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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-04-01 · Heft 14 (1.4.1876) · p. Seite 221

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 14 (1.4.1876)
Date
1876-04-01
Page
Seite 221 (sequence 5)
Language
German
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221 nicht beschneiden lassen, und die sich nicht religiös trauen lasien. Äst dies nicht bloßer Schein? Denn wird ein Jude, der bis zu diesen Handlungen gekommen ist, sich der Gemeinde des Herrn Hirsch anschließen? Man könnte auch sagen, daß es eine Ironie auf sich selbst ist, denn er betont stets, daß seine Gemeinde aus „gesetzeslreuen" Juden bestehe, und nun setzt er in seinem Statute voraus, daß in derselben sich auch Juden von der angegebenen Art vorfinden, gegen welche eine derartige Waffe bereit sein muß! Ferner bestimmt er, daß Ehrenämter nicht bekleiden soll, wer den Sabbath öffentlich entweiht und die Speisegesetze verletzt. Ist das nicht wiederum blos Schein? Wird eine so gesetzestreue Gemeinde so ungetreue Männer zu ihren Vorstehern wählen? Es ist dies Alles nur daraus berechnet, Len Slatuten den Schein der Frömmigkeit zu geben und mit diesem Scheine vor einsichtslosen und unwissenden Menschen zu prahlen. Herr Hirsch hat sich mit diesem Statur gerade vor den Orthodoxen, welche zugleich die Eigeuschast besitzen, etwas zu wissen und zu verstehen, gründlich blosgestellt. Frankfurt am Main, 23. März. (Privarmittheilung.) Nichts verdrießt die orthodoxen Parteien aller Consessionen mehr, als wenn man ihre Schlauheiten, mit denen sie ihr Netz über die unwissenden Gläubigen zu werfen sich bestreben, aufveckl. Sie pflegen sich dann mit großer Wuth aus irgend einen Punkt der ihnen unangenehmen Schrift und sei es der nebensächlichste, zu werfen, um ihren Anhängern das gegen sie gerichtete Preßerzeugniß zu verdächtigen. Weil Herr Rabbiner Süßkind in seiner Schrift über die neuen Statuten der separatistischen Religionsgesellschaft eine, den Schulchan-Aruch stark compromitirende Stelle angeführt hat, um zu zeigen, daß der Schulchan-Aruch nicht geeignet sei, zum unbedingten Fundament einer jüdischen Gemeinde, gemacht zu werden, ereifern sich die Zeloten von Frankfurt und Mainz gar sehr hierüber und beschuldigen Hrrn Süßkinr, daß er dadurch den Rischus gegen das Judenthum befördere. Welch' eine Logik! Das Judenthum mit dem Schulchan-Aruch zu identificiren, dann anzuerkennen, daß das Judenthum durch den Schulchan-Aruch compromiltirt werde, und dann den zu schmähen, der dies nachweist — geben sie dadurch nicht zu, was sie eigentlich leugnen wollen? Entweder der Schulchan-Aruch wird unbedingt angenommen, oder nur uut Vorbehalt. Das Erstem thun die Statuten, und nun wollen sie dennoch einen Vorbehalt! Nein, das Judenthum und der Schulchan- Aruch sind nicht identisch. Der Schulchan-Aruch ist sehr verschieden vom mosaischen Judenthume, hat nicht die geringste Aehnlichkeit mit dem prophetischen, und steht durchaus nicht auf derselben Linie mit dem talmudischen; denn dieses letztere stellt die Controversen nebeneinander, der Schulchan - Aruch stellt die Vorschrift auf; jenes giebt sie der Prüfung anheim, dieser befiehlt. — Auch dieses Manöver der Herren Separatisten wird ihnen nur bei ihren blinden Anhängern für einige Zeit helfen. München, im März. (Privatmitth.) Es liegt uns jetzt der „Bericht des Studien- und Arbeiis-Beförderungs-Vereins für Israeliten in Bayern" für das Jahr 1875 vor. Die Verwaltung des Vereins spricht sich in ihrem Einleitungsworte folgendermaßen aus: Unser Verein hat im abgelaufenen Jahre den Druck der Zeitverhältniffe mitempfunden, indem die Zahl seiner Mitglieder im Verhältnisse zu der stetig wachsenden Zahl der Gemeindemitglieder dahier sich nur wenig vermehrte, während die Ansprüche an den Verein durch die sich in erfreulicher Weise vergrößernde Zahl von Studirenden der verschiedensten Krtegorieen beträchtlich gesteigert waren. Nichtsdestoweniger können wir auf die Wirksamkeit unseres Vereins im abgelaufenen Jahre mit Befriedigung, zurückblicken. Wir haben nach dem umstehenden Ausweise im Ganzen die Summe von 1386 fl. 21 kr. in Beträgen von 15 st. bis 50 fl. pro Semester verausgabt und dem alljüdischen Satze: „Achtet auf die Söhne der Armen, denn von ihnen geht die Lehre aus", folgend, manchen talentvollen und strebsamen Jüngling vor der Noch des Lebens geschützt, der Wissenschaft und Kunst erhalten. Voraussichtlich wird der Kreis von Jüngern, die den ausgezeichneten Bildunzsanstalten dahier aus allen Theilen des Königsreichs zuströmen, sich in den künftigen Jahren noch beträchtlich erweitern und wir richten daher an alle Freunde der Bildung hier und in den andern israelit. Gemeinden Bayerns das ergebene Ersuchen, unserem Vereine als Mitglieder beizutreten und denselben durch sonstige geeignete Zuwendungen fördern zu wollen. Die Einnahmen beliefen sich auf 1620 fl. Unter den Ausgaben, die einschließlich von 152 Cassenvorrath sich ebenso hoch beliefen, sind Stipendien für Hörer der polytechnischen Hochschule (444 fl.), Universirätssludenlen, Gymnasiasten und Gewerbeschüler (455 st.), Künstler in Malerei, Bildhauerei und Musik (260 fl.,, Arbeiter und Handelslehrlinge (227 fl.). Man sieht, daß der Verein die ihm zu Gebote stehenden Mittel mit größter Umsicht vertheilt. Mögen daher die obigen Worte recht vielseitig berücksichtigt werden! X. Auö dem Posenschen, 23. März. (Privatmittheil.) Am 15. d. Bl. beging der durch seine große Wohlthärigkeiten, seinem Edel- und Gemeinsinn auch in weitern Kreisen bekannte Kaufmann, Herr Jacob Hamburger zu Schmiegel, die Feier seines 70-jährigen Geburtstages, an der fast die ganze Bevölkerung ohne Unterschied der Confession den lebhaftesten Antheil nahm; denn Herr Hamburger ist nicht nur seit Jahren Vertreter der Stadt, Vorsteher der jüdischen Gemeinde und Vorsitzender der Schuldeputation und zeigt in allen diesen Aemtern eine unermüdliche Thätigkeit, seltene Treue und eifrigstes Bestreben, alles Gute, Edle und plötzliche zu fördern, sondern er ist auch Berather aller Bedrängten, Vater der Waisen und Stütze der Wittwen und Armen. Um 11 Uhr erschienen Magistrat und

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