Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 40 (1876)
- Issue
- Heft 17 (25.4.1876)
- Date
- 1876-04-25
- Page
- Seite 276 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3227069-3227087--34405-3304277- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
276 nöthigen Gehalte ausgestattet. — Der Kampf zwischen Staat und Ultramontanismus wird hier zu Lande ein sehr schwieriger werden, denn obschon Frankreich den Vortheil hat, Gesetze zu besitzen, welche den Klerus in Schranken zu halten vermöchten, wie das Concordat und die organischen Gesetze, die ihrerseits die Rechte der gallikanischen Kirche sich stützen, so hat man diese doch außer Gebrauch kommen lasten, hat lauter ultramontane Bischöfe eingesetzt, hat endlich durch die Nationalversammlung denselben Rechte eingeraumt, die man ihnen erst wieder entwinden muß. Der Klerus und die ultramontane Presse wollen selbstverständlich von allen dem nichts wiffen und erheben ein lautes Kriegsgeschrei. Sie bewerfen ihre Gegner nicht blos mit Verdammungsuriheilen, sondern auch mit den gröbsten Schmähungen. Hierin aber liegt eine Unklugheit, die sich schwer an ihnen rächen wird. Denn sie reizen ihre Gegner dadurch so sehr, daß sie weder zurückweichen wollen noch können. Wie denn aber auch der Kampf ausfallen möge, die positiven Hoffnungen, welche die Ultramontanen auf Frankreich setzten, daß es der Heerd des ultramontans» Angriffs auf Deutschland und Italien werden würde, sind vereitelt. —. Bei der jüngsten Ersatzwahl im 13. Wahlbezirk von Paris, St. Denis, ging es heiß her; fünf Candidaten bewarben sich um den Sitz in der Kammer. Das „Siecle" hatte seinen speciellen Candidaten, Herrn Camille Söe, ehemaligen Secretär des Herrn Jules Simon und während der Präsidentschaft des Herrn Thiers, Unterpräfect von St. Denis, empfohlen. Außer diesen drei Candidaten bewarben sich noch ein Herr Courvoisier, Fabrikbesitzer in St. Denis, der das Programm des linken Centrums vertrat, und der Redacteur des „Rappel", Bürger Barberet. Letzterer erhielt nur 712 Stimmen, der General Wimpffen wurde mit 1717 heimgeschickt, Herr Courvoisier sammelte 2112, Bürger Bonnet-Duverdier erzielte 3027 Stimmen, und der Schützling des „Siöcle", Herr Camille SLe, war der erste am Ziele mit 5368 Stimmen. Herr Camille S6e, dessen Ernennung beim zweiten Wahlgange unzweifelhaft erscheint, ist ein elsässischer Israelit, Sohn eines Banquiers und Neffe des bekannten Pariser Arztes vr. S«e, sowie eines jüd. Divisionsgenerals S«e, der augenblicklich eine Division in Paris commandirt und mit der Tochter des Banquiers Ellissen vermählt ist. Großbritannien. London, im April. Die Sitte unter den ftommen Juden, ihre Todten möglichst bald nach erfolgtem Hinscheiden zu beerdigen, beschäftigt in England gegenwärtig die Aufmerksamkeit der zuständigen Behörden. In neuerer Zeit sind Fälle vorgekommen, daß Leichen 1 xjz Stunde nach eingetretenem Tode begraben wurden. Der Rath der vereinigten Synagogen in London erörtert gegenwärtig die wirksamsten Mittel, um das Begraben von Scheintodten zu verhindern. (Dies wird wenig helfen! Die aus einer abergläubischen Vorstellung hervorgegangene Unsitte muß auf dem Wege der Gesetzgebung unterdrückt werden!) Loudou, 13. April. Das „Jewish Chronicle" meldet: Das Parlamentsmitglied Hamond habe unter Zustimmung hervorragender Juden der Pforte den Vorschlag eines Austausches türkischer Schatzscheine gegen Landbesitz in Syrien und Palästina unterbreitet; der Großvezier habe telegraphisch Erwägung des Vorschlages zugesagt. (Wir glauben an den Ernst und die Ausführung sehr wenig. Redacüon der Allg. Ztg. d. Judenth.) Spanien. Madrid, im April. (Privatmitth.) Zweierlei darf in der Erwägung spanischer Zustände nicht außer Acht gelassen werden, nämlich, daß die lange Vergangenheit, in welcher Spanien der unbedingten Priesterherrschaft unterworfen war, noch immer in einem nicht geringen Reste des Volkes die Anhänglichkeit an jener erhallen hat, und daß das spanische Volk in allen seinen Schichten an das Revolutioniren sich so sehr gewöhnt hat, daß jede Partei daran denkt, sobald sie sich schwer geschädigt oder von allem Einflüsse entfernt glaubt. Deshalb manövrirt die jetzige Alfonsische Regierung zwischen den Parteien hin und her, um nachdem sie eine Zeit lang ganz klerikal zu werden drohte und im Art. 11 ihres Verfassungsentwurfes die vollständigste Zweideutigkeit zu Stande gebracht hatte, sucht sie ihn jetzt, da sie entschlossenen Widerstand gewahrt, klar und deutlich hinzustellen. Die vom Papste gewollte Glaubenseinheit in Spanien, ist verworfen. Kein Spanier darf seines Glaubens wegen verfolgt und vom öffentlichen Dienste ausgeschlossen werden. Jede Religion, die der christlichen Moral nicht widerspricht, soll geduldet und ihr Cultus, jedoch nur in ihren Gotteshäusern geübt werden. So interprettrt jetzt das Ministerium feinen Art. 11. Es ist zu erwarten, daß die Cortes mit ihrer ministeriellen Majorität den Artikel in dieser Weise annimmt. Ein Land des Syllabus wird also Spanien auch nicht. I e u i I Biblische Schlagwörter. :y-ier U'-nv nwiV 'n vs» -»it* Meine Hülfe kommt vom Ewigen, Schöpfer des Himmels und der Erde! Du willst wissen, was das Judenthum ist? Du willst dii l e t o n. Weltanschauung kennen, die es in mehr als drei Jahrtavsenden erfüllte und beherrschte?... Nun, dazu bedarf es nicht, den verborgenen Sinn aus geheimnißvollen Sprüchen und Symbolen an's Licht zu schaffen, wobei man noch öfter irregehl, als das Rechte und Wahre trifft; dazu bedarf es nicht, aus entlegenen