Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 40 (1876)
- Issue
- Heft 7 (15.2.1876)
- Date
- 1876-02-15
- Page
- Seite 102 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3224737-3227069-3227077--34221-3304077- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
102 Literarischer Wochenbericht. « Berlin, im Februar. Der um die Erforschung ves i ägyptischen Alterthums so hoch verdiente Gelehrte H.! Brugfch-Bey hatte als Delegirter ves Khevive von Egypten z auf dem im September 1874 stattgefunvenen Orientalistencon- . greffe in London einen Vortrag über den Auszug der Israeliten i aus Egypten und die altegyptischen Zeugnisse über diesen Bor- ' gang gehalten. Er hat nun den Vortrag in Form einer Abhandlung kürzlich bei Hinrichs in Leipzig erscheinen lassen unter dem Titel: „L'Exode et les Monuments Egyptiens“ und der dem Khedive gewidmeten 3 b Seiten starken Schrift eine große, sorgfältig und schön gezeichnete Karte beigegeben, welche Unrer- Egypten varstellr, mit Angabe aller ermittelten altegyptischen, hebräischen und griechisch-römischen Ortsnamen aus der Geographie Egyptens sammt der Marschroute der auSziehenden Israeliten. Dem Verfasser ist der Auszug der Israeliten, wie er im Buche Exodus erzählt ist, eine historische, mit der altegypüschen Geographie vollkommen übereinstimmende, in ihr sogar genau zu verfolgende Thatsache, die von späteren Erklärern und Uebersetzern nur in einigen Punkten und Ortsnamen unrichtig aufgefaßt worden sei, was sich leicht erkläre, wenn man bedenke, welche großen Zeiträume die altegyplische, die biblische, die griechische und römische Beschreibung und Bezeichnung derselben Orte von einander trennen. Bon altegyptischer Topographie liegen in den Denkmälern und Schriften zahlreiche Fragmente vor, mit deren Entzifferung Brugsch sich seit zwanzig Jahren beschäftigte. Er hat daraus mehr als 3600 geographische Namen gewonnen und verwendet die Ergebniffe seiner Forschungen nun auch in der vorliegenden Schrift, in welcher er die Marschroute der ausziehenden Israeliten neu zusammenstellt. Die Hauptabweichung von der bisherigen Annahme ist die, daß der Zug der Israeliten nicht durch das Rothe Meer ging, daß der hebräische Text der betreffenden Bibelstelle das Rothe Meer auch gar nicht nenne, sondern nur irrthümlich übersetzt worden sei. Der hebräische Ausdruck ist Jam Souph: Binsenmeer, und Souph selber ist nur ein Uebersetzung des egyptischen Wortes Athu, welches Binsen, Schilf, auch Papyruspflanzen bedeutet, womit die Lagunen und Sümpfe Unter-Egyptens bedeckt waren. Wie nun H. Brugsch an der Hand der biblischen Ortsnamen und Daten die Marschroute der Juden reconstruirt, ging der Zug von Zoan- Ramses (Ramses-Stadt), das am östlichen oder pelusischen Nil- Arme lag, ostwärts auf der bis auf unsere Zeit benützten Karawanenstraße über Kantara, dann nordöstlich an das Mittelmeer bei Sukkoth und von dort auf der altegyptischen Heerstraße weiter bis nach Baalzephon oder dem auch von Strabo genannten Berge (Vorgebirge) Rasios, von hier aber südlich der siuaitischen Halbinsel zu. Von Sukkoth bis Baalzephon lief jene Heerstraße auf einer schmalen Landzunge zwischen dem Meere und einer jetzt fast ausgetrockneten Lagune, dem sogenannten Sirbonis-See, und aus dieser Landzunge hat nach Brugsch' Meinung den verfolgenden Pharao sein bekanntes Geschick ereilt. Im britischen Museum zu London befindet sich eine Papyrusrolle aus der Zeit des Aufenthaltes der Juden in Egypten. In derselben erzählt ein egyptischer Schreiber, wie er vom königlichen Palaste in Ramses auch zwei flüchtige Diener zu verfolgen hattte. Die Entfernungen und Stationen, die er angcebr, stimmen genau mit den von der Bibel für den Zug der Israeliten angegebenen überein. Der egyptische Schreiber hatte vor mehr als 3000 Jahren denselben Weg eingeschlagen, wie die Juden. (Ueber den Auszug aus Egypten und die historische Treue des Berichtes der h. Schrift, darüber besteht gegenwärtig unter den Egyptologen kein Zweifel. Gegen die obigen Ortsbestim- : mungeu und darnach den Weg, den die Israeliten genommen - haben sollen, hat sich bereits ein lebhafter Widerspruch erhoben, : namentlich von Lauth in der Augsb. Allg. Ztg. Wir kommen : übrigens auf die Schrift von Brugsch wieder zurück, t Revaction.) 22eibuu^| 6U/0cc&uxi(ateU/. Deutschland. Berlin, 1. Februar. (Privatmitth.) Ein hiesiges Blatt schreibt: „Die „Kreuzzeitung" verlegt sich auf eine ganz eigenthümliche Art von Statistik. Das Blatt schreibt: Es liegen uns drei Programme von Versammlungen der „Berliner medicinischen Gesellschaft"" — Norddeutscher Hof, Mohrenstraße Nr. 20 — vom 15. December und 5. und 12. Januar vor. In diesen drei Versammlungen sind sechszehn wiffenschafrliche Vorträge gehalten worden, und alle sechszehn ausschließlich nur von Juden. — Allerdings ein interessantes Zeichen der Zeit."" Man fragt sich, was will die Kreuzzeitung aus dieser Thatsache und anderen ähnlicher Art machen? Eine Lobeserhebung der Juden oder eine Angriffswaffe? Vorausgesetzt, daß sie richtig gezählt, geht daraus nur ein Beweis für die wiffenschaftliche Strebsamkeit der Juden und ihren regen Eifer zu Gunsten des öffentlichen Lebens, sowie für ihre Befähigung hierzu hervor. Denn da es sich hier nur um eine Thätigkeit innerhalb der Fachgenoffen handelt, kann man nicht behaupten, daß dabei auf das Publicum und etwaige Erweiterung der Praxis gewirkt werde. Nebenbei gesagt, könnte sich dies auch Pros. Billroth in Wien hinter die Ohren schreiben. Will aber die Kreuzzeitung daraus nur eine Warnung gegen die Indolenz der nichtjüdischen Mitglieder jener medicinischen