Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 102 (25.8.1838)
- Date
- 1838-08-25
- Page
- Seite 413 (sequence 3)
- Language
- German
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413 Vaters derselbe geblieben, als mein Schwiegervater ja nur den äußeren Umstanden nachgegeben. Aber es ist eben deshalb ersichtlich, daß es eine eitele Hoffnung ist, die alten Geschlechter, in denen jene Extreme sich selbst geboren, und die aus denselben hervorgegangen, selbst zur Vermittelung zu bringen; aber sie thun es in den jüngern Geschlechtern, die sie gepflanzt und groß gezogen, und so ist es doch ihr eigenes Gewächs. Das alte Judenthum in seinem Extrem ist das Aufgehen der. Erkenntniß Ln das Gesetz, das neue Judenthum in seinem Extrem ist das Aufgehen des Gesezzes Ln die Erkenntniß; die Zeit will aber eine organische Verschmelzung beider, so daß die Erkenntniß selbst das Gesetz reproducirt, und das Gesetz' nur in der Erkenntniß sein Leben findet. Daher muß das alte Judenthum aus dem Gesetze zur Erkenntniß streben, das neue aus der Erkenntniß zum Gesetze. Jene Operation habe ich, diese meine Julie vollführt, und darum sind wir glücklich, und die Religion in uns zur Wesenheit geworden. —" *). M i s c e l l e. (Eingesandt). Bei einer ansehnlichen Gemeinde ereignete sich vor einigen Jahren Folgendes. Der Vorstand der Gemeinde war den Rabbknen angegangen, zu einigen zeit - oder vielmehr wahrhaft-relkgions-gemäßen Reformen die Hand zu bieten, wozu dieser sich in Privatgesprächen äußerst geneigt erklärt hatte. Der Rabbine ließ überaus lange auf die Antwort warten, und kam nach vielem Zudringen endlich mit der Erklärung zum Vorschein, er wolle die Abschaffung des Mizwot-Verkaufs gestatten, alles Uebrige könne jedoch noch vorläufig beim Alten bleiben. Hierauf erwiederte der Gemeindevorstand ungefähr Folgendes: Wir haben Ew. — eine beträchtliche Anzahl von Mißbräuchen bezeichnet, die Abhilfe und Reform erfordern; unter diesen vielen Mißbräuchen ist nun Einer, der der Gemeinde ein ziemliches-Geld einbringt. Gerade diesen aber suchen Sie heraus und wollen reformiren! Der Vorstand ist bereit, den Mizwot- Verkauf abzuschaffen, sobald die übrigen Reformen auch eingrführt werden, sonst aber nicht. * Die weitere Verhandlung ward eingestellt, und die Sache ruht seitdem. *) Um den Lesern die Lectüre dieser Novelle im Zusammenvsngc leichter zu machen, geben wir sämmtliche Nummern, in denen sie abgedruckt ist: No. 20. 21. 22. 32. 33. 56. 57. 81. 85. 86. 90. 98. 100. 102. Anzeiger. Zn demselben werden Annoncen aller Art «egen 1 Gr. Gebühren für die gespaltene Zeile ürrr Petir-Schrifl oder deren Raum ausgenommen. Die Verlagshandlung. Sttbseriptions-Einladung. (* mim NLW m Jüdisch - mosaischer Religionsunterricht für die israelitische Zugend, - von Salomon Messner, Religrouslehrer. Ohne irgend einem der bereits vorhandenen Lehrbücher der mosaischen Religion zu nahe treten zu wollen, wage ich es, das Erscheinen meiner, seit Jahren von mir mit Nutzen gebrauchten, eigenen Bearbeitung dieses Gegenstandes einem resp. Publikum meiner Glaubensgenossen hiermit anzukündigen. Offen gestanden, hatte ich diese Arbeit nur für den eigenen Gebrauch bestimmt und nie die Absicht sie zu veröffentlichen; ich kennte jedoch den, namentlich seit dem Bekanntwerden meiner „Belehrungen und Erbauungen" die sich der günstigsten BeurrheUungen berühmter, wackerer und unbefangener Gelehrten zu erfreuen das Glück hatten, fast täglich aus der Nähe und Ferne an mich ergangenen dringenden Aufforderungen, jene Arbeit dem öffentlichen Gebrauche zu bestimmen, nicht länger widerstehen. Daß diese meine Arbeit allen, in obgcdachten Gegenstand schlagenden Wünschen entsprechen werde, bin ich zu behaupten weit entfernt; aber so viel glaube ich mit Gewißheit sagen zu dürfen, daß sie zu sehr in dem Geiste meiner bisherigen theologischen Geistesprodukte abgefaßt ist, um nicht mehr als so manche andere, dem obigen Titel rr-nrrn rrö73 m zu entsprechen. — Die Nothwendigkeit aber eines, neben der Bibel herlaufenden geordneten Religionsunterrichts, namentlich in unserer Zeit, -ist von Unbefangenen viel zu anerkannt, und bat gewissermaßen schon Männer, wie M a im o nid e 6, Al b o, Chisdai, Abarbenel u. a. m. zu sehr beschäftiget, als daß sie von so manchen Gegnern bestritten werden könnte, die ja auch meist, wie mich Erfahrung gelehrt, aus Personen bestehen , die durch Altes eben wieder neu fein möchten, oder auch die einerseits zu bequem oder auch zu furchtsam, ich will nicht sagen, zu schwach sind, in diesem Gegenstände produktiv aufzutreten, aber ebenso andererseits sich wieder zu doch dünken, um die Ausleger der Produktionen Anderer, besonders ihrer Zeitgenossen abzugeben; — sie sind daher am besten durch die Ausfiucht geschützt: ich halte mich an die Bibel und bediene mich neben derselben gar keines Leitfadens. — Aber sieben denn allen Lehrern die Pforten unmittelbarer Bibclkunde so offen? — Muß man nicht die schwächere Mcdrzadl berücksichtigen, die oft weder der Kommentare, noch der Ursprache der heiligen Schrift mächtig sind? — Und ist denn der Jugend nur ein Mosaismus zu lehren? muß sie nicht auch p) S. Mischna Chetuhot 7,6. — Bekenner deö mosaischen Gesetzes brauchen noch keine Juden, eine m osaische Religion noch keine jüdische zu sein. Vergl. Silvcstre de Saey: lieber den gegenwärtigen Zustand der Samaritaner. or) Deren dritter Jahrgang unter dem Namen tlijpÜ ,,Die kostbare Perle, oder das Gebet" feine Abhandlung über das Gebet) bereits zur Harste die Presse verlassen hat.