Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 40 (1876)
- Issue
- Heft 7 (15.2.1876)
- Date
- 1876-02-15
- Page
- Seite 104 (sequence 8)
- Language
- German
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104 die im Aufstande begriffenen Provinzen Bosnien und Herzegowina, um den Frieden wieder herzustellen. Der Kampf wüthet daselbst nur zwischen den Christen und Muselmännern, und die Schwierigkeiten bestehen vorzugsweise zwischen den muselmännischen Grundbesitzern und den christlichen Bauern, die früher Leibeigene jener gewesen. Man giebt an, daß in Bosnien 7000 Juden und in der Herzegowina 700 Juden wohnen und zwar voraussetzlich in den Städten. Daß diese daher in jener Note nicht besonders in Betracht gezogen werden, kann nicht auffallen. Werden die Reformvorschläge angenommen und ausgeführt, so kommen sie auch den Juden zu gute. —. Der Preis, welchen das Comite der Studenten für den Prolog zu der am 8. d. M. startfindenden Schröder-Vorstellung ausgesetzt hat, ist dem Stuäiosus bist. Hugo Elkan zuerkannt worden. Oelö, im Januar. lPrivatmitth.) Am 13. d. M. verschied Hierselbst in seinem 76ten Lebensjahre der Stadtälteste und Ehrenbürger hiesiger Stadt, Herr Kaufmann Michael Deutschmann, der sich durch Biederkeit und Edelsinn nicht nur in Familien- und Freundeskreise, sondern auch durch sein gemeinnütziges Wirken seit dem Jahre 1830 als Stadtverordneter und Magistratsmitglied ein unvergängliches Denkmal gesetzt hat. Die Shnagogengemeinde, in welcher der Verklärte eine lange Reihe von Jahren das Amt des ersten Vorstehers bekleidete, betrauert bei seinem Heimgange den Verlust eines ihrer würdigsten Mitglieder. Bei dem am Sonntag, dem 16. d. M. stattgefunvenen Leichenbegängniffe, zeigte sich denn auch von Neuem die hohe Achtung, in welcher der Verstorbene gestanden. In dem außerordentlich zahlreichen Trauergefolge befanden sich, nächst vielen Anverwandten der Deutschmann'schen Familie, nicht nur der Vorstand und das Repräsentantencollegium, sowie de fämmtlichen Mitglieder der hiesigen Synagogengemeinde, sondern es hatten sich auch, außer einer unabsehbaren Reihe von christlichen Bürgern und hiesigen Vereinsdeputationen, die Collegien der Herzoglichen Kammer, des Königlichen Kreisgerichts, des Gymnasiums, des Magistrats und der Stadtverordneten in corpore, sowie Vertreter der evangelischen und der katholischen Geistlichkeit dem Zuge angeschloffen. Auf dem von Zuhörern dichtbesetzten Friedhofe gab der Rabbiner vr. Cohn den Verdiensten des Dahingeschiedenen in einer würdigen Grabrede einen vollen Ausdruck. Bonn, 2. Februar. (Privatmitth.) Das Januarheft des „Centralblattes für die gesammte Unterrichtsverwaltung in Preußen" enthält eine Nachweisung über die Zahl der vorhandenen Lehrer- und Lehrerinnenstellen an den öffentlichen Volksschulen in Preußen und über deren Besetzung zu Anfang Juni 1875. Diese Nachweifung erscheint unseres Wiffens zum ersten Male in drei Rubriken, nämlich evangelische, katholische und jüdische Lehrstellen. Allerdings giebt uns die Rubrik „jüdische" keinen vollständigen Nachweis, weil nur die als „öffentliche" anerkannten jüdischen Elementarschulen in dieser Tabelle berücksichtigt sind, während die zahlreichen anderweitigen Schulen der jüdischen Gemeinden nur als Privatschulen angesehen werden. Es ist aus den ftüheren Gesetzgebungen heraus der Fall, daß in einigen Provinzen, z. B. Posen und Heffen-Naffau, sämmtliche jüdische Schulen den Charakter der öffentlichen besitzen, während in anderen Provinzen nur sehr wenige. Dennoch werden die Fragen: wie weit jüdische Confessionsschulen bestehen? und wie weit bei ihnen der Lehrermangel stattfindet? durch diese Tabelle unter der eben gedachten Einschränkung beantwortet, und ziehen wir deshalb aus ihr die bezüglichen Notizen. In der Provinz Preußen sind lediglich im Regierungsbezirk Marienwerder jüdische Schulen vorhanden, und zwar mit 21 Lehrerstellen, die alle besetzt sind. Provinz Brandenburg zählt nur in der Stadt Berlin, und zwar 17 Lehrer- und 2 Lehrerinnenstellen, sämmllich besetzt. Die ganze Provinz Pommern weist nur 1 jüdische Lehrerstelle, und zwar besetzt, auf t Regierungsbezirk CösUn,. Die Provinz Posen dagegen hat im Regierungsbezirk gleichen Namens 65, von denen 4 durch Präparanden, 1 durch Lehrer anderer Claffen, 1 gar nicht versorgt werden; im Regierungsbezirk Bromberg 49, wovon 3 durch Lehrer anderer Claffen versorgt werden. In der Provinz Schlesien hat allein Regierungsbezirk Oppeln öffentliche jüdische Lehrerstellen, und zwar 21 und 4 Lehrerinnen. Provinz Sachsen weist gar keine auf. Provinz Schleswig-Holstein hat 8 Lehrerstellen, von denen 3 durch Präparanden, 1 nicht versorgt sind, sowie 4 Lehrerinnenstellen, sämmtlich durch Präparandinnen versorgt. Für die Provinz Hannover giebt die Tabelle nur die Gesammtzahl an, und zwar neben 1 Lehrerinnen- 65 Lehrerstellen, von denen 2 durch Präparanden, 5 durch Lehrer anderer Claffen, und l 1 nicht versorgt sind. Westphalen zählt im Regierungsbezirk Münster 2, Minden 8, Arnsberg 13 Lehrerstellen. In Hessen- Nassau weist Regierungsbezirk Wiesbaden keine, Caffel 103 auf, von denen l 9 durch Lehrer anderer Claffen, 1 nicht versorgt sind. Die Rheinprovinz hat im Regierungsbezirk Coblenz 3, Düffeldorf 14, wovon 2 unversorgt sind, Köln 6 und 1 Lehrerinnenstelle, Trier 7, Achen 6. Hohenzollern hat 3. Die Gesammtzahl der jüdischen Lehrerstellen sind demnach 412, wovon 53 nicht ordnungsmäßig besetzt, und von diesen wieder 16 ganz unversorgt sind; die Gesammtzahl der Lehrerinnenstellen ist 12, von denen 4 durch Präparanden versorgt sind. Frankfurt am Mam, im Jan. «Privatmitth.) Soeben erschien der „Bericht über die zehnjährige Wirksamkeit der Erziehungs-Anstalt der Julius Flersheim'schen Stiftung", abgestattel vom Director der Anstalt Jakob Auerbach. Die Anstalt ist vom hochherzigen Stifter zur Erziehung armer israe-