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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-04-25 · Heft 17 (25.4.1876) · p. Seite 275

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 17 (25.4.1876)
Date
1876-04-25
Page
Seite 275 (sequence 13)
Language
German
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275 Aus Mecklenburg, im April. Die „P. Ztg." schreibt: Nachdem mir den Standen die Abschaffung derCopulationsgebühren auch bei jüdischen Trauungen und zwar gegen eine vom israel. Oberrath zu jüdischen Cultuszwecken zu verwendende jährliche Ablösungssumme von 660 Mark vereinbart worden ist. wird jetzt durch eine großherzogliche Verordnung vom 25. März bestimmt, daß jene Gebühren fernerhin durch keinen Rechtstitel von Neuem erworben werben kann. — Zum Landesrabbiner für Mecklenburg-Schwerin ist am 25. März, von dem israelitischen Oberrath zu Schwerin, der Dr. Feilchenfeld, Rabbiner in Kulm, erwählt worden. Oesterreich - Ungarn. Wieu, im April. (Privatmitth.) Zu den bei Gelegenheit des 50jährigen Jubiläums des alten Tempels erschienenen Druckschriften gehört auch eine „Denkschrift an die hochgeehrte Wiener israelitische Cultusgemeinde" von S. Sülzer. Der greise Obercantor will noch einmal sein Herz vor der Gemeinde ausschütten, die er so oft in geheiligten Stunden erhoben und die ihm auch volle Anerkennung zollt. Sehen wir davon ab, daß in der Broschüre sehr viel von Sulzer selbst die Reve ist, was einmal in der Natur des alten Herrn zu liegen scheint — so ist es immerhin merkwürdig, daß Sulzer am Ende seiner rühmlichen Laufbahn dem Wiener Tempel auf's Eindringlichste die Einführung der Orgel anempfiehlt, gegen welche sich die Mehrheit des Borstandes bis jetzt dauernd kaprizirt hat. Ich sage „kaprizirt", da hier von irgend welchem orthodoxen Standpunkte nicht die Rede fein kann, und der Hauptgrund aus der griechischen Kirche genommen wurde, welche auch keine Orgel hat. Hiermit wäre aber nur bewiesen, daß die Orgel nicht als ein christlich-kirchliches Instrument angesehen werden darf, noch dazu da die Anfänge desselben in den Tempel zu Jerusalem hineinreichen. Kurz, Sulzer sieht kein Heil für den Gottesdienst im Tempel als durch Einführung von Instrumentalmusik, d. h. der Orgel, da man nicht zu aller Zeit auf einen genügenden Cantor rechnen könne, und die Erhaltung eines guten Chors immer schwieriger wird. Wir können dieses Geständniß dem alten Sulzer nur sehr hoch anrechnen, da es ja eben das Bekenntniß einschließt, daß das System des Synagogengesanges, welches Sulzer selbst hergestellt und repräsentirt hat, nicht ausreiche, sondern durch das von ihm bezeichnete ersetzt werden müsse. Es bezeugt dies, welche Begeisterung für den jüdischen Cultus Sulzer sich in der Seele bewahrt hat, und wie ihm Alles hinter der Fortentwickelung desselben zurücksteht. Wie weit sein Wort Gehör finden werde, muß abgewartet werden. — Die Kanzlei der israelitischen Gemeinde, an deren Spitze Dr. L. A. Frankl steht, übersendet seit drei Jahren jährlich an den Vorstand eine Uebersicht der Thätigkeit des Vorstandes, welche zugleich ein Bild der Fragen und Geschäfte giebt, welche an den Vorstand heranlreten. Wir haben diese Uebersicht für 1575 vor uns und sie füllt 27 Folioseiten, obschon sie doch nur die Rubra giebt, nicht die Bescheidung und Beschlußfassung. Es waren zusammen 4824 Geschäfrsstücke, von denen allerdings nur 888 in 56 Sitzungen, während die übrigen 3936 Stücke theils im Circulationswege, zumeist durch das Secretariat erledigt wurden. Die vielen, in der großen Stadt und bei der bedeutenden Seelenzahl der Gemeinde nothwendigen Nebensynagogen, welche von der Gemeinde Subventionen bedürfen und verlangen, nahmen die Geschäftsthätigkeil vielfach in Anspruch. Die im vorigen Jahre durchgeführte Anstellung jüdischer Religionslehrer an den öffentlichen Schulen erforderte die Wahl geeigneter Persönlichkeiten. Die Verwaltung der sich immerfort mehrenden Stiftungen von größerm und kleinerem Belang und das reorganisirte Armenwesen nimmt einen breiten Raum in der Thätigkeit des Vorstandes ein. Unter Anderem wurde im verflossenen Jahre eine Dienstpragmalik für die Cultusbeamlen aller Stufen ausgearbeitet. Auch die Friedhofs- Angelegenheit, von welcher auch in diesem Blatte viel die Rede gewesen, erforderte sorgfältige Aufmerksamkeit. Wenn man dies Alles mit einem Blicke übersieht, so erkennt man, daß ohne eine tüchtige Organisation dieses Alles nicht zu überwinden wäre. — Das Verordnungsblatt des Ministeriums für Cultus und Unterricht l Stück VI) enthält folgenden ministeriellen Erlaß an den Landesschulrath von Niederösterreich: „Mit Beziehung auf den die Mittelschulen betreffenden Erlaß vom 3l. Januar d. I. wird auch für die allgemeinen Volks- und Bürgerschulen, welche von israelitischen Kindern besucht werden, angeordnet, daß bei Verfassung der Stundenpläne auf das israelitische Gebot, am Sabbrthe des Schreibens, Zeichnens, überhaupt der Handarbeiten sich zu enthalten, thunlichst Rücksicht zu nehmen und daß jeder directe oder indirecte Zwang zur Uebertretung dieses Gebotes von Seile der Schule zu unterlassen ist." Frankreich. Pariö, im April. < Privatmilch.» Mit der Nationalversammlung sind auch jene Bemühungen reactionärer Deputirten, das Decret rückgängig zu machen, durch welches die eingeborenen Juden Algeriens als Franzosen seitens der Regierung vom 4. September naturalisirt wurden, verschwunden, unv Niemand denkt mehr daran, die Juden dieser Stellung wieder zu berauben. In der nächsten Zeit wird zum ersten Male die Rekrutirung nach der allgemeinen Wehrpflicht auch in Algerien staltsinden, also auch die eingeborenen Juden und die naturalisirten Mohammedaner, deren Zahl aber sehr gering ist, weil es ihrer Wahl anheim steht, sich naturalisiren zu lassen, befassen. Hiermit werden auch alsbald jene Streitigkeiten in Wegfall kommen, welche fanatische Mohammedaner erhoben, die mit den Juden zusammen nicht dienen wollten. — Die Regierung hat 4 neue Rabbinrte in der Provinz Algerien eingerichtet und mit dem

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