Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 40 (1876)
- Issue
- Heft 9 (29.2.1876)
- Date
- 1876-02-28
- Page
- Seite 135 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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135 gehoben unv für dieses ausgegeben werden. Ebenso wenig darf man für sie ein einzelnes Motiv, wie das der Handelsconcurrenz hinstellen, und daraus ein historisches Gesetz folgern wollen. Lehrreich hierfür könnte auch das Verfahren der heutigen Ultramontanen gegen die Juden sein. Daß diese sich lediglich vom religiösen Zelotismus beherrschen lasien und nichts Anderes als die unbedingte Herrschaft der Kirche über den Staat erstreben, ist zweifellos. Aus diesem Motiv haben sie, völlig unprovocirt, den heftigsten Kampf gegen die Juden eröffnet. Da sie nun zu blutigen Hetzen das Volk aufzufordern nicht wagen dürfen, ohne vom Arme des Strafrichters erreicht zu werden, kleiden sie sich in das handelspolitische und volkswirthschaftliche Gewand. Sie suchen aus sere Weise der unwisienden Masse einzureden, daß alle wirthschaftlichen Uebel- und Nothstande von den Juden herrühren, und geben immer widerholt den Rath, alle gewerblichen Verhältnisie mit den Juden abzubrechen. Sie wisien sehr wohl, daß dies ein ganz erfolgloser Rath ist; aber dieser ganze Weg scheint ihnen doch der gangbarste, um Haß und Verachtung in die Seele des Volkes zu verpflanzen, während schließlich das einzige Motiv und Mittel — der religiöse Fanatismus ist. Literarischer Wochenbericht. Brünn. Anfang Februar. „Die Ethik des Maimonides. Von Nr. David Rvsin. Breslau, 1876" «gr. 8, 150. Programms-Schrift des Fränckel'fchen j. th. Seminars. Unter demselben Titel, wie vorstehende Schrift, war schon 18?.2 in Königsberg ein Buch erschienen, enthaltend eine Uebersetzung der unter dem Namen „die 8 Abschnitte" bekannten Einleitung des Maimonides zum Tractate Aboth. Trotzdem diese Abhandlung res zweiten Moses schon durch mehrfache Uebertragungen (1055 durch Pococke> und ganz besonders neulich durch die schätzbare arab. Text-Ausgabe sammt deutscher Uebersetzung Wolffs (1503) rer wissenschaftlichen Welt zugänglich gemacht worden war, muß dennoch eingestanden werden, daß eine wiffenschaftliche Darstellung der maimon. Ethik in der literarhistorischen Bearbeitung rer jüd.-arab. Philosophie geradezu elne Lücke bisher gebildet. Wir haben auf diesem Gebiete überhaupt noch wenig Specialarbeiten der Art zu verzeichnen, die den Anforderungen einer exacten Wissenschaftlichkeit entsprächen. Grund genug, daß wir jeden Beitrag dankbar aufnehmen, der einige Bausteine für das noch aufzuführende systematische Gebäude der mittelalterlichen jüd. Philosophie wohlgefügt zusammenträgt. Der Programms- Arbeit des Hrn. llr. Rosin können nun aber die Merkmale vollendeter Wissenschaftlichkeit und Gründlichkeit getrost zugesprochen werden. Freilich wäre es keine große Mühe gewesen, eine erschöpfende und dabei übersichtliche Reproduction der 8 Perakim zu liefern und einer solchen Skizze Parallelen und Ergänzungen aus dem tiprnn -r (insbesondere aus m?-: 'rO, dem Moreh und den anderen Schriften M/s einzuverleiben — allein eine solche Arbeit könnte nicht als eine organische Darstellung der Ethik des M. bezeichnet werden. Hierzu war es nothwendig, durch ein eingehendes Studium der gesummten maimon. und vormaimon. Philosophie, der verwandten arab. Vorgänger, sowie der gemeinschaftlichen griechischen Quellen, insbesondere der auf die Ethik Bezug habenden Schriften nicht blos die innere Kenntniß der Lehrmeinungen des M. selber zu erlangen, sondern auch den Zusammenhang mit den vorausgegangenen ethischen Systemen und den Fortschritt der eigenen Anschauungen des elfteren zu kennzeichnen und den vorhandenen Stoff hinwiederum in eine von logischen Gesichtspunkten beherrschte systematische Anordnung und Gruppirung zusammenzufasien, ohne dem Originale und desien Geiste Gewalt anzuthun, oder auch nur, mehr als nöthig, deffen Gedankenfolge untreu zu werden. Die Ethik des M. verdient aber eine so sorgfältige Behandlung, weil sie mit Beziehung auf die Vorgänger als diejenige bezeichnet werden muß, die weitaus die breiteste philosophische Basis hat und voraussetzungslos, rein rational aufgebaut, ein förmliches System darbietet. Demgemäß hat auch Herr Dr. Rosin sich seine Aufgabe nicht leicht gemacht und nicht allein eine Darstellung, sondern eine auf breitester Grundlage angelegte Untersuchung dieses Gegenstandes durch die stätige Prüfung auf die Quellen des M. geliefert. Die Abhandlung wird eingeleitet mit einer Würdigung des liefen ethischen Gehaltes des Judenthums und seines Schriftthums, der jedoch mit Religionsgesetz und Rechtslehre so innig verwachsen war, daß er in biblischer und selbst talmudischer Zeit eine gesonderte, zweckbegrisilich unternommene Behandlung nicht erfahren, vielmehr erst zu jener Zeit zur abstracten Darstellung gelangte, als die Kenntniß der griech. Philosophie den jüd. Geist auf die Wegspuren der philosophischen Systematik geleitet hatte. Hierauf erfahren die Quellen des M. eine eingehende Untersuchung, es werden die Vorgänger des M. unter arab. und jüd. Philosophen sammt den einschlägigen Werken aufgezählt und charakterisirt und aus der Vergleichung mit jenen die Resultate gezogen. Die Anlehnung an Aristoteles' Nikomachifche Ethik durchzieht die gefammte ethische Grundanschauung des M., nähere Berührungen, directe Entlehnungen werden nachgewiesen betreffs des Alfarabi, Algazzali, ibn Baga, die Vergleichung mit Saadja, Gebirol, Bachja, ibn Zaddik, Jehuda Hallevi u. s. w. weist mannigfache Uebereinstimmungen, aber auch Abweichungen nach, die mit mehr oder weniger Sicherheit auf deren Benützung schließen lasten. Als die Tendenz der systematischen Abhandlung des M. zu Aboth, sowie seiner ethischen Forschungen überhaupt, erscheint dasjenige Bestreben, welches als der eigentliche Motor der gesammten philof. Production der arab. redenden Juden angesehen werden muß, der logische Nachweis der Uebereinstimmung der jüd. Glaubens- und Gesetzeslehre mit den Ergebniffen der