Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 40 (1876)
- Issue
- Heft 16 (18.4.1876)
- Date
- 1876-04-18
- Page
- Seite 252 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3224737-3227069-3227086--34380-3304251- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
252 auch nicht das orthodoxe, beanspruchen wollen. Die Führer der Separatisten in Frankfurt am Main und Berlin haben eine schlechte Wahl getroffen, haben sich selbst einen gefährlichen Schlag beigebracht, als sie den Schulchan-Aruch zu ihrem Felvgeschrei machten. Sie werden im östlichen Europa keine Anhänger finden, und im westlichen hegen sie wohl selbst keine großen Hoffnungen. Nichts hinzu und Nichts davon! Literarischer Wochenbericht. Bonn, 3. April. Für Diejenigen, welche die Wichtigkeit der Untersuchungen, betreffend die Uebereinstimmuvg der egyptischen Monumente mit den bezüglichen Berichten der Bibel zu würdigen wiffen, enthalt die in Paris erscheinende Kevue des questions historiques in ihrer Lieferung vom 1. Januar 1876 einen sehr lesenswerthen Artikel: La bible et l’Egyptologie. L'Exode. P. 1—68. Der Verfasser, ohne auf die Ansichten einiger Egyptologen, welche bis jetzt nur noch als Hypochesen angesehen werden können, einzugehen, sucht alle diejenigen Momente festzustellen, welche bereits als sicher angenommen werden müffen. Dazu gehört insonders, daß die Knechtung der Israeliten unter Setos angefangen, unter der 66jährigen Regierung Ramses II. fortgedauert und vergrößert, unter Menephta ihr Ende erreicht hat. Alle einzelnen Züge, welche der Bibeltext angiebt, werden von den Monumenten und Paphrusrollen bestätigt. Allerdings berichten die letzteren nichts über den Untergang im rothen Meere. Dies kann aber nicht auffallen, da es zu den Gewohnheiten der Egypter gehörte, über die Unglücksfälle ihrer Könige zu schweigen. Menephta regierte 20 Jahre und wurde in dem von ihm errichteten Grabmale bestattet. Er kann also nicht im rothen Meere ertrunken fein. Dies sagt aber auch der Bibeltext vom Könige selbst nicht aus, sondern deutet eher an, daß er selbst am Ufer zurückgeblieben (vgl. 2 Mos. 14, 23. 26. 28. 15, 4), wie dies z. B. vom Perserkönig Terxes ausdrücklich erzählt wird. Selbst warum Moses die Israeliten nicht den directen Weg durch das Land der Philister geführt hat, wird von den Monumenten erklärt und bestätigt. Geschichtlich ist auch, daß der älteste Sohn Menephta's vor seinem Vater gestorben. Die Abhandlung schließt mit den Worten: „Das ganze alte Egypten der Pharaonen scheint heute wieder aufzuleben, um Zeugniß zu geben für die h. Schrift. Es sagt mit seinen Monumenten zu Gunsten Moses aus. Wer sollte nicht diese glanzende Bestätigung der Wahrhaftigkeit des Verfassers des Exodus bewundern?" — Wir haben eine Anzahl Einladungsfchriften zu den öffentlichen Prüfungen mehrerer israelitischen Schulen erhalten, und freuen uns, daß auch auf unsrem Gebiete diese regelmäßige Berichterstattung über unsre Schulanstalten, nebst angemessenen Abhandlungen immer mehr Brauch wird. ES tragt dies dazu bei, in der Schule methodisch und systematisch zu verfahren. Zunächst erwähnen wir die Einladungsschrift der Real- und Volksschule der israelitischen. Gemeinde zu Frankfurt a. M. mit einer Abhandlung von Dr. Adolf Brüll „Zur Geschichte und Literatur der Samaritaner". Es ist dies eine sehr lichtvolle Dartellung des Ursprungs und der Fortdauer der Samaritaner und des Verhältnisses ihrer Uebersetzung zu unsrem Peutateuchtexte. — Rabbiner Dr. M. Joel zu Breslau schickt der Einladungschrift der Gemeinde-Religions-llnterrichts-Anstalt eine sehr lesenswerthe Bertheidigung der jetzigen Religionsschule voran. Wir entnehmen daraus mit Befriedigung, daß in Breslau nur eine verschwindend kleine Zahl von Kindern keinen Religionsunterricht erhalten. — In dem Jahresbericht über die Religionsunterrichtsanstalt der Synagogen-Gemeinde unter Dr. Samuelsohn in Breslau giebt vr. Prager „Zur Redaction des Targum OukeloS". — Die Prüfung in der israelitischen Religionsschule zu Leipzig leitet der Cantor und Lehrer B. Jacobsohn durch einen beachtenSwerthen Aufsatz: „Die Bedeutung des liturgischen Chorgesangs und seine Pflege in der Religionsschule," ein. — Bibbographia geographica Palaestinae ab anno CCCXXXIII usque ad annum M. Auciore Tito Tobler. Dresdae, Schönfeld 1876. Der um die Keuntniß Palästinas so vielfach verdiente Tobler bietet uns hier einen gründlichen, sehr schatzenswerthen Beitrag zur Geschichte der Geographie Palästinas. Wie wichtig die älteren geographischen Werke für die Geschichte des h. Landes, seiner Schicksale und Zustände ist, brauchen wir nicht auseiuanderzusetzen. Für den desfallsigen Forscher wird in diesem Schriftchen ein willkommener Wegweiser gegeben. — Wir erhalten auch von L eip zi g die Einladungsschrift der Buchhändler-Lehranstalt, welche von einer Abhandlung „Schrift- und Bücherwesen der Hebräer zur Zeit des alten Bundes" von Oberlehrer E. A. Stegelich spricht. Der Vers, wollte über diesen Gegenstand nur nach den Notizen handeln, welche in der h. Schrift selbst darüber gefunden werden. Er hat dies mit Sachkenntniß, Sprachkunde, Fleiß und Umsicht gethan. Er selbst nennt jedoch seine Arbeit nur eine Skizze, und allerdings läßt sie sich mehrfach ergänzen. Daraus, daß 37-0 ursprünglich eingraben, einritzen heißt, läßt sich keine bestimmte Folgerung ziehen; denn ganz ebenso bedeuten yQ(kqmv und scribere ursprünglich eingraben, einritzen. Man kann also nur annehmen, daß man zuerst die Buchstaben und Figuren in harte Gegenstände eingrub, und späterhin mit einer Farbe auf glatte weichere Gegenstände zu übertragen begann, daß dies jedoch im höchsten Alterthum überall geschah, also für die Hebräer keinen besonderen Schluß zuläßt. Einen Uebergang bezeichnet uns die von dem Vers, ganz übersehene Stelle 5 Mos. 27, 2. 4. 8.: auf den Ebal große Steine zu errichten, diese mit Kalk zu überkalken (vaa am« rntöi) und die Worte der Lehre recht deullich (ntm i«n) darauf zu schreiben. Dann wurde die eine Hälfte des Volkes am Ebal, die andere am Gerissim aufgestellt, die