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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-04-11 · Heft 15 (11.4.1876) · p. Seite 238

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 15 (11.4.1876)
Date
1876-04-11
Page
Seite 238 (sequence 6)
Language
German
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238 warum dies? weil er sich ferner einbildet. Laß alle in der h., Schrift verkommenden Personen und Ereignisse bis zu Jephla indisch-germanische Naturmythen seien. Dies ist nun freilich nicht neu, aber längst für abgethan gehalten. Beweisen will er ries nun, indem er eine Menge biblischer Namen, auch solche rein semitischen Ursprungs, etymologisch aus dem Sanskrit erklären will, und zwar als Naturgegenstände. Dies gehl selbstverständlich nicht ohne vielfache Willkür und gegen die anerkannten etymologischen Gesetze, bisweilen sogar in komischen Sprüngen vor sich. Schön sagt der Recensent in den Gotting, gel. Anzeigen: „Wir begreifen schlechterdings nicht, wie heutzutage Jemand, zumal ein Theologe, eine Freude daran haben kann, die einfach klaren, aus tiefster Gottes- und Menschenkenntniß herausgeborenen biblischen Darstellungen in den Dunst und Nebel verschwommener werthloser Naturmythen auszulösen." — Möchten doch endlich derartige Ausschreitungen durch die Warnungen, die sie enthalten, zum Ernst und zur Würde der Wissenschaft zurücksühren. — Unsre Leser haben von der Schrift des Prof. Billroth in Wien Kenntniß genommen. Im Allgemeinen und noch mehr an dieser Stelle nahm man aus diesem Buche besonders von den Jnvectiven der Verfassers gegen die Juden Notiz, die wissenschaftliche Bedeutung desselben zu würdigen, den Fachmännern überlassend. Der Ruf Brllroth's in der medicinisch-chirurgischen Welt war groß genug, daß Laien sich hüten mußten, ihn anzulasten. Man wird es uns nun nicht verdenken, wenn wir hier hervorheben, daß neuerdings diese wissenschaftliche Bedeutung jener Schrift so gut wie vernichtet worden. Wir geben hierüber folgende Notiz aus der „N. fr. Pr.": „Unter den vielfachen Entgegnungen, welche das Buch Billrolh's „über Lehren und Lernen" hervorgerufen hat, ist wohl diejenige am bemerkenswerthesten, welche Or. Heinrich Rohlfs in Göttingen soeben veröffentlicht. (Dem Inhalte nach Vielen aus der „Wiener Medicinischen Presse" bekannt.) Die Schrift (5t) S.) führt den Titel: „Historisch-kritische Bemerkungen über Di*. Th. Billroth's culturhistorische Studie" und ist im Berlage der Firma Urban & Schwarzenberg (Maximilianstraße 4) erschienen. Schon die „chirurgischen Briefe" Brllroth's fanden an Rohlfs einen ebenso scharfen als gewandten Gegner; noch ernster tritt Rohlfs dem neuesten Buche Billrolh's entgegen; insbesondere läßt er den Autor seine außerordentliche Ueberlegenheit auf historischem Gebiete fühlen. Die fehlerhaften Daten werden massenhaft aneinandergereiht und corrigirt und auch die unhistorische Methode Billrolh's vielfach schlagend nachgewiesen. Die österreichischen Institutionen finden an Rohlfs eineu Vertheibiger, und der Geist der Billroth'schen Vorschläge ist mit den Worten bezeichnet: „Billroth bemüht sich, den preußischen Militarismus in die Wissenschaft einzuführen." Der „christlich-germanische" Standpunkt Billrolh's wird hier gründlich abgefertigt. Was Rohlfs über Schönlein, Oppolzer und Skoda sagt, wird dem Arzte als eine interessante Correctur der Billroth'schen Ausführungen erscheinen. Die Capuzinade über die jüdischen Studenten nimmt sich der Autor nicht die Mühe, eingehend zu widerlegen, sondern weist sie mit wenig Worten entschieden znrück." 2seLfctmcj 6U/<xcßtxc&teu/. Deutschland. Dreödeu, 23. März. (Privatmitth.) Sie haben jüngst auf einige sächsische Zeitungen hingewiesen, welche noch heute von dem früher so brutalen Judenhaß in Sachsen nicht lassen können und ihn durch die giftigsten Artikel zu erkennen geben. Wir haben dergleichen auch in Dresden selbst, nämlich die „Dresdner Nachrichten", welche sich würdig den bekannten ultramontanen und pietistischen Blättern anreihen. Wir haben auch Gott sei Dank das Gegenrheil, und heben als solches die „Dresdner Zeitung" hervor. Das erstgenannte Blatt brachte unter dem 12. d. einen sehr gehässigen Artikel und auf diesen die „Dredner Zeitung" vom 22. d. eine schlagende Antwort aus der Feder eines christlichen Gelehrten, Herrn Dr. August Wünsche, der bereits in mehreren Schriften, namentlich in seinem Werke „Der lebensfreudige Messias", bewiesen hat, daß er mit den talmudischen Schriften vertraut ist. In der That muß ich gestehen, daß ich von dem wissenschaftlichen Geiste in Deutschland, auf welchen wir doch dem Auslande gegenüber so stolz sind, eine geringere Meinung gewonnen habe, seitdem ich sehe, wie man eine Sudelei wie das berüchtigte Pamphlet des davongelaufenen Prof. Rohling, der auch nicht eine Seite im Talmud zu lesen versteht, in zahllosen Zeitungsartikeln deutscher Blätter und in ebenso vielen Broschüren zur Grundlage genommen wird, um die gehässigsten Anschuldigungen gegen den Talmud und das Jubenthum zu schleudern. Over gilt dies eben nur dem Judenthume gegenüber? Ich denke nämlich, daß, wenn ein unwissender Fälscher, wie Prof. Rohling am Talmud, so an den Beda's und der Zendavesta verführe, hundert deutsche Gelehrte dagegen aufträten und keine Zeitung es wagen dürfte, jene Lügen zu reproduciren. Aber es ist dies auch nur in Deutschland möglich. In England z. B. wird es Niemand thun, nachdem die Schrift des fel. Dr. Emanuel Deutsch über den Talmud erschienen ist. Herr Dr. Wünsche irrt nun, wenn er sagt, daß der Nachweis von den Rohling'schen Fälschungen von keinem Juden geführt worden. Es ist dies in mehreren Broschüren geschehen, z. B. in der höchst gemäßigt abgefaßten des Dr. Croner, jetzigen Weimarischen Landes- Rabbiners. Aber während der Engländer, der Wahrheit und

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