Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 40 (1876)
- Issue
- Heft 10 (7.3.1876)
- Date
- 1876-03-07
- Page
- Seite 155 (sequence 7)
- Language
- German
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155 für Jeremias, Ezechiel, selbst JesajaS U, und dann für Hagai, den zweiten Secharja (Kap. 1—9) und Maleachi, der kann den allmäligen Niedergang des prophetischen Geistes sicherlich gar nicht verkennen. Wer endlich an Hiob den Prediger anreiht, dem muß doch füglich einleuchten, daß das eigentliche philosophische Denken fortschritt, aber von der Höhe, vom gewaltigen Inhalt, vom herrlichsten Ausdruck zur fast dürren Ebene heruntergestiegen war. Finden wir nun in dem biblischen Kanon das Buch der Psalmen, wie kann man der überall bewährten gesetzlichen Erscheinung zuwider den besten und größten Theil dieser großartigen Lyrik in eine Epigonen zeit versetzen wollen, welche uns sonst nur falbe Blätter aufweist? Allerdings haben wir eine mehrseitige jüdische Literatur aus der nachexilischen Zeit und auch gleichzeitig mit der Makkabäerperiode. Aber was noch an frischem und originellem Leben aus dem Exil nach Judäa zurückgebracht wurde, erlosch in den nachfolgenden Jahrhunderten immer mehr. Dies beruht schon in dem wichtigen Momente, daß sich bald zwei und spater drei Sprachen um die Herrschaft im Volke und in der Literatur stritten: die hebräische, die aramäische, und die griechische, letztere in ihrer hellenistischen und alexandrinischen Entartung, brachten die Exulanten die hebräische Sprache als lebendige Volkssprache mit zurück, doch schon mit aramäischen Elementen versetzt. Die späteren Exulanten, die allmälig einwanverten, sprachen schon aramäisch, und der Verkehr mit den Nachbarn und den ausländischen Behörden beförderten das Vorherrschen der aramäischen Sprache, die sich auch in die Literatur eindrängte, wie dies die Bücher Esra, Nehemia und Daniel beweisen, so daß das Hebräische zuletzt nur die Gelehrtensprache wurde. Die griechische Sprache wurde zuerst die aller ausländischen Juden, drang aber mit der griechischen Herrschaft in Asien auch in Judäa ein, so daß die Ueberfetzung hebräisch adgefaßter Schriften bald häufig wurde, wie uns im Buche Sirach ein Beispiel überliefert ist. Hatte doch die Geschichte der Makkabäer selbst das Schicksal, uns wesentlich nur in griechisch geschriebenen Büchern hinterlaffen zu sein. Wo aber in einem Volke und einer Literatur mehrere und fremde Sprachen tief in das Leben einvringen und das nationale Idiom verdrängen, da ist an eine originale und höhere schöpferische Kraft des letzteren durchaus nicht zu denken. Den Niedergang der hebräischen Literatur mit jedem Jahrhundert des nachexilischen Bestandes zeigen alle dieser Periode unzweifelhaft angehörenden Schriften: die Chronik, die Bücher Esra und Nehemia, mit ihren diesen Männern zugehörigen ursprünglichen Theilen und den 'päteren Zusätzen, die Propheten Hagai, Secharja 11 und Maleachi, der erste Theil des Buches Daniel, der Prediger. Was haben wir aber gleichzeitig mit der Makkabäcrperiode? Von der einen Seite den zweiten Theil des Buches Daniel, rer, um sich an den ersten Theil anzuschließen, aramäisch beginnt (Kap. 7.) und hebräisch bis zum Ende fortfahrt. Wir brauchen dieses merkwürdige Erzeugniß hier nicht zu charakterisiert; es ist der Ausläufer der visionären Form in Ezechiel und dem zweiten Secharja, und daran knüpfen sich das dritte Makkabäerbuch und die Apokalypse; es ist das gerade Gegentheil der Psalmen, dunkel, verworren, barock an Inhalt und Form. Von der anderen Seite die griechisch-jüdische Literatur, deren Anfänge kurz vor den Beginn der Makkabärerzeit zu setzen. Da haben wir eine Poesie, so nüchtern wie möglich, dann wieder schwülstig, aufzebauschr, gekünstelt ohne künstlerischen Genius; da haben wir Philosophie mit phantastischem Inhalt und groteskem Ausdruck: da haben wir Geschichtsschreibung, die sich nicht über das Niveau zu erheben vermag. Fügen wir noch die ersten Geschlechter der Schriftgelehrten hinzu, von denen uns dieser und jener Spruch in körniger Form aufbewahrt ist: so bildet dies das ganze Bild des damaligen jüdischen Geistes und Schrifrrhums. Da ist denn wahrlich kein Platz für eine Geiftesschöpfung, wie der größere Theil der Psalmen sie bietet, und wir müsien es geradezu als eine Verirrung bezeichnen, dieser Periode die Absaffung der meisten und schönsten Psalmen andichten zu wollen. Hier sieht man so recht, wohin eine Detailkritik irreführl, welche jeden höheren Standpunkt, jece Berücksichtigung der Geistesentwickelung, des Zusammenhangs mit den anderen geschichtlichen Momenten der Zeit aufgegeben hat'. Wir könnten unfern Beweis noch mehr delailliren, aber die von uns gezeichneten Hauptzüge werden genügen, um die ganze Schwäche der gegnerischen Ansicht bloßzulegen. Ist somit sicher eine Anzahl Psalmen nachexilisch, so reichen doch nur sehr wenige bis zur Makkabäerzeit hinein, und diese lasten sich durch die Vergleichung mit den in den spateren biblischen Schriften beliebten, und doch nur aus vorhandenen Phrasen zusammengesetzten Gebeten leicht erkennen. Der eigentliche Kern des Psalters, eer dessen wesentliche Bedeutung ausmacht, gehört jener glücklichen Zeit des israelitischen Geistes an, der auch der Prophetismus, das Buch Hiob, das Hohelied entsprangen. ^beiytim/Cj &U/<xc(atxc&beU/. Deutschland. Leipzig, 27. Februar. Dem Ausschuß des israelitischen Gemeindebundes ist die Nachricht zugekommen, daß das preußische Justizministerium die Staatsanwaltschaft in Paderborn mit der Verfolgung der Schmähschrift „Keine Judenhatz u. s. w." dem Bonifazius-Berein gegenüber beauftragt hat. Berlin, 22. Februar. An der städtischen Andreasschule, welche z. Z. noch eine höhere Bürgerschule ist, aber Realschule