Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 40 (1876)
- Issue
- Heft 16 (18.4.1876)
- Date
- 1876-04-18
- Page
- Seite 254 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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254 fast überzeugender Kraft erhoben zu haben schien. Eine objektive Beweisführung für die Echtheit ist allerdings auch hier noch nicht gelungen, und vermag dies auch nicht zu geschehen, so lange man aus den Inschriften einen Sinn und irgend welches Verständniß nicht herausbringen kann. Eine besondere Befriedigung aber verschaffte uns Las Zeugniß, welches Prof. Koch, der im Spätsommer vorigen Jahres längere Zeit in Jerusalem verweilte und zur Unterlage seiner Untersuchung eine dritte Sammlung moabitischer Thonwaaren, die sich bereits wieder bei Schaprra gehäuft hat, machte, dem Antiquitäten-Händler Schapira ertheilt, dem nicht der geringste Borwurf der Unredlichkeit gemacht werden könne. Ist somit der ganze Streit noch nicht entschieden, so hat doch jedenfalls durch die Schrift des Prof. Koch die Meinung der Echtheit wieder eine neue Stütze gewonnen, und kann dreist ihr Haupt wieder erheben. 6iicccßtxc&tea. Deutschland. Bonn, 7. April. (Privatmitlh.) Die „N. ft. Pr." bringt folgendes Telegramm: „Bukarest, 5. April. Der ehemalige Culusminister Bajoresco reist nach Berlin, um die Verhandlungen wegen Abschluffes eines Zoll- und Handelsvertrages zwischen Rumänien und Deutschland zu Ende zu führen." Wir brauchen also nicht erst noch einmal aufzufordern. Laß sich recht viele Stimmen bei den höchsten Reichsbehörden zur Abwendung einer Ausschließungsklausel betreffs der Deutschen jüdischer Religion, der unsrigen (f. Leilart. Nr. 15) anschließen mögen! Die Redaction.>) Berlin, 6. April. (Privatmitlh.) Die „Germania" schreibt unter dem 28. März: „Wir muffen unsre Judenartikel wieder anfangen, denn die Juden beginnen wieder üppig zu werden." Wir gestehen, daß diese Sentenz uns ein herzliches Lachen verursachte. Denn ernst können die Helden der Germania dies doch nicht gc..,eint haben. Sonst würden sie zu den Beweisen ihrer anderen edlen Tugenden auch den hinzugefügt haben, daß sie aller Logik entbehren. Denn logisch allein wäre doch die Folgerung: trotz unsrer vielen unvergeßlichen, mit den schwersten Giften ausgestatteien Artikeln gegen die Juden hören diese nicht auf, üppig zu sein, folglich war alle unsre Mühe vergebens, folglich werden wir uns hüten, uns noch ferner damit abzugeben, mögen die üppigen Juden unverwarnl in ihr Verderben rennen. Dies wäre Logik — seitens der Germania. Nun, wir wollen uns solcher logischer Schnitzer nicht schuldig machen, und sagen daher: Ihr Schreiber der Germania habt all' Euren Aufwand unwahrer Anklagen, unbegründeter Beschuldigungen wirkungs- und erfolglos gegen die Juden losgelasfen; nun so fahrt damit fort, wenn es Euch Vergnügen macht; giebt cs doch viele Vergnügen, welche schließlich versalzen werden, und einen sehr bitteren Nachgeschmack für den Genießenden zurücklaffen. Im Grunde bewundern wir die Vielseitigkeit der Germania, da sie sich immer noch mit den Juden abgiebt, während sie doch anderweitig immer mehr aller I» Wegen des LharfrcitagS war es der Officin nicht möglich, den Gesetzentwurf über den Austritt aus den Synagogengemeinden in Preußen noch in Nr. 10 abzudrucken. S. 9tr. 1". ihrer Kräfte benöthigt wäre. Denn wir können nicht sagen, daß die Ultramontanen üppig zu werden wieder Beranlaffung hätten. Sie verlieren immer mehr an Terrain und gewinnen immer mehr an kräftigen Gegnern. Oder ist etwa der Culturkampf in Deutschland zum Stillstand gekommen? Der Gesetzentwurf, welchen die sächsische Staatsregierung soeben ihrem Landtage vorgelegt, und der noch viel straffer gehalten ist als die preußischen Maigesetze, liefert den Gegenbeweis. Und ist nicht der Culturkampf in Frankreich mit aller Heftigkeit ausgebrochen? Haben nicht Univers, Monde, Union der französischen Regierung, dem Senate und der Deputirtenkammer, also dem französischen Volke, aus deffen Wahlen soeben jene hervorgegangen, offen den Krieg ertlärt, nicht blos wegen des, die Ertheilung der Grave den Staatsuniversitäten zurückgebenden Gesetzentwurfes des Unterrichtsministers Waddington, sondern auch wegen der Anträge zu Gunsten der Volksschule, z. B. daß die Schulbrüder die Lehrerprüfung bestehen sollen, die der Deputirtenkammer vorliegen? Die Kriegserklärung des Klerus kann schließlich nur die Verschärfung und Vermehrung der gesetzlichen Maßregeln gegen ihn zur Folge haben. Hat nicht ferner das neue italienische Ministerium die unnachsichtige Ausführung der Gesetze gegen die Uebergriffe der Ultramontanen in sein Programm ausgenommen? Will nicht das spanische Ministerium den Art. 11 seines Verfaffungs- Entwurfes, der zwar den Katholicismus zur Staatsreligion macht, aber die ehemalige Glaubenseinheit des Landes mit Verfolgung aller anderen Religionsgenoffen nicht wieder zurückführen will, trotz der päpstlichen Breve's auftecht erhalten? Hat nicht der Kaiser von Oesterreich den Tyroler Landtag aufgelöst, und deffen ultramontane Mehrheit, der den Landtag wegen der verfassungsmäßigen Erlaubnis zur Constituirung zweier kleiner Protestant. Gemeinden verließ, gebrandmarkl? Dies sind doch sämmtlich Vorgänge, welche die Streitkräfte der Germania in vollster Thätigkeit erhalten sollten! Wenn diese daher trotz jenen, den ganzen ultramontanen Boden erschütternden, verheerenden Vorgängen, sich wieder auf die Juden werfen will, so ist dies lediglich ein Bekenntniß ihrer Schwäche, ihrer Ohnmacht: sie kann gegen die Well, die nun einmal das päpstliche Joch nicht tragen will, nichts ausrichten, so will sie ihr Müthchen wieder an den Juden kühlen. Mag sie es thun, sie wird da auch nichts ausrichten. — . Man ist hier mehreren polnischen Juden auf die Spur