Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 40 (1876)
- Issue
- Heft 14 (1.4.1876)
- Date
- 1876-04-01
- Page
- Seite 222 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3227069-3227084--34348-3304217- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
222 Stadtverordneten, an der Spitze der Bürgermeister Sachse, und brachten Gruß und Gratulationen im Namen der Stadt, wobei der Bürgermeister dem Jubilar in feierlicher Ansprache Len ihm von Len städtischen Behörden in Würdigung seiner Verdienste um die Stadt ausgefertigten Ehrenbürgerbrief überreichte. Um 1 Uhr erschien der jüd. Gemeindevorstand und das Repräsentantencollcgium, um im Namen der Gemeinde'zu gratuliren. Der Präses der Repräsentanten verlas eine Arreste und überreichte ein prachtvolles Bild, eine Episode aus der Bibel darstellend. Auch der Präses der Alliance, Herr Crömieux, sandte einen Glückwunsch mit seiner Photographie ein. Möge dem edlen Greise noch ein langes und glückliches Leben beschieden sein. Görlitz, 26. März. Die „Görlitzer Nachrichten" schreiben: „Herr Commerzienrath Ephraim feierte gestern mit seiner Gattin das Fest der silbernen Hochzeit; das Jubelpaar wurde bei dieser Gelegenheit durch zahlreiche Beweise der Liebe und Verehrung aus den verschiedensten Kreisen erfreut. Herr Ephraim selbst hat den Tag durch eine schöne Thal gekennzeichnet, indem er ein Capital von l5,660 Mark zur Unterstützung von Schülern der königlichen Gewerbeschule und der Mittelschule hierselbft gestiftet hat; die Zinsen dieses Capitals sollen so vertheilt werden, daß alljährlich zwei Schüler der hiesigen Gewerbeschule, resp. Zöglinge eines Polytechnikums, die in Görlitz ihre Vorbildung erhalten haben, je 250 Mark, und zwei Schüler der Mittelschule je 125 Mark erhalten. Oesterreich - Ungarn. Pest, 22. März. Der „Budapester Correspondenz" berichtet, daß aus die Anfrage mehrerer Jntereffenten, wann die neue Handelsconvention mit Rumänien in Wirksamkeit treten werde, vom Ministerium des Aeußern der Bescheid ertheilt worden sei, daß dieser Zeitpunkt noch nicht festgestellt werden könne. Die „Budapester Correspondenz" fügt hinzu, „daß angesichts der jüngsten Ereigniste in Bukarest der Vertrag auch nicht so schnell werde durchgeführt werden. Und wegen dieses Vertrages hätten wir beinahe eine doppelte Ministerkrise gehabt!" (Nach der Ansicht Vieler würde es das Beste für Oesterreich sein, wenn ein Vertrag von so zweifelhafter Natur unausgeführt bliebe!). Pest, im März. (Privatmitth.) Der Berwaltungsberichte der hiesigen israel. Cultusgemeinde pro 1875, welcher dieses Jahr zum ersten Male nur in ungarischer Sprache erschienen ist, entnehmen wir folgende Daten. In der Knabenschule der Gemeinde wurden im verflostenen Jahre 658, in der Mädchenschule 285 und in der Talmud-Thora 160 Zöglinge unterrichtet. Von Seite der hauptstädtischen Commune wurden der Gemeinde für die Schulen eine Unterstützung von 2000 st. zu Theil, ebenso erhielt die Talmud-Thora aus dem israel. Landes-Schulfond eine Subvention von 1000 st. Der Religionsunterricht in den höheren Elasten der Gymnasien und Realschulen wird jetzt von den Gemeinveprebigern ertheilt, welche denselben freiwillig übernahmen. Die Wohlthätigkeitssection hat 9905 fl. 30 kr. ausgegeben, 29 arme Bräute wurden mit 2582 fl. unterstützt, für Ostermehlspenden wurden 2564 fl. 50 kr. verausgabt. Im Knaben- Waisenhause, das ein Vermögen von 85,641 fl. besitzt, wurden 44 Waisen erzogen. Im Spitale, desten Verwaltungskosten 18,271 st. 67 kr. betrugen, waren 495 Kranke in Behandlung, von denen 80 pCt. unentgeltlich versehen wurden. Im Jahre 1875 kamen in der Gemeinde 1809 Geburten (974 Knaben und 862 Mädchen) und 1331 Sterbefälle (733 Männer und 598 Frauen) von Trauungen fanden 302 statt. Wien, im März. (Privatmitth.) Die Friedhofsfrage wird in allen Großstädten eine immer schwierigere und bereitet auch den jüdischen Gemeinden nicht geringe Verlegenheiten. Wenn man auch bei Anlegung derselben in einer angemeffenen Entfernung von den Ortschaften geblieben war, so wuchsen diese doch in den letzten Jahrzehnten so gewaltig heraus, daß, ehe man es sich versah, die Begräbnißstätte mitten unter den bewohnten Häusern lag. Dazu kommt der unverhältnißmäßige Zuwachs der jüdischen Gemeinden an solchen großen Plätzen, nachdem die Freizügigkeit gesetzlich geworden. Die alten Friedhöfe werden zu klein und es drangt sich die Forderung neuer auf. So wird in hiesigen Blättern berichtet: Die Gemeinde Oberdöblmg hat gegen die Aufstellung von Grabmonumenten, welche die Mauer des israel. Friedhofes an der Oberdöblinger Hauptstraße überragen, Einsprache erhoben, und hat sowohl diese Gemeinde als die Gemeinde Währing um die Schließung dieses Friedhofes als auch um die Anordnung der Bestattung der israel. Leichen aus dem Wiener Centralfriedhose ersucht, da die Motive, welche die Schließung des kathol. Währinger Friedhofes veranlaßt haben, auch bei dem unmittelbar an denselben anstoßenden, eine Front der sehr frequentirten Döblinger Hauptstraße bildenden israelitischen Friedhof zutreffen, welcher bei der starken Zunahme der jüdischen Bevölkerung jährlich eine bedeutende Anzahl von Leichen aufzunehmen hat. Uebereinstimmend mit dem Gesuche beider Gemeinden har auch die k. k. Bezirkshauptmannschaft Hernals auf die Schließung des Friedhofes eingerathen. — Wir machen hierauf aufmerksam, damit überall, wo man neue Friedhöfe anlegen will, die nöthige Vorsicht beobachtet werde. Prag, 20. März. Die Repräsentanz der Landes- Judenschaft Böhmens hat heute einstimmig beschlosten, neuerdings eine Petition um Subventionirung der Rabbiner und Religionsweifer an den Cultusminister zu richten. Brünn, 20. März. Heute wurde hier die Generalversammlung der Delegirten der Jsraelitengemeinden Mährens in Angelegenheit der Verwaltung des mährisch-jüdischen Landesmastefonds abgehalten. Nach Erledigung der Geschäfte machte der Obmann des Fondscuratoriums, Reichsrathsabgeordneter Julius Gomperz, die Mittheilung, daß, entsprechend der Vereinbarung