Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 40 (1876)
- Issue
- Heft 15 (11.4.1876)
- Date
- 1876-04-11
- Page
- Seite 244 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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244 Schule zu Riga, so daß nach kaum vierjährigem Wiederaufleben derselben viele Schüler in die mittleren Klaffen des Gymnasiums ausgenommen worden, und sich als sehr tüchtig vorbereitet erwiesen, lenkte die Aufmerksamkeit des Curators auf die Thätigkeir und die Pftichlreue N.'s. — Er ward in diesem Amte auf Vorstellung des Damaligen Curators lebenslänglich von dem Minister bestätigt und bildete fortan vie angesehenste Autorität in dem Unterrichtswesen der Juden der Ostseeprovinzen. Mehrere Male wurde er mit den Aufträgen betraut, die neuerrichteten Schulen zu revidiren, und nicht allein über den Befund zu berichten, sondern seine Meinung über' die Berbefferung des Unterrichts und der Leitung in den Schulen dem Curatorium mitzutheilen. Er entledigte sich dieser Aufträge jedesmal zur größten Zufriedenheit der obersten Schulbehörden. — Zweimal wurde ihm von Seiten des Curatoriums in der Zeitung in den schmeichelhaftesten Ausdrücken für seinen Eifer gedankt, und besonders einmal hervorgehoben, daß sein Elaborat die Aufmerksamkeit der obersten Schulbehörden erregt habe, und die darin enthaltenen Vorschläge zur Berbefferung der Schulen die größte Berücksichtigung von Seiten des Ministeriums verdienen. So wurde er auch kurz darauf im Jahre 1852 von dem Minister der Volksaufklärung mit dem ehrenden Aufträge betraut, die Ostseeprovinzen nochmals zu bereisen und über Len allgemeinen Zustand der Juden und deren Rabbiner in sittlicher wie ökonomischer Hinsicht zu berichten, und Vorschläge zu deren Berbefferung zu machen. — Das erste Beispiel, daß die Regierung einen Rabbiner mit solchem Aufträge beehrte. Aber nicht allein in Schulsachen war er im Laufe des ersten Decenniums bereits in Petersburg als Autorität bekannt, sondern es wurde oft um seine Meinung von der Residenz aus über Gegenstände gebeten, die das allgemein-religiöse und ökonomische Leben der Juden in Rußland betrafen. So z. B. über den Schwur der Juden, über die Beichte von Verbrechern, über Abgaben und Wesen des Koscherfleisches, über den Bau und das Wesen von Sukes. In allen diesen Antworten ist nicht allein die allseitige Kenntniß der Sache anzuerkennen, sondern die klare, kurze Auseinandersetzung und das plausible Anpaffen des Althergebrachten an das Zeitgemäße zu bewundern, so daß von dem streng Talmudischen, ja von den Minhogim nicht ein Haar abgewichen ist. Noch war damals die Zeit nicht gekommen, daß man an eine Milderung der Judengesetze Lenken konnte. — Alle Angelegenheiten über die Juden waren einem ComitL übergeben, welches den Namen führte: „Das Counts zur Berbefferung der Lage der Juden". Die damals in jeder Hinsicht traurige Lage der Juden zu verbeffern, war die wahrhaft humane Absicht des hochseligen Kaisers bei Anordnung dieses Comitos. — Aber die Mitglieder dieses Comitt-s waren damals zu sehr von wichtigen Staatsangelegenheiten in Anspruch genommen, und konnten den angehäuften Arbeiten des Hebräer-Comit«s wenig Aufmerksamkeit schenken. — Soweit es daher von dem Minister der Bolksaufklärung abhing, wurden in Folge des Elaborats N.'s viele und gründliche Reformen in den Schulen eingeführt. — Die andern Vorschläge zur Berbefferung der Lage der Juden wurden von dem Minister befürwortet und dem Hebräer-Comitv übermittelt. — Ein ähnliches Schicksal erfuhr die große Anstrengung und das Elaborat N.'s über die Colonisation der Juden. — Es war des seligen Kaisers Wunsch, die Juden zum Ackerbau heranzuziehen. — Es wäre dieses gelungen, wenn die Ausführung des höchsten Willens mehr Sachkundigen anvertraut worden wäre. — Der Fürst Suworof begeisterte sich für diese Idee — die Juden empfingen N., der zu diesem Zwecke die Provinzen bereiste, im Triumphe. — In kaum 6 Wochen hatte sich beinahe die Hälfte der jüdischen Bevölkerung zum Landbau gemeldet. — Es entstanden Gesellschaften mit den dazu gehörigen Capitalien, um die Ländereien anzukaufen und zu colonisiren.— Mit freudestrahlendem Gesichte empfing der Fürst N.; — das Resultat seiner Mission war ihm bereits bekannt. „Sie sind der Ueberbringer guter Nachrichten," redete Suworof ihn an.- „Meine Glaubensgenossen haben mit Dank und Jubel den väterlichen Willen des Kaisers vernommen, und mehr als die Hälfte steht bereit, jeden Augenblick den Pflug zu erfasse»." „So müssen wir es so schnell wie möglich nach Petersburg berichten." Das Elaborat über diese projectirte Colonisation soll eine der besten Arbeiten N.'s sein. — Derselbe bespricht nicht allein die traurige Lage der Juden in der Provinz, ihre Hülflosiigkeit durch die vielen Beschränkungen, die Art und Weise, wie die Colonisation vor sich gehen sollte; sondern, und speciell ist in dem Elaborat durch Facta der Vorwurf unserer Widersacher zuruckgewiesen, als wären wir Juden dem Müßiggänge ergeben, und in Folge dieses dem Wucher, und suchten auf andere Art die christliche Bevölkerung auszubeuten. — Die Juden waren des Erfolges dieser Vorstellung so gewiß, daß viele unter ihnen ihre kleinen Häuser bereits verkauften.— Aber das Elaborat N.'s mit dem Gutachten des Fürsten gingen an das Count«, in dem sie lange ohne Berücksichtigung blieben, später erfolgte eine ausweichende Antwort auf dieselben. — Ganz ohne Berücksichtigung blieben aber diese Arbeiten nicht. Dieses empfand N. in der Rabbinercommission, — welche im Jahre 1856 berufen wurde. Diese Commission hatte einzig den Zweck, über religiöse Fragen ihre Meinung abzugeben. — Die Juden aber glaubten, daß die Befugniß der Commission auch dahin gehen würde, daß sie über die Berbefferung der Lage der Juden sollte Vorschläge machen können. — Daher setzten sie dieses Mal große Hoffnung auf die Berufung der Rabbinercommission, und schlugen die besten Männer den betreffenden Generalgouverneuren vor. — Ich erwähne unter diesen den unj vergeßlichen R. Süßte Rappoport aus Minsk, den ehrenhaften