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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-04-01 · Heft 14 (1.4.1876) · p. Seite 223

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 14 (1.4.1876)
Date
1876-04-01
Page
Seite 223 (sequence 7)
Language
German
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223 vom vorigen Jahre, das Musterstatut für die israelitischen Cultusgemeinden Mährens und das Tableau für die territoriale Eintheilung der Gemeindegebiete der Statthalterei vorgelegt und von derselben mit ihren Bemerkungen und Aenderungsvorfchlägen bereits wieder zurückgelangt sei. Diese Elaborate werden den Cultusgemeinden demnächst zur Aeußerung zukommen, und ersuche der Vorsitzende die Delegirten, dahin zu wirken, daß sich die Gemeinden in ihren Wünschen die möglichste Beschränkung auferlegen und sich nicht von kleinlichen Rücksichten localer Natur leiten lasien mögen, damit diese für das Allgemeine wichtige Angelegenheit thunlichst gefördert werde. Der Regierungcommisiar, Statthaltereirath Dr. Suchanek, empfahl den Gemeinden, ihre Gutachten baldigst abzugeben; seitens der Regierung werde sodann an die Errichtung der Matrikenbezirke gegangen werden. — Die Versammlung sprach dem Regierungscommiffar für fein eifriges Wirken im Interesse der Regelung des israelitischen Gemeindewesens Mährens den Dank aus. Aus Süduugaru, l 6. März. (Privatm.) Sie werden es mir wohl gern erlassen. Ihnen eine ausführliche Beschreibung der in allen israel. Gemeinden Ungarns dem großen Sohne des Vaterlandes, Franz De:'« k, gewidmeten Trauerfeierlichkeiten zu liefern. Die Pester Blätter und namentlich der Pester Lloyd bringen noch immer Referate darüber und daselbst können Sie alle Gemeinden registrirt sehen, die Trauerfeierlichkeiten anstellten. So viel ist gewiß, daß in allen israel. Gemeinden ohne Ausnahme, Trauerfeierlichkeiten und Trauerreden dem sel. Franz De5k gewidmet wurden. Es ist gewiß ein seltenes Beispiel in der Geschichte, daß ein Mann so allgemein und innig von einem ganzen Volke betrauert wurde, wie dies bei Deük der Fall war. Es war dies wirklich, um mit der Schrift tl. B. M. 50, 11) zu reden: Eine schwere, tiefempfundene Trauer für Ungarn! Von dem immensen Schaden, den das Hochwasser im ganzen Lande angerichtet, haben Sie wohl gelesen. Es waltet leider ein eigener Unstern seit einigen Jahren über Ungarn. Mißernten, Ueberschwemmungen, Hochwasser wechseln miteinander ab und das so reich gesegnete Land geht einer schrecklichen Verarmung entgegen. Es ist doch wahrhaft erhebend, wie sich diesmal wieder die jüdische Barmherzigkeit und Liebe in der glänzendsten Weise bewährte. Jüdische Volksküchen und überhaupt alle wohlthatigcn Vereine wetteifern miteinander, den Delogirten und Obdachlosen mit allem Nöthigen zu helfen. Die jüd. Volksküche in Pest gehört zu den bestgeleiteten Armenanstalten und verdoppelte während des Hochwassers ihre Thätigkeit. Die Chewra Kadischa in Altofen hat eine Volksküche eröffnet und speist täglich viele Hunderte Personen. Daß hierin Private nicht zurückstehen, brauche ich gar nicht zu erwähnen, da Sie dies aus den zahlreichen und namhaften Beiträgen bei den in den Zeitungen für die durch das Hochwasser Beschädigten veröffentl. Sammlungen ersehen können. Es wäre zu wünschen, wenn Herr l)r. Wolf auch bei den beiden LandesvertheidigungsMinisterien in Wien und Pest die Daten über die Zahl der jüd. Honved und Landwehr erheben ließe, da die beiden Ministerien nicht minder diesem Ansuchen, wie das Reichskriegsministerium, Nachkommen würden. Auch hier dürfte wohl die Zahl 15—16,000 Honvöd und Landwehr sein! Merkwürdig und charakteristisch bei der Sache ist es, daß die Zeitungen, welche die offenbar lügenhafte Nachricht von den 2000 Juden in der Armee brachten, mit der Darlegung des wahren Sachverhaltes sich nicht zu beeifern scheinen. Die Notiz des Herrn vr. W. in der „N. fr. Pr.", „Allg. Ztg. d. I." :c. haben bisher sehr wenig Blätter in Pest und Wien reproducirt! Jedenfalls ist es Pflicht derjenigen, die eine einflußreiche Stellung bei den verschiedenen Zeitungen haben, den authentischen Bericht über die Zahl der Juden in der Armee in der Presse zu verbreiten, da ihn die judenfeindlichen Blätter ohnehin todlschweigen werden. Unsere Feinde, die so scharfsichtig sind, unsere Fehler zu erspähen, sind ja so blind gegen alle unsere guten Seiten! Frankreich. Paris, 23. März. (Privatmitth.) Daß die jüngsten Wahlen eine vollständige Niederlage der klerikalen Partei bedeuten, und zwar eine Niederlage, welche ihr das katholische Volk selbst bereitet hat, ist unzweifelhaft aus der Wahl des neuen Ministeriums zu erkennen, welche Mac Mahon zu treffen sich genöthigt sah. Zum Unterrichtsminister wurde der Protestant Waddinzton ernannt, und dieser erklärte unumwunden, daß seine erste Sorge sein werde, Das vor acht Monaten von der Majorität der ^Nationalversammlung votirte Universitätsgesetz dahin zu verändern, daß die Enheilung der Grade allein den Staatsuniversitäten zustehe. Es ist dies nicht mehr als billig, da in Frankreich viele Kategorien von Aemtern auf diese Grade hin ertheilt werben. Einsichtlich ist es, daß hierdurch dem Aufblühen der neuen katholischen Universitäten eine große Erschwerung geschaffen wird. Man kann sich denken, mir welcher Wuth die ultramontanen Blätter, und besonders der Bischof Dupanloup, dagegen eifern. Es wirb ihnen aber nichts helfen. Auch glauben wir, daß im Grunde sie gar nicht so böse darüber sind. Es hat sich bereits herausgestellt, daß trotz großer Opfer des Klerus selbst und einzelner Privatpersonen es mit genügender Fundirung der neuen katholischen Universitäten nicht recht vorwärts gehen will. Und noch mehr, die Schüler stellen sich nicht ein! So kann man die ganze Sache als ziemlich gescheitert ansehen, und die Klerikalen werden am Ende froh sein, in jener Veränderung des Gesetzes eine ostensible Erklärung für das Mißlingen ihres Unternehmens zu haben. —. Der Unterrichtsminister Waddington hat bereits den betreffenden Gesetzentwurf eingebracht.

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