Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 102 (25.8.1838)
- Date
- 1838-08-25
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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ii. Allgemeine N». 10». Zeitung des Zudcnthums. Sin unpattheiisches Organ für alles jüdische Interesse. (Mit König!. Sächsischer allergnä'digster Concession.) Leipzig, den 2',. August 1834. Ueber einen Unterrichtsgegenstand. (Eingesandt). Seitdem in dieser Zeitung das jüdische Erziehungswesen so fleißig besprochen wird und die Unterrichtsplane so vieler, zumal öffentlicher Schulen sich zeigen, fällt immer mehr ein Uebelstand ins Auge den wir hier namhaft machen wollen. Wir,meinen das sogenannte Jüdisch-Schrerben, d. i. das Schreiben der deutschen Sprache mit den dazu völlig unpaffenden hebräischen Charakteren, welches noch überall mit allem Ernste als einer der nothwendigsten Unterrichtsgegenstande betrieben wird. Wozu in aller Welt soll dies noch nützen? wozu haben wir deutsche Juden oder vielmehr wir Deutsche von jüdischer Religion, es nöthkg für unsern Privat - und Familienverkehr — denn im Geschäftsverkehr gilt es ja, Gott sei Dank, nicht mehr — eine besondere Schrift, die in der Regel kein Anderer versteht, zu haben und fortzupflanzen? Wir streben mit Erfolg danach, bei der Jugend den jüdischen Jargon auszurotten: wie, vergißt man, daß diese Schrift damit in der engsten Verbindung steht? Wir sind alle darin einig, jede Eigentümlichkeit zu verbannen, die nicht unbedingt zur Religion gehört, ja die biblischen und deutschjüdischen Vornamen werfen wir gewaltsam von uns — nur diese völlig zwecklose Gewohnheit pflegen wir und rauben unserer, so sehr überhäuften Schuljugend einen köstlichen Theil ihrer Zeit? Ein wahres Glück ist's, daß die judenfekndllchen Schriftsteller insgesammt so ohne alle Kenntniß ihres Gegenstandes schreibenwas könnten sie sich sonst nicht hieraus für Waffen schnitzen! Kameraderie, Komplott, Staat im Staate, — Gott weiß was alles sie aus einer Gewöhnung machen, die früher freilich ganz natürlich aus dem Lauf der Dinge sich bildete, jetzt aber allerdings nutzlos und sogar schädlich ist. Denn es ist gar nicht zu leugnen: so wie wir uns beengt und unheimisch fühlen, wenn wir in den Kreis einer Familie gerathen, deren Glieder sich einander durch Zeichen, halbe Worte, Sprüchwörter und Beziehungen, Mittheklungen machen, die dem-Fremden unverständlich sind, eben so genirt und ausgeschlossen wird der nichtjüdische Freund sich fühlen, wenn er in unserer Mitte Briefe und Papiere zirkulicen sieht, die expreß geschrieben scheinen, damit er sie nicht soll verstehen können. Es sind nur die deutschen und polnischen aus Deutschland stammenden Juden unter den Europäischen, welche sich dieser Schreibweise bedienen, den Spanischen und Italienischen blieb sie für ihre Sprachen immer fremd und die Englischen, Französischen, Dänischen und Schwedischen, haben sie mit dem deutschjüdischen Jargon ebenfalls abgelegt. Die deutschen Juden haben wahrscheinlich schon viel früher Deutsch geschrieben, als die deutschen Völker (Laien) selbst, und wenn es wahr ist, daß wir mit den 45. und 50. Legionen Roms an den Rhein verpflanzt wurden, so haben unsere schreibflekßigen Vorfahren, natürlich mit den ihnen geläufigen Charakteren früher deutsch geschrieben als Ulfitas. Daß sie diese Charaktere beibehielten, daß die gewöhnliche deutsche-Schrift ihnen nur als jüngere gehässige Mönchsschrift (galclmt) erschien, das lag, wie gesagt, ganz in der Natur der Sache, um so mehr vielleicht, als sie der deutschen Sprache einen nicht unbedeutenden Grad von Heiligkeit und besonderer Gemüthlichkeit beilegten. Alles hier Gesagte giebt zugleich den Grund, weshalb jetzt bei einer ganz andern Wett, jetzt wo nicht die Religionen, nicht die Nacen, nicht die Beschäftigungen die Menschen des zur Einheit gelangten Staats sondern, nebst so manchen andern auch diese Eigenthümlichkeit wegfallen muß. Darum fort mit der deutsch-jüdischen Schrift aus allen, wenigstens öffentlichen jüdischen Schulen in Deutschland, und nur so viel Hebräisch-Schreiben, und das Hebraisch- Schreiben werde gelehrt, das zum Erlernen der hebräischen Sprache, dem man die gewonnenen Stunden zulegen könnte, nöthig ist! Diesen Vorschlag wollten wir hiermit allen jüdischen Schul- und Haus-Vorstehern an'sHerz legen und bitten sie inständig: entweder demselben Folge zu (eisten, oder uns in diesen Blättern baldigst zu widerlegen. H.