Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 40 (1876)
- Issue
- Heft 9 (29.2.1876)
- Date
- 1876-02-28
- Page
- Seite 141 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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141 im Wege, und soll dieselbe sofort nach erfolgter Bestätigung von Seiten des Curators des hiesigen Lehrbezirks, welche in diesen Tagen erwartet wird, vor sich gehen. Da den jüdischen Studirenden nun, welche den Unterricht an dieser Schule übernommen haben, kein den Bedürfniffen entsprechendes deutsches Lesebuch, welches mit dem Alphabet beginnen, und in aufsteigender Reihe auch Leseübungen schwerer« Inhalts enthalte» muß, bekannt ist, und wir andererseits ein Lesebuch einführen möchten, in welchem alle etwaigen Lectüren christlich-religiösen Inhalts vermieden sind, also am besten ein von einem Juden verfaßtes: so richten wir an Sie die ergebenste Bitte, uns ein unsrem Wunsche entsprechendes Buch empfehlen, oder, wenn möglich, in 40—50 Exemplaren mit Angabe des Preises zuschicken zu wollen. Der Betrag für die Bücher soll Ihnen dann sofort nach Empfang derselben mir größtem Danke erstattet werden. Auch würden wir Sie bitten, das von Ihnen verfaßte Religionsbuch und den kleinen Katechismus, jedes in 2 Exemplaren, entweder Ihrem Briefe oder den Lesebüchern gütigst beizufügen. Mit Hochachwng rc. Amerika. New-Iork, 28. Januar. Aus Pine-Bluff in Arkansas wird dem Uebr. Lead, eine betrübende Thal res Fanatismus gemeldet, wie sie zum Glücke in den Vereinigten Staaten unerhört ist: Die Gräber und Denksteine des jüdischen Friedhofes jener Stadt sind auf schändliche Weise verwüstet worden. Leider ist es bisher noch nicht gelungen, die niederträchtigen Verüber dieses Frevels zu entdecken. Man hat eine Sammlung veranstaltet, um die kleine israelitische Gemeinde von Pine-Blusi bei der Wiederherstellung ihres Gottesackers zu unterstützen. Zu erwähnen ist dabei noch, daß durch die wilden Kämpfe, die während des Secessionskrieges gerade in Arkansas spielten, nicht nur der Wohlstand, sondern auch die geistige und moralische Cultur dieses Staates stark zerrüttet worden sind, und alles dies sich seidem nur langsam wieder gehoben hat. I e u i l Die Geschichte einer nicht geretteten Seele. Unter obigem Titel rheilt das „Neue Wiener Tagblatt" vom 10. Februar folgende Geschichte mit, die, so neu sie der Zeit nach ist, doch nur eine alte, d. h. durch die Proselytenmacherei immer wiederholte ist, deren Wahrhaftigkeit uns aber noch besonders durch den verehrteen Mann, der uns das Blatt überschickt, verbürgt ist. Das N. W. T. berichtet: Wir erfahren nachstehende seltsame Geschichte, welche, in all' ihren Details vollkommen verbürgt, unzweifelhaft die energischeste Aufmerksamkeit der maßgebenden Behörden auf sich lenken wird. Die Thatsachen sprechen zu deutlich, als daß sie eines Commentars bedürften, und wir können uns darauf beschränken, dieselben in trockenen Worten zu erzählen, wie sie uns mitgetheilt wurden. Bor ungefähr zwei Monaten wurde Regina P . . ., ein armes, fünfzehnjähriges Judenmädchen, unter eigenthümlichen Vorspiegelungen aus einer Provinzstadt Mährens, dem Wohnorte ihrer Eltern, nach Wien gelockt. Eine Stiefschwester Reginens, Namens Marie L., welche hier wohnhaft ist, war es, die, vorgebend, daß sie dem Mädchen, den Intentionen des strenggläubigen Vaters gemäß, in Wien bei einer braven jüdischen Familie einen Dienstplatz verschafft habe, den Vater zu bewegen verstanden hatte, seine Tochter nach der Residenz ziehen zu lassen. Es sei nun hier gleich erwähnt, daß die Stieffchwester, eine Convertitin, allerlei dunkle Beziehungen zu Klöstern, und namentlich in letzterer Zeit zu dem Elisabethinerinnen-Kloster auf der Landstraße unterhält. Thatsache ist, daß Regina P. nicht, l e 1 o n. wie es hieß, in die „brave jüdische Familie", sondern „zur weiteren Ausbildung" in das bezeichnete Kloster gebracht wurde. Daselbst genoß jedoch das unerfahrene Kind nicht nur Unterricht in häuslichen Dingen, sondern auch in den Lehren der katholischen Religion, wurde zu mannigfachen kirchlichen Handlungen, sowie zum Lesen und Anhören von Predigten verhalten, endlich sogar, als ob sie bereits Christin geworden wäre, mit einem um den Hals zu hängenden Kreuze u. dgl. versehen, und so durch alle erdenklichen Mittelchen der Receptirkunde wohlorganisirter Proselytenmacherei unbewußt für die Aufnahme in den Schoß der allein seligmachenren Kirche vorbereiter. Dieses Werk krönte man damit, daß am 31. v. M. im Namen des Mädchens an dessen Vater ein Brief gerichtet wurde, in welchem um die väterliche Einwilligung zur Taufe Reginens und um di recte Antwort gebeten wird. Der volle Wortlaut des Briefes, welcher uns vorliegt, ist folgender: „Gott zum Gruße! Theuerste Eltern! Seid mir vielmal gegrüßt. Mit Entschiedenheit ergreife ich heute die Feder, um Euch mitzutheilen, jenes Glück und jene Gnade, die mir von Oben geworden ist. Mit Ungeduld sah ich beinahe dem Tage entgegen, wo ich meinen mit reisticher Ueberlegung gefaßten Entschluß, den Uebertritt zum katholischen Glauben Euch offenbare. Es ist dieses mein-freier Wille. Glaubet nur ja nicht, theuerste Ellern, daß dieser mein Entschluß etwa zur Reife kam durch das vermeintlich fromme Zureden derjenigen Christen, in deren Umgebung ich mich befinde. Nein, keineswegs! Denn eine gezwungene Sache ist nicht im Stande, einen Menschen 9*