Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-03-14 · Heft 11 (14.3.1876) · p. Seite 172

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 11 (14.3.1876)
Date
1876-03-14
Page
Seite 172 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3227069-3227081--34295-3304155
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

172 kleine Separatgemeinde zu „gründen", haben sich in Köln gründlich getäuscht. Die Unzufriedenheit, welche, wir wissen nicht aus welchen Gründen, gegen die Wahl res Herrn Rabbiner vr. Frank bei einer Anzahl Mitglieder vorhanden war, hat nach dessen Amtsantritt sich schnell verloren. Seine Predigten befriedigen vollständig durch Inhalt und Form. Andererseits hat man die Absicht, Verbesserungen des Gottesdienstes einzuführen, ausgegeben, und will die Belebung des religiösen Sinnes gegenüber dem hier üppig aufgesproßten Jndifferentismus von den Predigten und der sonstigen Wirksamkeit des Rabbiners erwarten. Bad-Emö, 6. Marz. (Privatmitth.) Der in Nr. 10 veröffentlichten Petition des Rabb. Vr. Hochstävter an den Landtag haben sich die sämmtlichen Gemeinden des Rabbinatsbezirkes angeschlosien. Aus dem Großherzogthum Hessen, i.März. (Privatm.) Die Einweihungsfeier der neuen Synagoge in unserer Landeshauptstadt Darmstadl, verdient in dem gegenwärtigen Momente aus mehr als einem Grunde eine ganz besondere Beachtung. Die israelitische Religionsgemeinde Darmstadts besaß bis daher ein sehr unscheinbares und kleines Gotteshaus im ältesten Theile der Stadt, in einem dunklen Hofe. Die Parteikämpfe, die sich von Mainz nach Darmstadt verpflanzten, ließen befürchten, daß hier der Boden für zeitgemäße Umwandlung des Gottesdienstes nie fruchtbar gemacht werden könnte. Die Provinz Starkenburg, also die Umgebung dieser Stadt, gehört fast ganz der finstersten Richtung an, welche von vr. Auerbach, der hier so viele Jahre als Rabbiner waltete und auf eine so drastische Weise aus diesem Rabbinatssitze entfernt worden, gepflegt wurde, 6« morluis nil nisi I>ene. Er starb — als Rabbiner — in Halberstadt. Unseren Gemeinden hat er viel geschadet, nicht allein dadurch, daß er den Forlschritt hemmte, sondern mehr noch, weil er den Glauben an den sittlichen Gehalt unserer Religion schwächte und uns in der öffentlichen Achtung schädigte. In seinem Geiste waltet jetzt der Prediger einer separirten Religionsgesellschaft, die sich aus den aus der Provinz Zugezogenen rekrutirt — ein Ableger des Mainzer. Und doch'. Die Einweihung der neuen Synagoge, welche am 23. Februar stattfand, wird mächtig dazu beittagen, die finsteren Geister zu verscheuchen. Daß die verhältnißmäßig kleine Gemeinde aus freier Opferthätigkeit ein so herrliches Gotteshaus im schönsten Theile der Stadt sich erbaute, zeugt vom religiösen Sinne, von Hingebung und Liebe zur angestammten Religion. Der Feier wohnten bei: der Erbprinz Ludwig von Hessen mit seiner Gemahlin Alice (Tochter der Königin Victoria) und mehrere Prinzen und Prinzessinnen des großherzoglichen Hauses mit ihrem Gefolge, die Minister und Ministerialräthe, die höchsten Beamten des Landes, die Spitzen der Militärverwaltung, die Stadtverwaltung, die Kreis- und Provinzialbehörden, die protestantische Geistlichkeit (die katholische hatte sich ausgeschloffen), und viele Freunde aus Nah und Fern, selbstverständlich die Gemeindemilglieder vollzählig. Trefflich ausgeführte Gesänge verherrlichten die Feier, deren Höhepunkt die Rede des Rabbinen vr. Landsberg war. vr. L. ist als Gelehrter und Meister der Rede bekannt; hier zeigte er aber auch den richtigen Tacr, indem er apolegetisch den Gott, das Gebet, und die humanen Ideen des Judenthums verherrlichte. So hat diese Fieer gewiß dazu beigetragen, die Achtung und die Werthschätzung unserer Religion in den Augen der Anwesenden, — ich möchte sagen: wiederherzustellen und zu erhöhen. Das Gotteshaus ist in einem würdigen erhabenen und doch einfachen Style durch Baurath Köhler ausgeführt und zeichnet sich aus vor den anderen neuen Synagogen Süddeutschlands durch das Lichte und Helle, Freundliche und Anmuthende in seiner äußeren Erscheinung wie in seiner inneren Ausstattung. Prachtvolle Beleuchtung, herrliche Ornamente (das rans und die übrigen Stickereien wurden von dem bekannten Buchhändler I. Kauffmann in Frankfurt geliefert und sind wahre Meisterwerke), — Alles erhöht den würdigen Eindruck des Ganzen. Wenn sich nun die Gemeinde Darmstadt« auch ferner recht rege an den allgemeinen Angelegenheiten des Landes betheiligt, — da sie doch an der Ouelle sitzt und hierzu also am besten Gelegenheit hat, so kann diese Einweihung für die Juden unseres Großherzogthums, — das ja den größten Procentsatz Juden in Deutschland hat (3,2 °/o der Gesammtbevölkerung) eine neue Aera in unserem religiösen Leben begründen helfen. — Zur Zeit ist man im Großherzogthum mit der Constituirung eines Stipendienfonds für israelitische Lehramtszöglinge thätig, wofür s. Z. die „Jüd. Volkszeitung" den ersten Impuls gegeben und der jetzt kräftig durch ein Comite in Friedberg gefördert wird. Man darf hoffen, daß ein israelitischer Lehrer, welcher den israelitischen Seminaristen Unterricht in den jüdischen Fächern ertheilt, am Seminare angestelll wird. Es sind bereits 1600 Mark jährlich für mehrere Jahre gezeichnet, gewiß ein sehr schätzenswerlher Anfang. Wir wollen hoffen, daß keine Gemeinde Zurückbleiben wird bei diesem wichtigen Werke, das uns für geeignete jüdische Lehrer zu sorgen bestimmt ist. Oesterreich - Ungarn. Wien, 3. März. (Privatmitth.) Der rumänische Handelsvertrag ist vom Abgeordnetenhause mit starker Majorität genehmigt. Daß diese Mehrheit durch die l'orce-majeure der Cabinetsfrage bewerkstelligt worden, geht schon daraus hervor, daß bei dem Mangel aller Motivirung seitens der Regierung und bei dem Umstande, daß die doch verwaltende politische Bedeutung vom Ministertische gar nicht auseinandergesetzt und vertheidigt werden konnte, weil das Ministerium des' Auswärtigen ein gemeinsames der beiden Reichshälften ist, eine wirkliche Ueberzeugung vom vbjectiven S'.andpunkte aus gar nicht gewonnen werden konnte. Die Verwirrung der Parteien war daher aus-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.