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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-08-25 · Heft 102 (25.8.1838) · p. Seite 412

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 102 (25.8.1838)
Date
1838-08-25
Page
Seite 412 (sequence 2)
Language
German
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41$ Belletristik. Die G eg e n sä tz e.* Eine israelitisch-religiöse Novelle. (Schluß.) XII. Die Freunde des Banquiers Kaspar hatten sich zurückgezogen. Won den Hof- und Forst-, Negierungs- und Geheimrathen, von den Doktoren und Professoren, Post- und Steuerbeamten ließ sich Niemand sehen. Der Banquier selbst befand sich Ln einem Zustande der Abspannung, daß er nichts zu leisten vermochte. Ueberall herrschte Verwirrung. Da sandte Julie zu Jonathan. Auch in das Haus des alten Markus Löwe war das Gerücht vom Sturze des Banquiers Kaspar gedrungen. Jonathan stand schon denselben Tag öfters an der Schwelle des Nachbarhauses, aber die Unbekanntschaft mit dem wirklichen Zustande des Banquiers hielt ihn immer wieder zurück. Lebhaft fühlte er sich angeregt, als ihn der Diener zu Julie entbot, und folgte ihm auf dem Fuße. Julie warf sich erschüttert an seine Brust, aber zum Vater führte sie ihn nicht. Schnell begab sich Jonathan an die Arbeit. Da frühere Theilnahme an seines Vaters Arbeiten ihn nicht ganz unbekannt mit kaufmännischen Angelegenheiten gelassen, und die Schärfe seines Geistes die fehlende Gewandheit und Erfahrung schnell ersetzte, hatte er bald eine Uebersichr über den Stand der, Dinge gewonnen. Dieser war so, wie er im kaufmännischen Leben sich öfters herausstellt, daß nur momentan das früher zu Leistende sich höher betaust, und dadurch eine Stockung eintritt, wahrend spater zu Forderndes zur Ausgleichung genügen würde. Man bedurfte eines augenblicklichen Opfers, um wenigstens die Trümmer des Vermögens hu retten. Aber waren bei diesen beweglichen Zeiten die Forderungen sicher? Wer verbürgte die nächste Zukunft? Jonathan begab sich zu seinem Vater. Er wünschte sein mütterliches Vermögen, um den Angelegenheiten Kaspars damit aufzuhelfen. Lang währte die Unterredung. Der Greis fand sich gewillig, aber er verlangte Sicherheit und einen gemessnen Gang. Sein Scharfblick wußte ihm den rechten Weg zu bezeichnen. Bei dem großen Ansehn des Löwe'schen Hauses war übrigens, sobald es ruchtbar ward, daß dieses Kaspar vertrete, die Angelegenheit so'gut wie geordnet, und man ließ sich gern zu Fristen heran. Mehre Monate vergingen, Jonathan arbeitete unablässig, und die Lage der Dinge war klar geworden. Die Reste des Vermögens wurden in Sicherheit gebracht, das Geschäft aufgelöst, die Leute entlassen, der unnöthige Aufwand aufgegeben. Werfen wir nun einen Blick in den Seelenzustand Kaspar's. Der plötzliche Sturz von der Höhe, auf der er so sicher stand, und die er nur wachsend denken konnte, die schnöden Kränkungen, die ihn so schnell hintereinander getroffen, hatten seine Seelenkräste gelähmt. Er hatte als rüstiger Mann sich gelegt, und stand als müder Greis wieder auf. So wie er Zeit seines Lebens am Materiellen gehangen, die Formeln des Judenthums ehemals materiell erfüllt, und die Freiheit der Lebensart und Ansichten auch nur materiell sich angeeignet hatte, so konnte er auch jetzt nicht eine etwaige geistige Rückkehr finden, sondern nur Gleichgültigkeit bemächtigte sich seiner, und er folgte dem, wozu man ihn leitete. Leicht willigte er später in die Verheirathung seiner Tochter mit Jonathan, dem er sich durchaus anschloß. Erst am Tage vor der Hochzeit traf er mit Markus Löwe zusammen. Sie begegneten sich wie Fremde, die ganze, frühere wie spätere Vergangenheit wurde mit dem Schleier der Vergessenheit zugedeckt. Jonathan führte seinen frühem Entschluß aus; erkaufte sich in der Nahe der Stadt an, und verbrachte daselbst mit Julie mehre Jahre im höchsten Glücke. Diese war ganz die hingebende Gattin. Kaspar bewohnte einen' Flügel des Landsitzes, freute sich der Pflege seiner Kinder, erfüllte gern deren Wünsche, und wenn der Abend kam, fanden sich einige alte Freunde zu einer Spielparthie bei ihm ein. Der alte Löwe fand reichliche Beschäftigung, da der Rabbine der Gemeinde starb, und er die Funktionen eines Stellvertreters unentgeltlich übernahm, bis er, betrauert von den Seinigen, die Augen schloß, und zu seinen Vätern versammelt ward. Der Berichterstatter bittet daher seine Leser nur noch um die Vergünstigung, ihnen zum Schluffe ein Fragment aus einem Briefe vorzulegen, den Jonathan kurz nach seiner Verheirathung an einen gleichgesinnten Freund schrieb. Es heißt da: „— Du bist nun von dem Gange der Begebenheiten unterrichtet, die mich so schnell und unerwartet zum Ziele meiner Wünsche gebracht. Nun kennst Du aber meine Art, die Dinge anzusehen, und in den Ereignissen des Einzelnen den allgemeinen Weltgang abgespiegelt zu sehen, zu sehr, um nicht folgende Betrachtungen zu erwarten." „So sind denn allerdings die Gegensätze in uns versöhnt worden, ohne daß aber eine wahre geistige Vermittelung statt gefunden; denn eben so ist der Standpunkt meines

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