Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 40 (1876)
- Issue
- Heft 9 (29.2.1876)
- Date
- 1876-02-28
- Page
- Seite 139 (sequence 9)
- Language
- German
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139 behördlichen Instanzen zu verdächtigen suchten. Genug, diese Fesseln sollen gelöst und unserem Bet Ha-Midrasch die Bahn eröffnet werden, welche es von Anfang an betreten wollte. Im Verlaufe einiger Monate sind nämlich drei Hörer unses Institutes, welche unter der Leitung der Herren Lectoren des Bet ha-Midrasch ihre jüdisch.rheologische Ausbildung erlangt haben, zu Rabbinern gewählt worden: es sind dies Herr Or. Julius David, der von der Religionsgemeinde in Preßburg, Herr l)r. David Leimdörfer, der nach Nordhausen in Preußen, und Herr Or. Adolf Currein, Rabbiner in St. Pölten, der von der israelitischen Culrusgemeinve in Linz berufen wurde." Die Vorlesungen während res Wintersemesters 1875/76 befaßten wöchentlich 171 > Stunden, von denen Weiß 10, Friedmann 4V-2, Jellinek 1, S. Spanto 2 las. Die Gegenstände waren Talmud, Midrasch Rabba, Agadot Bereschit, Jore Deah, das Buch Hiob, die Bücher Esra und Nehemia und die laufende Parascha. Die Einnahmen beliefen sich auf 3255 fl., die Ausgaben auf 399«> st., so daß 734 fl. vom Capital entnommen werden mußte, das demungeachte: von 29,550 st. auf 32,550 fl. stieg, nebst 646 fl. baar. Bon den Ausgabeposten kamen 2858 ft. auf Gehalte, Remunerationen und Honorare. Dies macht auf die 17 Stunden wöchentlich auf jede Stunde die Woche p. Jahr durchschnittlich 163 fl., was mit dem Honorar an höheren preußischen Lehranstalten für nicht definitiv angestellte Lehrer und an der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums zu Berlin, nämlich 300 Mark, Lbereinstimmt. Es ist sehr zu wünschen, daß dieser ebenso segensreich, wie geräuschlos wirkenden Anstalt sich noch mehr Beiträge und Spenden zuwendeten. Aus Böhme», im Februar. lPrivatmilth.) Im Jahre 1872 brachte der Rabbiner Or. Ehrlich in Bayern eine Petition ein bei der bayerischen Kammer, um die Ausbefferunz der Rabbinergehalte aus Staatsmitteln. Bei der Etatsberalhung für die Geistlichen stellte der Abgeordnete Dr. Frankenburger < Israelit) den Antrag: Es möge in Landgemeinden, deren Rabbiner nicht 900 ft. fixirtes Einkommen haben, die Ergänzung vom Staate geschehen. Die Kammer votirte soforr diesen Betrag. Im Finanzgesetz vom 28. April 1872 für das Finanzjahr 1872—73, Capitel VIII., Etat für Kirchen 5, lautet schon die Position: Etat für Rabbiner. Im Jahre 1874, wo die Gehalte für Geistliche erhöht wurden, hat die königl. Regierung aus eigener Initiative dieselbe Erhöhung auch für die Rabbiner beantragt, was auch von der Kammer ohne Anstand acceptirt wurde. So in Bayern! Und in Oesterreich? Im Januar 1874 ist von dem Dachauer Rabbinate eine Petition mit Unterschrift von mehreren Rabbinen bei dem Reichsrathe durch Herrn vr. Bareuther (Nichtisraelit) eingebracht worden. Am 1. Februar 1875, 106. Sitzung, ist über diese Petition einstimmig beschlossen worden, da kein Ur. Frankenburger das Wort für die Rabbiner ergriffen hatte, diese Petition der k. k. Regierung zur eingehenden Berücksichtigung zu empfehlen. Am 4. März 1875 hat die h. böhmische Statthalterei in Folge des h. Erlasses des k. k. Ministeriums vom 14. Februar 1875, Z. 1987, an die Repräsentanz der böhmischen Landesjudenschaft das Ansuchen gestellt: sich über die Nothwendigkeit der angefuchren Subvenlionirung der Localrabbiner auszusprechen, zugleich einen motivirten Antrag zu stellen: in welcher Art die zu erlheilenden Beträge zu bemessen wären? Schon am 8.September 1875 hat die l. Repräsentanz der böhmischen Lanvesjudenschafl die Nothwendigkeit der Subvention anerkannt, und ruf die weitere Frage einen motivirten Antrag gestellt. Diese Beschlüsse und Anträge wurden der hohen Statthalierei auch schon Ende October 1875 übermittelt. Der Reichsrath , der im September wieder eröffnet wurde, brachte im Voranschlag pro 1876 für die Rabbiner Nichts. Auch in dem angesuchten Nachcredit von dem k. k. Ministerium wird von einer Subvention für Rabbiner nichts erwähnt. Das Tachauer Rabbinat hat hierauf am 15. September 1875 neuerdings eine Petition an den Reichsrath gerichtet und durch den ehrenwerlhen Ur. Bareulher eingebrachr. Im Budgetausschuß hat bereits der Referent, Herr Abgeordneter Dr. Rodler, wieder den Antrag gestellt : diese Petition der h. Regierung zur eingehenden Würdigung zu empfehlen. Der Antrag wurde in Gegenwart des Herrn Ministers ohne Widerspruch zum Beschluß erhoben. In den nächsten Tagen wird schon im h. Hause, wie verlautet, darüber abgeftimmt werden, und wenn wieder kein vr. Frankenburger anwesend sein sollte, dasselbe Resultat erzielt werden. Was aber daun? Wird Sr. Exellenz der k. k. Minister die ihm schon zweimal empfohlene Würdigung auch wirklich würdigen? Wir wollen es hoffen. Die finanzielle Lage des Staats kann nicht gut als Vorwand ausgestellt werden, um länger hinzuhalten. Die volle gesetzliche Gleichberechtigung streitet dagegen. Für 1876 sehen wir die Subvention für die Seelsorger der helvetischen und Augsburger Confession mir 75,000 fl. eingestellt, 50,000 fl. als Ordinarium und 25,000 fl. als Extraordinarium, die auch das Haus ohne Rücksicht auf die finanzielle Lage genehmigte. Demnach ist es nicht einleuchtend, daß jüdischen Seelsorgern, weil ihnen unbegreiflicher Weise diese Rechtswohlrhat bis jetzt vorenthalten wurde, noch länger im Nothstande bleiben sollen. Die Rabbiner haben ja nur die halbe Summe angesprochen, die man dem evangelischen Clerus schon verabfolgt. Sollte übrigens wider Erwarten auch diesmal nichts geschehen, so würde sicherlich von dem Tachauer Rabbinate zum drittenmal die Petition eingebrachr werden. Frankreich. Paris, 16. Februar. Es ist bemerkt worden, daß unter den von den Delegirten der Gemeinden gewählten 225 Senatoren weder ein Jude, noch ein Protestant ist, so daß in dem Senate nur ein Israelit, Crämieux, sitzen wird, der bekanntlich zu den 7 5 von der Nationalversammlung gewählten lebensläng- 9