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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-03-21 · Heft 12 (21.3.1876) · p. Seite 191

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 12 (21.3.1876)
Date
1876-03-21
Page
Seite 191 (sequence 11)
Language
German
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191 schule in Paris 17,974 Frcs.; für die von der Alliance unterstützten Schulen 17,332 Frcs. Die Ackerbauschnle in Jaffa erhielt 2098 Frcs. Jüdische Gelehrte erhielten 200 Frcs. Die Verwaltung kostete zusammen 22,299 Frcs. Außerdem verwaltet die Alliance bekanntlich die vom Baron Hirsch zur Ausbildung der israelitischen Jugend der Türkei gestiftete Million Francs. Diese lieferte im letzten Halbjahr 29,232 Frcs. Einnahme, welche bis auf 856 Frcs. verausgabt wurden. Primärschulen erhielten davon 11,519 Frcs., dagegen die Ackerbauschule in Jaffa 16,770 Frcs. Ob dies für den Zweck der Stiftung ein richtiges Verhältniß ist? Feuilleton. Arber Las „Schachten". Der neuerdings in der Schweiz abermals wieder aufgenommene Streit über das jüdisch rituelle Schächten hat sich, wie in d. Bl. vorausgesagt wurde, nach dem benachbarten Süddeutschland verbreitet. Bekanntlich geht der Streit von den Thierschutzvereinen aus, welche mit aller Gewalt das bei den Judeu übliche Schächten der Thiere zu einer Thierquälerei stempeln wollen, wahrend es durch viele Jahrhunderte'des Rufes genoß, die mildeste Todesart für die Thiere zu sein. Wir wollen hierbei besondere Motive nicht voraussetzen; doch fällt immerhin die Härtnäckigkeit auf, mit welcher jene Vereine so vielen wissenschaftlichen Gutachten gegenüber die Angriffe immer wieder aufnehmen und dabei jede Berücksichtigung der Menschen, welchen sie durch ein etwa erlangtes Verbot des Schächtens Schaden zufügen würden, jede Berücksichtigung der Religionsfteiheit außer Augen setzen. Und man kann doch nicht behaupten, baß die Thierschutzvereine etwa nicht genug noch zu thun und zu wirken hätten, um die täglichen Mißbräuche und GewaltthLtigkeiten zu beseitigen, welche auf offener Straße gegen die Thiere verübt werden. Ein solcher Streit ist gegenwärtig in Stuttgart entbrannt, wo das „Neue Tagblatt", der „Beobachter" und die „Neue Bürgerzeitung" Artikel pro und conira Schächten bringen. Bekanntlich hatten sich die bedeutendsten wiffenschatlichen Autoritäten dahin ausgesprochen und wiffenschaftlich nachgewiesen, daß die jüdische Berfahrungsweise den Todeskampf nicht verlängere und den Schmerz durchaus nicht vermehre, ja daß sie allgemein angewendet zu werden verdiene. Nun aber ist seit einiger Zeit die sogenannte Schlachtmaske oder Bouterole, von Burneau erfunden, in Gebrauch gekommen, und sofort erhoben sich Thierschutzvereine wieder, welche die alleinige Anwendung der Schlachtmaske und das Verbot des jüdischen Schächtens verlangten. Die „Neue Bürgerzeitung" vom 19. Februar enthält nun einen lesenswerthen Artikel, aus welchem wir Folgendes hervorheben. „Halten wir uns auch dieser jüngsten Behauptung gegenüber wieder an die rücksichtslose und vorurtheilsfreie Wiffenschaft. vr. Hertwig, Professor an der Thierarzneischule in Berlin wurde im Februar 1875 ersucht, sich über das rimelle Schächten im Vergleiche mit der Bouterole zu äußern. Dieses Gutachten hat die Berliner Preffe seiner Zeit veröffentlicht. Es lautet: „Das Schächten eines einmal zum Sterben bestimmten Thieres ist im Wesentlichen keine und, im Vergleich mir den übrigen Schlachtmethoden wenigstens keine erheblich größere Thierquälerei als diese letzteren es sind." In seinen Entscheidungszründen sagt der gelehrte Berfaffer, er betrachte nur eine solche Handlungsweise activer und passiver Art als eine Thierquälerei, durch welche, ohne einen vom allgemeinen Sitten - gesetz erlaubten Zweck, den Thieren Leiden ober Schmerzen zugefügt werden. Obgleich jedes Schlachten eines Thieres ein Mord ist, so sei dasselbe doch für den Zweck: dem Menschen ein kräftigendes Nahrungsmittel zu verschaffen, nach moralschen und politischen Gesetzen erlaubt, und bas Schlachten durch die Methode des Schächtens ist den Israeliten sogar in ihren allgemein anerkannten religiösen Vorschriften befohlen; es wird damit also nicht bloß jener Zweck verfolgt, sondern zugleich eine religiöse Pflicht erfüllt. Herr Hertwig erkennt weiter den Grundsatz an, daß wirklicher Schmerz von Thieren und Menschen nur so lange empfunden wird, als noch Bewußtsein in dem Individuum vorhanden ist; — man amputirt ja menschliche Glieder schmerzlos, selbst bei künstlich erzeugter Bewußtlosigkeit! — Das Bewußtsein hat aber hauptsächlich in dem großen Gehirn seinen Sitz und ist von der richtigen Ernährung dieses Organs mit arteriellem Blute abhängig. Bei der Ausführung der Schächtoperation, sagt das Gutachten weiter, entsteht mit einem Zuge des Schächtmeffers, dessen Schneide haarfein und ohne die geringste Scharte ist, in einem einzigen Augenblicke eine glattrandige quere Durchschneidung der Haut des Halses, zugleich des Zellgewebes und der hier doppelt liegenden Puls- und Blutaderstämme. Hierbei fühlt das Thier im Moment der Hautdurchschneidung allerdings einen Schmerz; derselbe ist aber in der That nur sehr gering, weil die Trennung so äußerst schnell geschieht und wegen der feinen glatten Schneide des Messers auch nur ganz glatte Wundränder entstehen, und weil das Zellgewebe nebst den Blutgefäßen fast empsindungslos sind. Unmittelbar nach der Durchschneidung der Blutgefäße am Halse ströme das Blut mit solcher Kraft und in solcher Menge aus demselben, daß ein Ochse oder eine Kuh binnen 3 0 Sekunden 15—18 Pfund Bluts verliert und innerhalb anderthalb bis zwei Minuten sich verblutet hat. Vielen zufälligen Beobachtungen und absichtlichen Untersuchungen zufolge, die, mit 12*

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