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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-04-18 · Heft 16 (18.4.1876) · p. Seite 255

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 16 (18.4.1876)
Date
1876-04-18
Page
Seite 255 (sequence 7)
Language
German
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255 gekommen, welche in grlizischen Gemeinden gestohlene Thorarollen von ziemlicher Anzahl hierher gebracht, und zur Verwendung beim Goldschlagen verkauften! Dies ist die Race, auf welche einige jüdische Schwärmer in Deutschland augenverdrehend als aus die Erhalter des Judenthums blicken! —. Die Broschüre des Herrn Kreisrichters Kolkmann in Löbau „Die sociale Stellung der Juden" hat einen so günstigen Erfolg gehabt, daß in achtzehn Tagen 2000 Exemplare verkauft wurden und bereits die zweite Auflage erschienen ist. — Der Aufsatz des Dr. Wünsche in der „Dresdner Zeitung" gegen die Ankläger des Talmuds (s. Nr. 15) ist bereits in mehrere Zeitungen übergegangen. So brachte ihn das „Correspondenzblatt des deutschen Vereins in der Rheinprovinz", wodurch er in vielen Lokalblättern erschienen ist. Fürth, 2. April. (Privatmitth.) Daß wir in Deutschland nur langsam und Schritt vor Schritt vorwärts kommen, und wenn man in dem einen deutschen Staate sich der Erfüllung einer gerechten Forderung erfreut, man in dem anderen noch lange darauf warten muß, dafür brauchte man freilich keine Beweise, doch werden sie uns immer wieder in die Hände geliefert. Auch in Bayern macht in den großen Städten die Vereinigung der Confessionsschulen zu Simultanschulen Fortschritte. Es versteht sich, daß mau in solchem Falle auch die Einverleibung der jüdischen Schule in die Simultanschule voraussetzt und durchführt. Was geschieht aber nun hinterher? Die Bezirksregierung erklärt die Simultanschule für eine — christliche und will die Anstellung eines jüdischen Lehrers nicht gestatten, selbst da, wo, wie hier in Fürth, ein großer Bruchtheil der Schüler jüdischer Religion ist. Der hiesige Magistrat hatte unter den zur Anstellung an der hiesigen Simultanschule präsentirten Lehrer auch jüdische aufgeführt, erhielt aber eine Regierungsentfchließung, durch welche die Bestätigung der präsentirten jüd. Dolksschullehrer versagt wird, mit folgendem Wortlaut: „Dieser Präsentation muß auf Grund der ... . höchsten Entschließung des kgl. Staatsministeriums des Innern für Kirchen- und Schulangelegenheiten vom 22. April 1875 mit Hinblick auf die entgegenstehenben Bestimmungen der $§ 7 und 12 der allerh. Verordnung vom 29. August 1873, die Errichtung der Volksschulen und die Bildung der Schulsprengel betr., die Bestätigung versagt werden, indem nach dieser allerhöchsten Verordnung auch der confessionellgemischren Schule der christliche Charakter ausdrücklich gewahrt wurde, daher nur die confessionell getrennten christlichen Volksschulen einer Gemeinde miteinander vereint und zur Wirksamkeit an den hierdurch geschaffenen Simultanschulen nur Lehrer der einen oder der anderen chrlftl. Confession berufen werden dürfen, der gleichzeitige Besuch der Simultanschule durch israel. Schulkinder ändert nichts an dem christl. Charakter dieser Schule und berechtigt noch keineswegs zur Aufstellung von Lehrern israelit. Confession an derselben. Der Besuch der bestehenden christlichen Volksschulen in Fürth durch israel. Schulkinder, findet lediglich seine Begründung in $ 32 des Edicts über die Verhältnisse der jüd. Glaubensgenosien in Bayern vom 10. Juni 1513, und sesj waren die Gemeindecollegien in Fürth nicht berechtigt, entgegen den ausdrücklichen verordnungsmäßigen Vorschriften die Berücksichtigung israel. Bewerber bei der Präsentation auf Schulstellen an der christlichen Simultanschule zu beschließen." Der hiesige Magistrat hat gegen diese Regierungsentschließung bei dem Unterrichtsministerium Beschwerde erhoben. Edeukoben »Pfalz^, 4. April. «Privatmitth.) Mit Recht haben Sie jüngst das vertrauensvolle Wort ausgesprochen, daß der von der ultramontanen und pietistischen Partei und Presie gegen die Juden heraufbeschworene Sturm eine Gegenströmung, eine Reaction der öffentlichen Meinung Hervorrufen müsie und werde. So viel Haß und Lug muß das im Menschen unverwüstliche Gerechtigkeitsgefühl aufwecken, und zum Widerstande kräftigen. Die Anzeichen, daß sich dies bewahrheiten werde, kommen bereits an vielen Orten zum Vorschein. Dazu kann man mit Recht einen Artikel rechnen, den der zu Ludwigshofen erscheinende „Pfälz. Kurier" in Nr. 79 u. 80 vom 3. u. 4. April, erstes Blatt, brachte: „Die Juden haben unsren Herrn Jesum gekreuzigt. Eine Fastenbetrachtung". Was Sie in Ihrer bekannten, in fast alle europ. Sprachen übersetzte Broschüre „Haben die Juden Jesum gekreuzigt?" wisienschaftlich und in kritisch gelehrter Weise erwiesen haben, das wird hier in populärer, dem gesunden Menschenverstände völlig einleuchtender Weise aus einer christlichen Feder erörtert und ausgeführt. Der Aufsatz ist höchst lesenswerth, und in seiner Einfachheit ganz unanfechtbar, Nicht die Juden allein, sondern alle Freunde rer Wahrheit, insonrers der geschichtlichen Wahrheit müßten es für eine Pfllcht ansehen, diesen Artikel zu verbreiten, und ich ersuche Sie daher ausdrücklich, dies auch durch die A. Zeit. r. Judenrh. zu thun. Hat doch eben dieses Blatt die Befähigung, solche allgemein interessirende Aufsätze aus dem beschränkten Kreise eines provinziellen Blattes Lesern der entferntesten Länder vor die Augen zu führen. «Wir genügen diesem Wunsche im Feuilleton dieser Nummer trotz gerade jetzt angehäuften Stoffes, weil auch wir den qu. Artikel für wichtig erachten. Redaction.) Hamburg, 29. März. (Privatmitth.) Die Verwaltung des 1816 gegründeten hiesigen israelitischen Vorschuß-Institutes, welches zinsfreie Darlehen gewährt, hat zum heutigen Tage, an welchem diese segensreich wirkende Wohlthätigkeitsanstalt 6" Jahre besteht, einen Bericht über die Wirksamkeit derselben an die Oesientlichkeit gebracht, in welchem ein noch erfreulicheres Resultat constatirl wird, als in dem letzten, vor 1«» Jahren erschienenen und ebenfalls als durchaus befriedigend bezeichneten Berichte. Es hat sich vor allen Dingen die Zahl der im Laufe eines Jahres bewilligten Gesuche bedeutend verringert. Die höchste Ziffer, welche je erreicht wurde, zeigt das Jahr 1554 mit 868 Scheinen auf zusammen 1197 76,80 Mark und noch im Jahre 1564 sind 827 Scheine bewilligt worden. Von da an ist aber ein regel-

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