen. — Nachdem vom Gesangverein der jüd. Reformgemeinde ein Psalm in hebräischer Sprache gesungen war, ergriff Prof. vr. Lazarus das Wort. Es entspreche, sagte der Redner, des Tovten letztem Wunsche und der Bitte seiner Familie, daß an diesem Sarge keine Lobrede gehalten werde, trotzdem es so viel zu loben gebe. Er müste deshalb darauf verzichten, Traubes glückliches Familienleben, seinen hohen Werth als Mensch, seine reiche Thätigkeit als Arzt und Lehrer zu schildern. Dennoch dürfen wir diese sterbliche Hülle nicht verlaßen, ohne einen letzten Scheicegruß. Die jüdische Religion schreibe Gebete vor an dem Sarge des Tobten; das Gebet soll aber keinen Schmerz ausdrücken, keine Klage kundgeben, keinen Trost suchen, keine Bitte um die ewige Seligkeit enthalten. Es soll nur ein Hinweis sein des unsäglich Kleinen

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