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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-02-28 · Heft 9 (29.2.1876) · p. Seite 143

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 9 (29.2.1876)
Date
1876-02-28
Page
Seite 143 (sequence 13)
Language
German
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143 gericht zu fürchten haben den wier haben uns schon genau erkundingt den es ist glaubenfreiheit den von den 12 Jahr können Sie gehen zu welchen glauben Sie wohlen darum fürchten Sie ihnen nicht Regina wen es Ihr fester wiele ist so können Sie fort gehen wie Sie wohlen wie Sie angezogen Siend wen es Ihnen nicht möglich ist ein anderee kleider miet zu nehmen aber ich duht es nicht um Ihnen zu zwangen Gott bewahre das haben wier keines ihn Sien aber nur das Sie wießen, das Sie es thun könen und das wießen das Sie komen zu mir könen und wen es Ihr wiele ist so brauchen Sie mir nur die Hand zu reichen und ich weiß das es ihr wiele ist und dan schauen Sie sobald als möglich ist davon zu gehen Sie können ihnen gar nichts thun. Das Mädchen ließ stch jedoch durch diesen Brief nicht ansechten. Regine übergab denselben ihren Freunden. Um sie vorweiteren Machinationen zu schützen, brachte sie Herr Adolf P. zu einer anderen Familie, wo sie sich noch gegenwärtig bis auf Weiteres in Pflege befindet. Es ist interessant zu erfahren. Laß alles im Voraus angethan war, das Mädchen zu bekehren. Regine P . . . wurde polizeilich nicht gemeldet, da man zu fürchten schien, es werde die Aufnahme einer Jüdin in's Kloster bei der Polizei auffallen, man hatte offenbar die Absicht, eine Meldung erst nach vollzogener Taufe vorzunehmen. Es wurde ihr ferner schon an dem ersten Tage ihres klösterlichen Aufenthaltes ihr eventueller Taufname beigelegt, damit sie sich an denselben gewöhne. Regine hieß fortan im Kloster nur Josefine. Bevor also Las Mädchen überhaupt noch an einen Religionswechsel denken konnte, glaubte man im Kloster des Erfolges schon so sicher zu sein. Sollte diese Zuversichtlichkeit vielleicht durch Erfahrung gestählt worden sein? Einen Theil der Effecten des befreiten Opfers, sowie die aus wenigen Gulden bestehenden Ersparniffe des Mädchens — es sind Geschenke der Nonnen — befinden sich noch immer in den Händen der Pförtnerin. Man wartet im Kloster wahrscheinlich noch heute auf das persönliche Erscheinen der Eigenthümerin. Doch diesmal haben die ehrwürdigen Schwestern in ihrer Proselyten-Rechnung sich geirrt. Die inhaltsschwere, wahrheitsgetreue Geschichte, welche wir erzählt, ist eben glücklicherweise die Geschichte — einer nicht geretteten Seele. Vermischtes. So manifestirt sich die Vergeltung, oder wie man heutzutage zu sagen pflegt, die Nemesis! Die „Kreuzzeitung" wechselt jetzt ihren Chefrevacteur. Viele Blätter hatten mitgetheilt. Laß der erste Gründer der Kreuzzeitung, der bekannte Wagener, die Leitung des Blattes wieder übernehmen werde. Diesem Gerüchte tritt die Kreuzzeitung entgegen, indem sie versichert, daß der neue Chefredacteur die christlich-germanischen Parteigrundsätze nach den Sätzen von Heinrich Leo und Julius Stahl in voller Unabhängigkeit entwickeln werde, und daß sie mit den Strebercoalitionen nichts zu schaffen habe. Von der einen Seite also erlebt es Herr Wagener, daß er von seiner eigenen Schöpfung desavouirt und abgewiesen wird; von der anderen Seite, und dies gilt uns noch mehr, proclamirt die Kreuzzeitung abermals, daß sie ihre „christlichgermanischen" Grundsätze von zwei getauften Juden habe, Leo und Stahl, von zwei Juden, die doch aus orthodoxen jüdischen Familien hervorgegangen, und nicht etwa aus vorangegangener Kreuzung christlich-germanisches Blut in sich ausgenommen hatten. Die Kreuzzeitung, welche die Juden stets für Fremde erklärt, die des deutschen Patriotismus und des deutschen Empfindens überhaupt gar nicht fähig wären, die dabei zwischen Juden und getauften Juden gar keinen Unterschied macht und den letzteren denselben schädlichen Einfluß zuschreibt, wie den ersteren, muß ihre ganze geistige Habe von zwei Juden entlehnen, von diesen ihre Grundsätze erbetteln, diese als die Urheber der „christlichgermanischen" Principien feiern und hat nicht den Trost, auch nur einen einzigen christlichen Namen jenen beiden Juden zugesellen zu können — das ist Vergeltung! «Zum Raubmord in Ismail.» Die vorige Woche ging die Nachricht durch die Blätter, daß in Ismail «Rumänien) der dortige Arzt, Dr. Rosenthal, in der Nacht vom 25. auf den 29. Januar sammr Frau und Kindern von Räubern, welche in die Wohnung drangen, ermordet worden sei. Die Nachricht bestätigt sich jedoch nicht in ihrem vollen Inhalte. Wohl bleibt noch des Thalsächlichen genug aufrecht, da Hr. Rosenthal von den Räubern ermordet wurde, während feine Frau geknebelt die That mit ansehen mußte; die Kinder aber waren durch einen glücklichen Zufall diese Nacht außer Hause. Dem Schwiegersöhne des Ermordeten, dem hiesigen Arzte Dr. Gustav Spitzer, der auf die Schreckensnachricht sofort nach Ismail geeilt war, gelang es mit Hülse der Consular-Behörden, die Spur der Räuber aufzufinden und ihre Aufgreifung auf türkischem Gebiete (in Tultscha) zu erwirken, vr. Spitzer, der gestern wieder in Wien eintraf, spricht sich mit Anerkennung über die ihm namentlich von den türkischen Gerichten gewordene Unterstützung aus. An der Universität zu St. Petersburg studiren jetzt 17! Studentinnen Medecin. Von diesen sind 13! Orthodoxe, 23 Israelitinnen, 12 Katholikinnen, 4 Protestantinnen, 1 armenische Christin.

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