Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 40 (1876)
- Issue
- Heft 6 (8.2.1876)
- Date
- 1876-02-08
- Page
- Seite 89 (sequence 9)
- Language
- German
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89 Regierung Bericht erstatten sollen, inwieweit dieselben dem Lande durch ihre Aufnahme als Unterthanen Vortheil bringen können." Dasselbe Gesetz gilt auch für die, welche das Gesuch stellen, sich hier im Lande aufhallen zu dürfen. Wer sieht nicht in dieser Verordnung ein Stuck Intoleranz? In anderen Ländern, wie insbesondere in Amerika, finden die schwedischen Einwanderer, sogar Verbrecher, Aufnahme und nehmen ungehindert ihren Wohnsitz dort, ohne daß man fragt, inwieweit dieselben dem Lande durch ihre Aufnahme Bortheil bringen können. Da gilt der uralte Grundsatz „die Himmel sind des Ewigen Himmel, die Erde aber hat er den Menschenkindern gegeben." Hier aber soll erst bewiesen werden, ob der aufzunehmende polnische Jude dem Lande durch seine Aufnahme Bortheil bringen kann. Hat man zwar Ursache über einzelne Vorfälle sich zu beklagen, so ist ja jedes Verbrechen dem Gesetze unterworfen und wird gesetzlich bestraft, warum aber wegen einzelner Vorfälle ein Ausnahmsgesetz geben? Zweien Polen, mit gehörigen Zeugnissen aus der Heimath versehen, welche von hier aus um die Erlaubuiß nachsuchten, sich in Schweden aufhalten zu dürfen, wurde ihr Ansuchen abgeschlagen. — Ein hier erscheinender Kalender, Frickalmanach 1876, enthält auch immer einen besonder« israelitischen Kalender mit Angabe der israelitischen Feste. Der diesjährige aber ist voller Unrichtigkeiten. So z. B. ist das Paffafest den 6. April anstatt den 9., und hernach alle anderen Feste unrichtig angegeben. Man sah sich daher veranlaßt auf diese» Ärrthmn in der hiesigen Zeitung aufmerksam zu machen, und werden die anderen Zeitungen hiervon Kenntniß nehmen. Schließlich noch ein freudiges Ereigniß. In Malmö, wo viele polnische Familien ihren Wohnsitz genommen, soll jetzt eine Synagoge errichtet werden, und ist der neuen Gemeinde die uachgefuchte Erlaubniß hierzu ercheilt worden. Rumänien. Bukarest, 26. Januar. (Privatmitth.) Der Zufall fügt es, daß, so oft ich mich in der Hauptstadt befinde, ich auch Gelegenheit habe. Ihnen irgend welche Loyalitätspröbchen unsrer hochverehrten rumänischen Regierung mittheilen zu können. Vorgestern, am 24. d., legte der Kriegsminister der Kammer ein Gesetzproject über einen Credit von 5,667,562 Francs vor, für Munition und alle sonstigen nöthigen Kriegsmaterialien, um in einem etwaigen auszubrechenden Kriege mit Allem, was zu einer völlig organisirten Armee gehört, für vas Vaterland siegreich eintreten zu können. Die Kammer bewilligte diesen Credit unter einem stürmischen Applaus. Der Kriegsminister legte ferner das Project der für das Jahr 1876 einzuberufenden Militärpflichtigen vor: das in diesem Jahre zu assentirende Rekrutencontingent betragt 15,000. — Herr P. Carp bringt folgendes diesbezügliches Amendement ein: „daß alle diejenigen fremden Unterthanen, welche nicht beweisen können, daß sie in ihren betreffenden Ländern die Militärpflicht geleistet haben, selbe hier in Rumänien zu leisten haben sollen. Herr Carp erörtert dieses Amendement, nachweisend, daß durch dessen Annahme allen denjenigen Fremden, welche, um dem Militärdienste zu entgehen, zur fremden Protection ihre Zuflucht nehmen, das Handwerk gelegt werden würde. Die Herren Poliac, G. Bratianu und G. Manu behaupten, daß die rumänische Armee eine ausschließlich nationale sei, und daß ihre Reihen nicht von Fremden (soviel als Unwürdige) überfüllt werden dürfen; sie erklären sich somit gegen das Amendement des Herrn P. Carp. Der Herr Kriegsminister ersucht den Herrn Carp, daß er sein Amendement zurückziehen möge. Die Herren P. Carp, Ä. Agarici und Leon Ghica unterstützen das Amendement. Gegen die Annahme des Amendements sprechen die Minister des Innern und Herr C. Brailoiu; sie weisen bis zur Evidenz die politische Gefahr nach, welcher sich die rumänische Nation aussetzen würde, wenn sie die Fremden, hauptsächlich die Juden, verpflichten würde, in der eminent nationalen Armee dienen zu müsseu. Sie (die Juden) würden alle europäischen Mächte aus ihrer Ruhe aufrütteln, zum Himmel schreiend, daß man ihnen nur Pflichten auferlegt, ohne ihnen irgend welchen Ersatz hierfür zu bieten, ja sie würden ganz deutlich mit ihren Prätensionen heraustreten, daß man ihnen die politische Freiheit gebe. Ja Folge dieser schwerwiegenden, durch und durch patriotischen, Exclusivität athmenden Discussionen, gelangt das Amendement des Herrn Carp zur Abstimmung und fällt. — Es war auch vorauszusehen, daß man jeder Eventualität vorzubeugen suchen wird, wo die hohe rumänische Regierung den Fremden vielleicht aus Scham und Ehrgefühl (?) daS Anzustrebende gewähren müßte. Aber der rumänische Staat will lieber das Blut seiner semitischen Unterthanen entbehren, als je in die Lage gerathen zu müssen, von seinem Borurtheile gegen die jüdische Race etwas einzubüßen. — Die Behauptung vieler jüdisch-rumänischen Patrioten (ich kenne deren viele), daß, wenn wir rumänische Juden uns nur als wahre, echte, mitfühlende, aufopfernde Bürger des Staates zeigen, er uns das zugänglich machen würde, dessen sich sonst jeder Sterbliche in allen wahrhaft civilisirten Staaten erfreut, zeigt sich als eine bittere Illusion. I. Frei mann. Amerika. Baltimore, im Januar. (Privatmitth.) In Nr. 51 Ihres Blattes wird Herr vr. Szold von hier des Neides beschuldigt *), weil er den Herrn Dr. Jacob Meyer anklagte, daß er in England sich habe taufen lassen, und dann an verschiedenen Plätzen 1) So verhält sich die Sache doch nicht ganz. Eine solche Beschuldigung wurde an gedachter Stelle nur als in einer Gegenschrift und zwar nicht geradezu auf Herrn Szold bezogen, ausgesprochen, bezeichnet, einer Gegenschrift, die wir zurückgewresen. I Rcdaclion. 6