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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-04-18 · Heft 16 (18.4.1876) · p. Seite 257

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 16 (18.4.1876)
Date
1876-04-18
Page
Seite 257 (sequence 9)
Language
German
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257 und um die Zuschüffe aus der Gemeindecafse entbehren zu können, und vem Borstande jede Einwirkung auf die Schule zu entziehen — macht er eine Geldcollecte. Die fragliche Angelegenheit wurde nun am Sonntag den 19. März in einer Sitzung des Repräsentantencollegiums eingehend erörtert. In derselben wurde der Beschluß gefaßt, von Seiten des Collegiums an den Gemeindevorstand die Anfrage zu stellen, welche Schritte derselbe zu thun gedenke, falls die Verwaltung der Talmud-Thora-Schule fortan auf jede weitere Subvention als Len der Anstalt unwiderruflich bewilligten jährlichen Zuschuß von 7200 Mark verzichten sollte. Infolge dieser Interpellation wird noch dieser Tage eine Sitzung des Gemeindevorstandes abgehalten werden. — Man will übrigens wissen, daß auch angesehene Gemeindemitglieder inzwischen Stellung in dieser Angelegenheit genommen haben und den Antrag berathen, ob es nicht wünschenswerth sei die Sache sofort aus der Mitte der Gemeinde heraus direct der Oberschulbehörde zu unterbreiten und dieselbe zu ersuchen, sie möge erforderlichen Falls anordnen, daß fortan ein akademisch-gebildeter Fach- und Schulmann als Director an die Spitze der Talmud- Thora-Schule gestellt und für deren fernere Leitung ganz allein verantwortlich gemacht werde. Hamburg, im April. (Privatmitth.) Ein eigenthümlicher neuer Verein hat sich hier gebildt, welcher den Zweck hat, Eheleute, welche gemischten Confessionen angehören, in jeder Weife zu unterstützen, weil bei einigen jüd. Wohlthätigkeitsvereinen diejenigen Israeliten, welche eine Christin ehelichen, ihr Anrecht auf eine Unterstützung von Seiten des Vereins verlieren. Der Verein, welcher von Personen jüd. und chriftl. Confession gegründet ist, beabsichtigt auch einen eigenen Kirchhof anzulegen, auf welchem Israeliten und Christen auf specillen Wunsch beerdigt werden können. —. Die I. A. v. Halle'sche Miethunterstützungsstiftung wird zum nächsten Umzugstermin, 1. Mai, Unterstützungen an soche Hülfsbedürftige bewilligen, welche über 360 Mark Miethe bezahlen und weder von einer öffentlichen noch privaten Wohlthätigkeitsanstalt Unterstützungen erhalten. — Herr I. A. v. Halle, der Begründer dieser menschenfreundlichen Stiftung, war Jude und zeichnen sich seine noch lebenden Nachkommen ebenfalls durch rühmenswerthen Wohlthätigkeitssinn aus. Oesterreich-Ungarn. Wien, 28. März. (Privatmitth.) Wir haben bereits in d. Bl. im Voraus mitgetheilt, daß am 26. d. die 50 - jährige Feier der Einweihung des hiesigen alten Tempels in der Seitenstetlengaffe, mit welcher eigentlich die Wiener Gemeinde erst als eine solche sich constituirte, stattfinden werde. Da nur 500 Sitze in demselben vorhanden, konnte man nur auf Eintrittskarten zugelaffen werden, deren angemeffene und gerechte Vertheilung, um allen Claffen der jetzt über. 40,000 Seelen saffenden Gemeinde zu genügen, große Schwierigkeiten bot. Die Feier in dem geschmackvoll geschmückten Tempel ging in würdigster und einfacher Art vor sich. Bon den Behörden waren der Unterrichtsminister, der Statthalter, der Polizeipräsident und der Bürgermeister der Stadt Wien erschienen. Trefflicher Chorgefang, vom alten Sulzer geführt, leitete den Gottesdienst ein, wobei der greise Cantor zwar Anfangs zu tief bewegt, bald jedoch die merkwürdige Kraft und Klangschöne seiner Stimme wieder erlangte und zur Geltung brachte. Die meisterhafte Festrede des l)r. Jellinek folgte, worin er res großen Kanzelredners Mannheimer würdig gedachte, dann die Frage der Lebenden an die Todten und die Frage der Torten an die Lebenden in ergreifendster Weise beantwortete. Mit großem Tacte zeichnete er kurz die schwierige Stellung, welche die Gemeinde vor fünfzig Jahren noch einnahm und die bürgerliche und geistige Erhebung und Freiheit, deren sie jetzt genießt. Ein feierlicher Umzug mit den Tborarollen, Gebet und Psalmgesänge schloffen die einstündige erhebende Feier. Neunzig Adreffen und Beglückwünschungstelegramme sind zur Jubelfeier der hiesigen jüdischen Gemeinde im Verlaufe des gestrigen Tages eingelangt, und zwar aus Böhmen 25, aus Galizien 16, aus Mähren 15, aus Ungarn 17, aus Croatien 2, aus Siebenbürgen 2, aus Schlesien 2, aus der Bukowina 2. aus Niederösterreich 2. aus Rumänien 3, aus Sachsen 1, aus Preußen l. Unter den Absendern der Adreffen befinden sich Gemeinden und Rabbiner der strengsten rituellen Observanz. Die Gemeinde Linz-Urfahr war durch eine Deputation vertreten, Nach dem Gottesdienste versammelten sich der Vorstand der Gemeinde und alle Herren, die früher im Vorstande fungirten, an ihrer Spitze der ehemalige Präses Joseph Ritter v. Wertheimer, im Gemeinde-Sitzunzssaale. Der Präses Dr. Ignaz Kuranda begrüßte den Jubilar Obercantor Sulzer in kurzer, herzlicher Ansprache und brachte eine mit Palmen- und Lorbeerblättern verzierte Aeresie zur Verlesung. Sulzer dankte unter Thränen der Versammlung und segnete sie und die Gemeinde mit herzlichen Worten. Mittlerweile hatten Verehrer und Freunde in seine Wohnung zahlreiche Bolivgeschenke, Lorbeerkränze und Adreffen gebracht. Die Ausschmückung des Tempels mit Blumen und seltenen Pflanzen war mit Bewilligung des Bürgermeisters Dr. Felder vom Stadtgärtner Dr. Siebeck in sinnigster Weise besorgt worden. Herr Dr. Ignaz v. Hofmannsthal widmete aus Anlaß der Jubelfeier des Stadttempels san deffen Zustandekommen und Bau sich bekanntlich der Vater desselben als Gemeindevertreter hervorragend berheiligt und als eine bei den Behörden beliebte Persönlichkeit ein mächtiger Hebel zur freien kräftigen Entwicklung dieser Gemeinde wurde) einen rothsammtnen Trauhimmel mit feiner Goldstickerei und schweren Goldquasten. Großbritannien. Dundee (Schottland), im April. lPrivatmittheil.) Der Kaufmann I. I. Weinberg, ein geborener Hamburger, der sich 16

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