Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 40 (1876)
- Issue
- Heft 11 (14.3.1876)
- Date
- 1876-03-14
- Page
- Seite 171 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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171 selbst wenn die Gegenstände ihrer kindischen Wuth weder Schaden noch Nutzen für sie haben. Leipzig, 1. März. (Privatm.) In diesen Tagen wurde die Nr. 3 der als Manuscript gedruckten „Mittheilungen vom deutsch-israelitischen Gemeindebunve" versandt. Sie enthält besonders den Bericht über den zweiten ordentlichen deutsch-israel. Gemeindetag am 11. April 1875 —allerdings etwas verspätet. Es waren 35 Gemeinden durch Delegirte vertreten. Außer interefsanten Debatten über „die Einordnung des israel. Religionsunterrichtes in die Volksschule und die höheren Lehranstalten", über welches Thema Herr Rector Horwitz aus Berlin eingehend referirte, beschäftigte sich die Versammlung mit der Verfassungsfrage der jüdischen Gemeinden in Preußen und mit weiteren Maßnahmen zur Verhütung des Bettelwesens. Die Einnahmen des Gemeindebundes von 1872—1875 betrugen 11,336 Mark, die Ausgaben 3981 Mark, daß also die Finanzen sich in sehr blühendem Zustande befinden. Hierbei wurde bemerkt, daß noch viele Gemeinden in Rückstand seien, es gäbe sogar solche, die noch gar nichts gezahlt hätten. Angeschloffen ist ferner das Protocoll über die in Leipzig stattgehabte Ausschußsitzung vom 26. Sept. 1875. Als Ergebniß der letzteren sind die in diesem Blatte bereits mitgetheilten Petitionen an das preußische Justizministerium an den preußischen Landtag erstanden. Berlin, 1. März. Der Vorstand der jüdischen Gemeinde hat um das Disciplinarverfahren gegen einen abermaligen Pamphletisten L 1a Rohling, Willmanns nachgesucht und das desfallsige Schreiben ist bereits an Herrn Stadtgerichtsdirector Krüger abgegangen. Die „Germania" macht ihrem Grimm darüber, daß die Juden sich diese ewige Aufhetzerei und lügenhafte Schmähung ihrer Religionsschristen nicht mehr ruhig gefallen laffen wollen, in ihrer gewohnten Weise Luft. Sie bezeichnet die angerufene, gerichtliche Procedur als Polizeigewalt, und meint, diese würde uns doch nicht vor dem schützen, was der „Germania" als Ideal vorschwebt, einer allgemeinen Judenverfolgung. Nun, die Wünsche und Voraussagungen der „Germania" haben sich noch nirgends erfüllt, neuerdings weder in Frankreich noch in Spanien, und da wird sie sich wohl auch in Deutschland als eine falsche Kartenschlägerin bewähren. Berlin, 1. März. (Privatmirth.) Wie aus der „Kreuzzeitung" vom 28. Februar hervorgeht, entblödet sich die „Neue evangel. Kirchenzeitung" nicht,die aus leichtfertigem Klatsch ooer bewußter Fälschung hervorgegargene Behauptung weiterzuverbreiten, 90 pCt. der Gründer von 1871/73 in Deutschland seien Juden, und ihrerseits die neue Unwahrheit hinzuzusügen, Herr Glagau hätte den Nachweis darüber geführt. Ach nein, edles Blatt, dieser Herr hct nur, wie es bei dem Urheber von „Littauen und die Littauer" und ähnlicher Kunststücke nicht zu verwundern ist, etwas in's Gelag hineinbehauptet, was er trotz alles Versprechens und Betheuerns nicht begründen kann, weil es einfach nickt wahr ist. Gründlicher eigener Arbeit bedarf es bei einer „Sensationsschrift ersten Ranges" eben nicht, dafür genügen ein Theil wirklicher, ein Theil erfundener Skandalös» und ein blühender Kellerromanstyl. In welch' unverantwortlicher und dreister Weise von einer gewiffen Clique gelogen wird, wenn sie jammert, „fast die ganze Preffe Berlins befinde sich in den Händen der Juden", zeigt folgender Auszug aus dem Berliner Adreßbuch pro 1870. — Es erscheinen hier: darunter von Juden redigirt oder herausgegeben la. Amtliche Blätter . . . . 37 . . . 1 lb. Nichtamtl. politische Blätter und Zeitschriften . . . . 54 . . . 9 II. Zeitschr. für Wiffensch., Kunst, Handel und Gewerbe. . .231 . . . 32 III. Zeitschriften für religiöse und kirchliche Angelegenheiten. . 22 . . . 2 IV. Unterhaltungs-Zeitschriften . 18 . . . 4 Zus-: 362 Zus.: 48 H. I. —. Laffen Sie mich einige Worte gegenüber dem Artikel Ihres Blattes, den Nr. 8 aus Berlin brachte, bemerken. Der geschätzte Correspondent irrt sehr, wenn er meint, daß die Gemeindevertretung in der Angelegenheit der Wahl eines Predigers müßig sei. Im Gegentheil ist diese für unsere Gemeinde, und namentlich für die jetzigen Zustände und Aussichten hochwichtige Sache Gegenstand eingehendsten Jntereffes und genauester Berathung der obigen Körperschaft. Man meint es der Gemeinde schuldig zu sein, nicht leichthin zuzugreifen, sondern ihr möglichst viele Männer vorzustellen, um den geeignetsten herauszufinden. Man weiß, wie gerade gegenüber dem gefürchteten Zerfall es hochwichtig ist, einen Mann zu gewinnen, deffen Wort anzieht, erbaut, zündet. Darum nun zögert die Gemeindevertretung, und hat jetzt wieder einige Herren zu Gastpredigten berufen, nach deren Anhörung die Entscheidung nicht mehr lange auf sich warten laffen wird. Um nach allen Seiten ihre Schuldigkeit zu thun, hat die Vertretung auch die schriftstellerischen Leistungen der candidirenden Herren eingefordert und dem Urtheil von Fachmännern unterbreitet. Was nun die Auslastung Ihres geehrten Correspondenten betrifft, daß die Kanzel der großen Synagoge verwaist und den Besuchern dadurch die Erbauung einer Predigt entzogen sei. so ist dies ein sachlicher Jrrthum. Allwöchentlich ist in den beiden großen Gemeinde-Synagogen Predigt, indem die Herren I>r. Aub und Dr. Ungerleider sich in bereitwilligster Weise der großen Mühewaltung einer allsabbathlichen Predigt bis zur Wiederbesetzung der vacanten dritten Stelle unterzogen haben. Köln, 3. März. (Privatmitth.) D i e Leute, welche überall umherlauern, um Zerwürfniß und Spaltung in den jüdischen Gemeinden aufzuspüren und zu unterhalten, und möglichst eine