Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 40 (1876)
- Issue
- Heft 12 (21.3.1876)
- Date
- 1876-03-21
- Page
- Seite 184 (sequence 4)
- Language
- German
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184 Bolksbibliotheken u. dgl. zu finden wäre. Har sie doch nur im Auge, zu einer unbefangenen Prüfung der Thalsachen anzuregen, und den zahllosen Jnvecliven gegenüber gellend zu machen: audiatur et altera pars! Literarischer Wochenbericht. Gr. Becskerek, 22. Februar. Neuhebräisches und chaldäischeS Wörterbuch über die T a l m u v i m u. M i d r a f ch i m. Eon Rabbiner Dr. I. Levy. Nebst Beiträgen von Prof. ür. H. 2. Fleischer. Leipzig, 1875. F. A. Blockhaus. 4 Lieferungen 8-77. Durch das rasche Aufblühen der orientalischen Sprachstudien in unserem Jahrhundert, wird auch nach und nach die dunkle 'Nacht, die bisher über dem Mischdialect der Talmudim und Midraschim ausgebreitet lag, aufgehellt. Bis allher mußte man sich mit den von den ältesten Commentatoren und Lexicographen erhaltenen, größtentheils blos traditionellen Erklärungen der schwierigen Worte und Redensarten begnügen, die meist den einfachen Sinn zu errathen sich bestrebten, ohne sich über die eigentliche etymologische und philologische Bedeutung derselben Rechenschaft geben zu können. Ganz anders ist dies jetzt, wo uns die orientalischen Sprachen erschlossen sind, die besten lexicalischen Hülssmittel zu Gebote stehen, da läßt sich nun leichter in das bunte Gefüge der talmudischev Sprache eindringen, die fremden Wörter und Ausdrücke auf ihren Ursprung zurückführen und deren Abstammung aufsuchen. Wohl bleibt hierin noch sehr viel zu thun übrig; aber deffen ungeachtet darf man die gelehrten Forschungen eines Frankel, Geiger, Perles, Rapoport, Schönhack, Sachs u. a. m. nicht gering anschlagen. Allein bei der Zerstreutheit dieser Arbeiten, war eben die Benützung derselben erschwert und für den praktischen Gebrauch wenig verwendbar. Buxtorf's Lexieon thalmud. wurde also fast ausschließlich, zumal von christlichen Gelehrten, denen die Werke jüd. Gelehrten weniger zugänglich sind, noch immer benützt. — Es ist darum ein nicht genug anzuerkennendes Verdienst des Herrn Dr. I. Levy, der sich durch sein „Wörterbuch über die Targumim" einen ausgezeichneten Ruf als Orientalist längst erworben, daß er in rem vorliegenden „Neuhebr. und chaldäisch. Wörterbuch über die Talmudim und Midraschim" das gesammte Sprachgut, welches in diesen zahlreichen Folianten aufgespeichert liegt, mit sorgfältiger Prüfung aller auf diesem Gebiete geleisteten Vorarbeiten, wissenschastlich und kritisch bearbeitet hat. Wir haben hier zum ersten Male eine auf kritischer und philologischer Basis beruhendes talmudisches Lexicon, das die Kenntniß und die Würdigung der talmudischen Literatur allgemein bedeutend fördern wird. Die Ausgabe, die sich der Bersaffer gestellt, ist daher keine leichte; denn bei einem wissenschaftlichen, talmud. Wörterbuch, sind trotz der verdienstvollen lexicographischen Werke des R. 'Nathan b. Jechiel aus Rom<Aruch>; Elias Levita (Tischbii; Menachem de Lonzano (Maarich); David De Lara < Keter Kehuna); Buxtorf und Musiafia, ganz andere Schwierigkeiten als bei andern derartigen Arbeiten zu besiegen. Das Talmudische ist eine wahre Mischsprache, die die verschiedenartigsten Elemente, sowohl aus den klassischen als auch aus allen möglichen semitischen und orientalischen Sprachen, in sich birgt. Der Lexicograph, der das riesige Material beherrschen soll, muß nicht nur mit dem Hebräischen und Chaldätschen, Syrischen und Samaritanischen, Arabischen und Persischen, sondern auch mit dem Griechischen und lateinischen vollkommen vertraut sein, muß also eine Summe von gründlichen Sprachkenntnisien besitzen, welche nur höchst selten und blos bei een größten Sprachgenies anzutresien sind. Es verleihen darum die gediegenen Beiträge des so hoch geschätzten und berühmten Nestors der orientalischen Wisienschasten, des Hrn. Pros. Fleischer, vornämlich für das Arabische und Persische, dem Werke einen außerordentlichen Werth und es wäre zu wünschen gewesen, wenn noch 2—3 Sprachforscher für die andern im Talmud vorkommenden Idiome ähnliche kritische Beiträge geliefert hatten. Denn nur durch die Mitwirkung vieler solcher bewährter Kräfte kann cer kolosiale Stosi vollständig bemeistert und eine auf gründlicher linguistischer Forschung beruhende talmud. Lepicographie hergestellt werden. Daß Herr l>r. I. Levy sein Möglichstes gethan, all' das bisher Geleistete sorgfältig geprüft hat, muß Jedermann zugeben. Besonders zahlreich sind die aus den beiden Talmuven und Midraschim gesammelten Eitate und Belege, die der gelehrte Bersasier durch verbefferte Lesarten aus Mscr., alten Druckwerken und vorzüglich aus der so seltenen ed. pnnceps des Aruch erst recht nutzbar zu machen suchte. Es braucht wohl nicht erst gesagt zu werden, daß die unzähligen falschen Lesarten und Corruptelen, die Berwechselung der ähnlichen Buchstaben: i und r; 3 und i; o und 3; n und n das richtige Berständniß so vieler Worte sehr erschweren und es gehört oft ein wahrer Divinationsgeist dazu, um hier das Richtige zu errathen. Herr Levy hat diesem so wichtigen Gegenstände sehr viel Mühe und Fleiß gewidmet, wovon fast jede Spalte des Wörterbuches Zeugniß ablegt. Daß hier aber immer noch eine reiche Nachlese zu halten sein wird, versteht sich wohl von selbst, da es bisher sogar an einer kritischen Ausgabe des Aruch. von dem doch mehre Mscr. auf verschiedenen Bibliotheken vorhanden, noch fehlt. Wir wollen darum nur einige kleine und wenige Bemerkungen machen, die wir uns hier und da flüchtig angemerkt, da uns der Raum nicht mehr heranzubringen gestattet. S. 37 s. v. 8378, Todtenbeschworer, wird ausSchabbal 152 b. die Stelle angeführt: 83-2:3 3873-27 -r-pzet Km s'33 8278. Wie brachte die Todtenbeschwörerin den Propheten Samuel durch Nekromantie herauf? Herr Dr. Levy liest mit Aruch, s. v. "72:, 83-2:. Aber hier ist offenbar dies Lesart in unfern Aus-