Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-02-22 · Heft 8 (22.2.1876) · p. Seite 117

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 8 (22.2.1876)
Date
1876-02-22
Page
Seite 117 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3227069-3227078--34237-3304094
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

117 er zu zwei unbeweglichen, düstern Gruppen auf den Höhen und rief: „Auf, Herr Pfarrer!" und der Pastor Damour, an der Spitze seiner Psarrkinder, intonirte den Psalm: „Es ist hohe Zeit!" — und die beiden dunkeln Massen, mit gesenkten Piken, stimmten den 68. Psalm an und versenkten sich in die Reihen der Feinde, verschafften Len königlichen Truppen Zeit, sich zu sammeln und dem Schlachtengesang der Hugenotten in die Bresche zu folgen, welche sie gebrochen. Die Liguisten wurden gänzlich geschlagen, Heinrich IV. und mit ihm Frankreich war gerettet. „Es ist eine sonderbare Sache", fügt Röville hinzu, „zu sehen, wie dieses alte jüdische Lied also zu einem guten Theile beigetragen hat, das moderne Frankreich zu schaffen." — Wie nun, wenn die Psalmen zum Schlachtengesang so kriegerischer Mafien, die zugleich von religiösem Fanatismus beseelt waren, sich eigneten, sie zu Heldenthaten, zu unerschütterlichem Muthe, zum Kampf bis zum Tode oder Siege begeisterten, wie sollen sie nicht einem Geiste entsprungen sein, der mit dem religiösen Eifer die kriegerische Neigung und Tapferkeit verband? . . . Der psychologische Beweis, daß gar keine Psalmen davivifchen Ursprungs sein, scheint uns somit gänzlich gescheitert. Reuß schreibt bis auf drei oder vier Ausnahmen sämmtliche Psalmen der makkabäischen Zeit, dem zweiten Jahrhundert vor der g. Z. zu. Diese Ansicht ist nicht neu und jetzt vielfach verbreitet. Wir wollen zum Schlüsse die Gründe anführen, welche uns nachdrücklich dagegen zu sprechen scheinen..') (Schluß folgt.) Literarischer Wochenbericht. Pest, im Januar. Bon dem den Lesern dieses Blattes bekannten philosophischen Schriftsteller, Herrn L. R. Landau, 1) Röville führt einige wenige Einzelnheiten an, namentlich den Psalm 74, den die Ueberschrift einem Aßaph zuertheilt. Dieser Psalm soll den Beweis führen, daß er nur zur Zeit des Antiochus verfaßt sein kann. Der Psalm giebt aber selbst den erschien jüngst wieder eine neue Schrift: Ter Gottesbegriff und das geistige Princip, oder die Philosophie und die Religion der Zukunft (Leipzig, C. Hermann, 1876). Der greife Verfasser, von dem anerkennenswerthen Streben beseelt, dem gemeinen Besten, wenn auch nicht gleich, so doch vielleicht in einer nicht zu fernen Zukunft einen Dienst zu erweisen, beabsichtigt in dieser Schrift, „Philosophie und Religion auszusöhnen und einem Rangstreit zwischen zweien Rivalen ein Ende zu machen, welche sich vielmehr gegenseitig unterstützen sollten, um sich gegen ihren gemeinschaftlichen Feind, den Unglauben, zu vertheidigen". Zu diesem Zwecke sucht er zuvörderst das Dasein Gottes neu zu beweisen. Nachdem er die allgemeinen und allbekannten Einwendungen die gegen den Gottesbegriff erhoben werden, widerlegt, acceptirt er den sog. teleologischen Beweis, den ältesten, klarsten und dem gemeinen Menschenverstände angemessensten, wie der alte Kant ihn schon bezeichnet und fügt diesem einen neuen Beweis für das Dasein eines höchsten Wesens hinzu, „welchen die aus dem Princip der Causalität, wie aus der Fortentwickelung der organischen Wesen und der Zweckmäßigkeit in der Einrichtung der Well geführten, ergänzen und bestätigen soll." Möge diese Schrift, in der der Leser neben Bekanntem auch neue und beherzigenswerthe Ideen findet, zur Erreichung des beabsichtigten Zweckes wesentlich beitragen und hoffen wir, daß es dem Verfasser vergönnt sei, sein verheißenes „System der gesammten Ethik" demnächst erscheinen zu lassen. Kg. unwiderleglichften Beweis hiergegen. V. 7 heißt es: „Sie steckten Dein Heiligthum in Brand, entweihten bis auf den Grund die Wohnung Deines Namens". Antiochus hat aber den Tempel nicht verbrannt, nicht bis auf den Grund ("nrrr) zerstört, und Juda Makkabi brauchte nur die Greuel aus ihm zu entfernen und ihn wieder zu heiligen. Der Psalm paßt allein aus die Zeit gleich nach der Zerstörung des Tempels durch Nebuchadnezzar (s. unsren Commentar B. Ill, S. 194 :c.). Wollte man über den Vers 5 hinwegsehen, so könnte er ebensogut auf die Verwüstung des Tempels durch den egyplischen König Sisak (1 Kön. 14, 25) bezogen werden. 1 Dann hob er hervor, daß die Hochschule keine Partei der auch > in jüdischen Kreisen an Parteien nicht armen Gegenwart aus-! schließlich vertritt. Mit alleiniger Ausnahme der ebenso unwis- Leipzig, im Februar. (Privatmitth.) Vor Kurzem hielt senschaftlichen als auf Alleinbesitz der Wahrheit Anspruch machenin der hiesigen Synagoge vor einer zahlreichen Versammlung den krassen Orthodoxie von der einen, sowie des aller Idealität Prof. vr. M. Lazarus aus Berlin einen an Inhalt wie anbaaren Materialismus von der andern Seite, ist jeder sonstigen Form ausgezeichneten Vortrag über die Hochschule für die Wissenmit Wahrhaftigkeit und wissenschaftlichem Ernst vertretenen relischaft des Judenthums zu Berlin. Er charakterisirte zuerst die giösen Richtung ihre Entfaltung und Pflege eingerämt und ver- Verhältnisse, aus welchen das Bedürfniß einer solchen Lehranstalt I gönnt. Es bethätigte sich dies auch schon in der Wahl der erwuchs und auf welche Weise sie entstanden ist, und schilderte I Lehrer, die durch den wissenschaftlichen Geist verbunden, nebendann den Bestand ' derselben in ihrer jetzigen Beschaffenheit. > und miteinander in sehr verschiedener religiöser Richtung ihrem

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.