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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-03-07 · Heft 10 (7.3.1876) · p. Seite 158

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 10 (7.3.1876)
Date
1876-03-07
Page
Seite 158 (sequence 10)
Language
German
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158 die auch seinen Namen tragen, hat Dr. K. zahlreiche Beweise edlen Wohlthätigkeitssinnes, dieser kostbaren Perle unter den menschlichen Tugenden, bekundet. In dankbarer Anerkennung hat der Magistrat im Jahre 1867, die vielen Verdienste des Di*. K. (um die Stadt) richtig würdigend, ihm das Ehren bürgerrecht hies. Stadt verliehen, nachdem kurze Zeit vorher Se. Maj. der König von Bayern ihn mit dem Ritterorden d. hlg. Michael I. Elaste decorirte. Ferner benannte der Magistrat eine hiesige Straße zur Verewigung seines Namens „Königswarter- Straße", und nach einer in deffen heutiger Sitzung geschehener Miltheilung hat Dr. K. neuerdings eine milde Stiftung von 1714 Mk. 29 Pf. gegründet, wovon die Zinsen alljährlich zu zwei Sparcastenscheinen für Waisenkinder jüdischer und christlicher Religion verwendet und an dem Tage vertheilt werden, au welchem die Straßenbenennung nach seinem Namen erfolgte. Die Bertheilung findet demnach am II. März und zwar dieses Jahr an 2 Knaben statt. Oesterreich - Ungarn. Wien, 20. Februar. (Privatmitth.) Am nächsten n"-i Nissan werden es fünfzig Jahre sein, seitdem das alte Gotteshaus in der Stadt, Seitenftritlengaffe, eingeweiht wurde. Gewiß sind feit jener Zeit Gotteshäuser in Israel entstanden, die dasselbe an äußerem Glanze weit überstrahlen, gewiß sind die liturgischen Reformen, die damals vom seligen Mannheimer eingeführt wurden, heute von zahlreichen Synagogen überholt. Nichtsdestoweniger wird dieser Tempel stets einen wichtigen Markstein in der Geschichte der Juden und des Judenthums speciell in Oesterreich bezeichnen. In Folge eines Antrages des Herrn Baron Moritz Königswarter hat der Vorstand ein Comitö eingesetzt, welches Vorschläge über die diesbezügliche Feier machen soll. Wahrscheinlich wird bloß eine Feier im Tempel selbst starrfinden. Man hat Umgang von einer äußern Feier, Festesten :c. genommen, da ■'■nsj a'rirn. Von literarischen Gaben, die bei dieser Gelegenheit erscheinen werden, ist mir vorläufig bloß „Die Geschichte der Juden in Wien (1156—1875) von G. Wolf" bekannt. Wie Sie bereits wisten werden, beabsichtigt das Reichskriegsministerium jüdische Feldprediger anzustellen (während des Krieges im Jahre 1866 fungirle zum ersten Male in dieser Eigenschaft der jüngst verstorbene Herr Josef Szanto/. Die Gemeinden in Wien, Prag und Pest wurden aufgefordert, geeignete Persönlichkeiten vorzuschlagen, die nebst der deutschen noch einer andern Landessprache in Oesterreich mächtig sind. Wie ich höre, hat die Prager Gemeinde Herrn Rabbiner Ehrenthal in Horitz, welcher auch böhmisch, und Pest den Rabbiner in Szarvas, der auch ungarisch spricht, vorgeschlagen. Wien will nun Jemanden Vorschlägen, der auch polnisch spricht, und es wird nicht leicht sein, eine derartige Persönlichkeit zu finden. Es zeigt dies überdies, daß man bei uns in Oesterreich bestrebt ist, auf allen Gebieten das Princip der Gleichberechtigung zur Geltung zu bringen. In Preußen, resp. in Deustchland, ist in dieser Richtung, speciell auf militärischem Gebiete, noch Manches zu wünschen übrig. Im Unterrichtsministerium werden Berathungen bezüglich der Lehrtexte für den jüdischen Religionsunterricht gepfiogen. Da in den meisten Religionsschulen die Bibel im Urtexte ein obligater Lehrgegenstand ist, so prcponiren mehrere Stimmen eine Schulausgabe der Bibel zu veranstalten, in welcher gewiste Stellen wegbleiben sollen. Die Geschichte Israels von dem bereits genannten Dr. Wolf wurde, ohne daß sich der Berfaster darum beworben hätte, vom Ministerium approbirt. Dieses Buch ist ein Exportartikel geworden, da es auch vom Auslände, sogar von Amerika, bezogen wird. Es mag hinzugefügt werden, daß die fünfte Austage sich unter der Preste befindet, und. wird der neue Verleger (Herr Hölder) den Preis ermäßigen. Es ist heute der Todestag Kaiser Josefs ll. Die Protestanten wollen eine Säcularfeier des Toleranzpatentes dieses Monarchen begehen. Ob und was die Juden thun werden, läßt sich vorläufig nicht bestimmen. —. Zu seinem 70. Geburtstage (15. d. M.) wurde Hof- und Ministerialrath Dr. Karl Ritter v. Weil durch zahlreiche Ovationen ausgezeichnet. Bon den vielen Adreffen, Glückwünschen und Telegrammen, die von Nah und Fern einlangten, erwähnen wir eine Adreste, welche, von den beiden Sections-Chefs, sämmtlichen Hoftäthen, Sectionsräthen, Hofsecretären und den übrigen Functionären und Beamten des kaiserlichen Ministeriums des Aeußern ausgehend, die ehrenvollste Anerkennung der langjährigen collegialischen Wirksamkeit des in Ruhestand getretenen Hofraths v. Weil aussprach. Eine zahlreiche Deputation des Vorstandes der Wiener „Israelitischen Allianz" überbrachte dann eine prachtvoll ausgestattete Avreffe, welche die nahezu fünfzigjährige erfolgreiche geistige und publicistische Thätigkeit dieses Mannes im Jn- und Auslände feiert. Amerika. New-Haven (Connecticut), 1. Febr. (Journ. aml Courier of N. H.) Vorgestern, an einem Sonntage, war die Methodistenkirche in der Georgenftraße gedrängt voll; es handelte sich darum, eine Rede des jüd. Rabbiners, Dr. Wechsler, zu hören, der von dem methodistischen Geistlichen, Rev. George Lansing Taylor, freundlichst dazu eingeladen war, um eine in den Zeitungen begonnene theologische Controverse fortzusetzen und zu erledigen. In der Thal bestieg Ur. Wechsler, nachdem Herr Taylor einige einleitende Bemerkungen gemacht, die Kanzel zu einer bewundernSwerthen Rede. Es ist wohl Vas erste Mal, daß ein jüdischer Geistlicher eine methodistische Kanzel inne gehabt hat.

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