Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 40 (1876)
- Issue
- Heft 10 (7.3.1876)
- Date
- 1876-03-07
- Page
- Seite 159 (sequence 11)
- Language
- German
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.159 wenigstens in den Neu-England-Staaten; und da beive Herren reiche Extrafitze angebracht waren, frühzeitig so überfüllt, daß unter den Theologen ihres Bekenntnisses eine hervorragende Hunderte das Eindringen in dieselbe aufgeben und wieder um- Stellung einnehmen, war die Kirche, obwohl allerorten zahl- > kehren mußten. I e u i l Das Schilfmeer Keine Vorschrift der Thora hat eine so ausgedehnte und ununterbrochene Verwirklichung gesunden, als die, eingedenk zu sein des Auszugs aus Egypten. In unsren täglichen Gebeten wird dieses wunderbaren Ereignisses viele Male erwähnt, selbst im Tischgebet; wie auch in den Büchern der h. Schrift selbst seiner unter allen Begebenheiten des jüd. Stammes am öftersten gedacht wird. Aber auch außerhalb der jüdischen Kreise hat der Auszug aus Egypten stets ein lebhaftes Interesse gefunden. Schon griechische Autoren referirten über denselben, wenn auch in ihrer gewohnten unzuverlässigen Weise, sobald es sich um Dinge, die ausländische Völker und entfernte Gegenden betreffen, handelt. Es versteht sich, daß die Angaben der h. Schrift vielfach der Kritik unterzogen wurden. Sie begegneten in der neueren .Zeit oft genug theils den verneinenden Urtheilen, theils den rationalistischen Erklärungen. Erzählte doch auch Napoleon l. auf St. Helena, wie er bei seinem Aufenthalte in Egypten bei einer schnell eingetretenen Fluth in die Gefahr gerathen sei, im rothen Meere ungefähr da, wo Pharao mit seinem Heere untergegangen, von den Wellen verschlungen zu werden, wenn nicht ein gewaltiger Beduine ihn noch rechtzeitig auf die Schultern genommen und schnell gerettet hätte. Die größte Schwierigkeit machten stets die Angaben der Stationen in der h. Schrift, durch deren Bestimmung allein der Weg, welchen die Israeliten genommen, erkundet werden konnte. Wo waren diese Stationen gelegen, die dann auch die Stelle des Durchzuges Lurch das Meer bestimmten? Das Meer? Der h. Text nennt es Las Binsen-, Schilfmeer, denn die Bedeutung von cpo „Schilf, Binse" war nicht zweifelhaft. Welches Meer ist aber hierunter zu verstehen? Seit uralter Zeit erklärte man es für das „rothe Meer", Len arabischen Meerbusen der Griechen und Römer, der als ein mehr langer als breiter Busen des indischen Oceans Afrika von Asien scheidet, die Ostküste von Egypten bespült, vom Mittelmeer nur durch die schmale Landenge von Suez getrennt, unr an desien Ufern so viel Schilf und Seetang vorhanden ist, daß er den Namen Schilfmeer führen konnte. Bekanntlich geht er nördlich in zwei Buchten aus, welche die Halbinsel des peträischen Arabiens einschließen, und von denen die westliche von den Israeliten durchschritten wurde. Die östliche, der älanitische Meerbusen genannt, gehörte eine Zeitlang zum israelit. Reiche. Nur zweimal tauchte der Zweifel an der Identität des Schilfmeeres mit dem rothen Meere auf, wurde jedoch immer wieder bald beseitigt. l e 1 o n. Nachdem die Kenntniß des egyptischen Alterthums durch die genauere Erforschung der Monumente und die Entzifferung der Hieroglyphenschrift und die dadurch ermöglichte Lesung von Papyrus- Rollen so große Fortschritte gemacht, mußte man von derselben auch bedeutsame Aufklärung über den Theil der biblischen Berichte erwarten, welche Egypten berühren, namentlich auch über den Aufenthalt der Israeliten daselbst unv deren Auszug. Diese Erwartung ist auch schon jetzt nicht getäuscht worden, unv wenn wir uns auch davor hüten, allen Muthmaßungen oder Auslegungen der Egyptologen neuester Zeit sofort vollen Glauben zu schenken, so haben sie uns Loch schon genug des Sicheren und Zweifellosen gebracht, um ihnen nicht vollen Dank zu wissen unv noch mehr von ihren unermüdlichen Forschungen in Zukunst zu erhoffen. Das Dunkel, welches über dem alten Egypten ruhele, hat sich gelichtet, und wir sind vertrauter geworden mit den Zeiträumen vor und nach Moses, als wir dies selbst mit späteren Perioden von Nationen und Ländern sind, die uns viel näher liegen, und die den Fremden nicht so abgeschlossen waren, wie das alte Egypten. Können wir uns doch jetzt ein reiches Bild selbst vom gewöhnlichen Leben, von den Beschäftigungen, Werkzeugen u. s. w. der Egypter in so grauer Borzeit mit voller Sicherheit in Len einzelnen Zügen entwerfen. Absichtslos lieferten sie uns in ihren Gräbern, Bauten, Denkmälern und Schriftwerken Las Material hierzu. Haben die Franzosen durch den Feldzug in Egypten den ersten Anstoß gegeben, und durch einige ihrer Gelehrten bis zu Mariette und Chabbas die wesentlichsten Schritte gethan, so haben auch die Deutschen in neuester Zeit, wie Lepsius, Brugsch, Ebers, Lauth, sich die größten Verdienste erworben. Durch diese Forschungen sind auch bereits mehrfache Angriffspunkte der neueren Kritik gegen die Treue der biblischen Berichte beseitigt worden, allgemeine und einzelne. Wir erinnern z. B. an den früher so oft betonten Zweifel, daß zu Moses Zeit die Schreibekunst schon so ausgebildet und die Materialien zuur Schreiben so häufig gewesen, daß umfangreiche Bücher verfaßt werden konnten. Die unermeßliche Fülle egyplischer Schriftwerke und der zur gedachten Zeit schon unbeschränkte Gebrauch der Schrift in Egypten bezeugte, daß dieser Zweifel völlig unbegründet sei. Für die Angaben des 1. B. Moses über Egypten, har bereits Ebers in einem besonderen Werke die historische Treue bis in die kleinsten Züge unwiderleglich nachgewicfen, und es hat sich gezeigt, daß nichts leichter, aber auch leichtfertiger ist, als von vornherein die Angaben der h. Schrift zu bezweifeln oder zu verneinen, ohne daß man eine genaue 10 *