Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 40 (1876)
- Issue
- Heft 13 (28.3.1876)
- Date
- 1876-03-28
- Page
- Seite 209 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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209 mit 16 gegen 15, derjenige von Keller mit 16 gegen 14 1 Stimmen abgelehnt und der Commissionsvorschlag mit 22 Stimmen unverändert angenommen. Türkei. Konstantinopel, im März. In dem ersten Leitartikel der Nr. 11 haben wir bemerkt, daß die türkische Staaisregierung Juden, wenn sie sich dazu gualisiciren, im öffentlichen Staatsdienste anzustellen, durchaus nicht abgeneigt ist. Wir haben hierüber folgendes Nähere mitzutheilen: Der Gras A. de Camonvo sJsraelit) hatte sich an den Minister des Auswärtigen Raschid Pascha gewand, ihn zu ersuchen, daß bei den, durch die jüngsten Reformerlasse nölhig gewordenen Anstellungen von Beamten auch Juden berücksichtigt würden, und erhielt folgende Antwort: Den 17. Februar 187 6. Mein Herr Graf! Ich habe den Brief empfangen, welchen Sie an mich unter dem 7. Januar gerichtet haben, um zu verlangen, daß das israelit. Element bei der Wahl von Beamten, welche in Folge der jüngsten Reformerlaffe angestellt werden müffen, nicht vergeben werde. Sie wiffen, und ich bin glücklich, es zu wiederholen, daß die kaiserliche Regierung mit gleicher Fürsorge alle ihre Unterthanen ohne Unterschied der Race und der Religion umfaßt, und daß sie sie in völlig gleicher Weise zu den öffentlichen Aemtern zuläßr. Es ist dies ein Grundsatz, von welchem sich die hohe Pforte niemals entfernt hat, und wir zählen mehrere israel. Beamte in den verschiedenen Zweigen der Berwaltung. Nichtsdestoweniger werde ich mit Vergnügen Ihren Schritt bei dem Herrn Großvezier unterstützen, dessen hohe Gerechtigkeit Sie kennen, und dessen Gefühle zu Gunsten des Fortschrittes durch so glänzende Beweise erhärtet worden. Genehmigen Sie, Herr Gras u. s. w. Raschid. Uemen (Arabien). Pariö, im März. Das Märzheft der Alliance isr. univ. enthält ein Schreiben aus Cana vom 3. Cheschwan (1. Novbr. 1875), worin bittere Klage über die türkischen Truppen erhoben wird, welche am ersten Sukkothtage 8<> Juden unter schweren Mißhandlungen zwangen, Berwundete mehrere Tagereisen weit durch eine wüste, wasserlose Gegend zu tragen, so daß viele von ihnen unterlagen und liegen blieben. Das Centralcomitö hat das Schreiben an das Count,'; in Konstantinopel geschickt, um zuvörderst den Thatbestand genauer untersuchen zu kaffen. I e u i f Dr. Z. Neumanu. Eine Lebcnsjkizzc.’) St. Petersburg, im Februar. Hr. S. Neumann war zu Gerolshausen bei Würzburg im Jahre 1$09 geboren. Seine Knaben- und Jünglingsjahre fallen gerade in eine Zeit, in der noch in Bayern der Grundsatz herrschte, „die Juden seien zu vermindern, aber nicht zu vermehren," und die Bevölkerung den in ihrer Mitte lebenden Juden gegenüber noch keine Ahnung von der jetzt herrschenden Toleranz hatte — dennoch aber war die Familie ^Reumann in dem ganzen Städtchen und der ganzen Umgebung bei Juden und Nichtjuden hochgeachtet, besonders der Bater Isaak, deffen wahre Frömmigkeit, außerordentliche Liebe zur Wahrheit und große Mildthätigkeit allbekannt waren. Diese Eigenschaften sind bei der damaligen ganz patriarchalischen Erziehung von den Eltern aus die Kinder übergegangen, und bildeten sie die Grundpfeiler im Charaker unseres Neumann, trotz allen Anfechtungen und herben Prüfungen, die er in seinem Leben bestehen mußte. Durch diese Eigenschaften, besonders durch die Liebe zur Wahr- I) Wir geben diese etwas ausführliche biographische Skizze, weil, außer der verdienstvollen Persönlichkeit, das hier enthaltene Bild der Zustände der russischen Juden und die Streiflichter, welche auf die beschichte derselben während der letzten Deeennien geworfen werden, in nicht geringem Maße interessiren. Die Redaetion. ( e f o n. heit, erwarb er sich als Knabe die Liebe seines jüdischen Lehrers, der ihn mit großer Sorgfalt behandelte, und für die 772'w" zu Fürth vorbereitete. Dahin wurde er im Jahre 1822 gebracht. Der Name des damaligen csn ist mir entfallen, wohl aber weiß ich, daß er mit großer Dankbarkeit und Liebe sich dieses Rabbiners erinnerte, und überhaupt mit großer Zufriedenheit und Freude an jene ruhige Zeit des Talmudstudiums zurückdachte. — Sein gerades Wesen erwarb ihm bald aus dieser sogenannten rs^'O"' viele Freunde, denen er sich eng angeschloffen, und mit denen er in spätern Jahren noch verkehrte. Er war nicht nach der nrc gebracht worden, um durchaus Rabbiner zu werden, sondern es war vielmehr die Absicht des Balers, da er die Mutter leider früh im 12ten Jahre schon verlor, ihn im Talmud vervollkommnen zu lassen, um ihn dann dem zdausmannsstante zu widmen. Aber die Drangperiode unserer Nation war angebrochen, überall in Deutschland strebte die Jugend nach Bildung außerhalb des Talmuds, und wurden die mn":;'' von diesem Streben in erster Reihe ergriffen. Es faßten daher riete Jünglinge auf der ra-ts" den Entschluß, sich dem Studium aus den Universitäten zu widmen, und Nenmann gehörte zu dieser Zahl. Während aber Andere im Schoße ihrer eigenen Familie aus Hinderniffe stießen, wurde dieser in seinem Entschlüsse von den Seinigen unterstützt. — Gerne hätte sich Neumann für die Medicin entschieden, doch sein Vater war degegen, und noch im 13*