Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 40 (1876)
- Issue
- Heft 9 (29.2.1876)
- Date
- 1876-02-28
- Page
- Seite 142 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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142 lebenslang in seinem Innern glücklich zu machen, und von diesem Standpunkt will auch ich ausgehen. Der Allerhöchste hat sich gewürdigt, auch mir Seine erleuchtende Gnade zu schenken, mittelst welcher ich erkannt habe, daß nur ein Glaube ist, der selig machen kann und zu dem auch ich mich mit der erkannten Gnade jetzt bekennen will. Also nicht Zwang, noch Jntereffe ist es, sondern ich erkläre es für wahr, daß nur reine Absicht mich hierzu bestimmt. Zudem haben wir ja auch eine unsterbliche Seele. Für diese zu sorgen ist unsere vornehmste Pflicht, und dieses habe ich gar oft schon bei mir im Süllen erwogen, daß in jenem Glauben, in dem ich geboren bin, kein Heil zu finden sei, zumal dann, wenn ich Licht und Erkenntniß von Gott bekomme, und ich hartnäckig mich nicht erleuchten ließe. Theuerste Eltern! Nicht der Ort, nicht die Stadt ist daran schuld, denn, wenn ich auch zu Hause wäre, mein Sinnen und Trachten möchte demselben Verlangen entgegengehen. Mir geht es immer recht gut, und ich danke Gott dafür, daß ich unter so herzlich guten Menschen bin. Theuerste Eltern! Wenn ihr das nächste Mal wieder schreibt, so adressirt direct an mich, -und nehmet diese Zeilen ebenso freudig aus, wie ich sie Euch sende. Ich glaube im Vertrauen zu Gott, Euch versichern zu können, daß ich Euch gewiß mehr Freude mache in meinem erwünschten neuen Glauben. Lasset fahren, liebe Eltern, jede Kränkung, die Euch aus meiner Mittheilung wird, denn ich liebe Euch noch inniger und wünsche, daß Alle mein Glück schätzen lernen möchten. Nehmet hin meinen Handkuß. In aller Hochachtung verbleibe ich Eure bis in den Tod liebende Tochter Regina. Geschrieben zu Wien, am 31. Januar 1876. Ich bitte um baldige Antwort." Der Vater war trostlos. Er richtete sofort an einen hier ansässigen Verwandten, seinen Neffen Adolf P., einen Brief, in welchem er ihn beschwor, das irregeführte Kind unverzüglich aris dem Kloster zu entfernen. Der Neffe begab sich nach Empfang dieser Botschaft Mittwoch den 2. d. in das Kloster der Elisabethinerinnen, und nachdem er aus dem Munde des armen Mädchens, seiner Cousine, erfahren, daß es durchaus nicht ihr Wille sei, Christin zu werden, verlangte er von der Pförtnerin, bei welcher sich das Mädchen befand, die sofortige Entlastung des Mädchens. Trotz der Vorwürfe, daß es unverantwortlich sei, ein Kind auf solche Weise seiner Familie zu entfremden, wollte die Pförtnerin in die Entfernung des Mädchens durchaus nicht willigen. Es wurden die nichtigsten Borwände vorgebracht, um dieser Weigerung den Schein des Rechtes zu geben. Die Pförtnerin behauptete, dem Mädchen verschiedene Kleidungsstücke, bestehend aus einem Kopftuche, einer Schürze und einem Paar Schuhen, gegeben zu haben, und daß sie daher berechtigt sei, das Mädchen insolange zurückzuhalten, bis es diese Lappen „abgearbeitet". Es wurde also gewissermaßen ein Dienstverhälmiß geltend gemacht. Der Cousin und Anwalt des Mädchens erbot sich die Differenz durch Geld auszugleichen. Vergebens. Er bekam eine ausweichende Antwort, das Mädchen müffe, wie ein Dienstbote, wenigstens noch die vierzehntägige Kündigungsfrist im Hause bleiben, obzwar von einem Dienstverhältniß (ohne Lohn, die Entlohnung bestand höchstens in den oben genannten, fast werthlosen Effecten) keine Rede sein konnte. Gleichviel, das Parlamentiren blieb erfolglos. Herr Adolf P. mußte unverrichteter Dinge abziehen. Nach einem zweiten vergeblichen Versuche verlangte Herr P. denselben Abend zum dritten Male Einlaß in's Kloster. Diesmal wurde ihm derselbe in Abwesenheit der Pförtnerin von einer alten Frau gewährt. Nach einigem Widerstreben rief die Matrone das Mädchen herbei. Herr P. ergriff den Arm seiner Cousine, welche ihm willig folgte. Begünstigt von dem Umstande, daß die grimmige Hüterin fern war, verließen die Beiden schleunigst das Kloster — das Mädchen war gerettet. Regina P. wurde nun von ihrem Beschützer zu einer befreundeten Familie auf der Landstraße gebracht. Tags darauf machte die Geschichte ras größte Aufsehen im Kloster, und besonders unangenehm war der ganze Vorgang einer im besagten Kloster lebenden Baronin H., die für den Fall der Taufe sogar schon Festkleider für das Mädchen hatte anfertigen lasten und die nun dermaßen alterirr war, daß sie die Aeußerung that, sie möchte gerne hundert Gulden und noch mehr dafür geben, um den Cousin für die „Entführung aus dem Kloster", wie sie es nannte, zu bestrafen. Herr P. war galant genug, als er diesen frommen Wunsch der frommen Baronin vernahm, derselben seine volle Adresse übermitteln zu lassen. Nun tritt die an der Spitze dieser merkwürdigen Geschichte bezeichnete Maria L., die Stiefschwester der „Entführten", wieder als handelnde Person auf. Die Pförtnerin wollte den in ihrer Abwesenheit begangenen und so schmerzlich beklagten Fehler wieder gut machen. Sie wußte mit Hülfe der Slieffchwester den Aufenthaltsort des Mädchens zu ermitteln, und begann ihr unterbrochenes Werk auf's Neue. Unter dem Vorwände, sie komme nur zu sagen, daß die zurückgebliebenen Effecten, sowie die bei ihr in Aufbewahrung verbliebenen Sparpfennige des Mädchens nur dann ausgefolgt werden, wenn sie die Sachen persönlich im Kloster abhole, drückte sie derselben einen Brief in die Hand, welcher der schlauen Freundlichkeit und Scheinheiligkeit der anonymen Versucherin, wir müssen gestehen, alle Ehre macht. Wir können es uns nicht versagen, diesen Brief, der übrigens durch seinen grotesken Styl und seine Orthographie einige erheiternde Abwechslung bietet, hier vollinhaltlich wiederzugeben. Er lautet: Liebe Regina! men ich Sie auch unter dessen sichre das ich spreche von Ihrer wasche was Sie noch bei uns haben so lassen Sie nur fort haben so mach ich Ihnen zu wiessen das Sie jede stunde bei einer Frau Matula aufgehoben Siend und das Sie gar kein