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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-02-08 · Heft 6 (8.2.1876) · p. Seite 87

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 6 (8.2.1876)
Date
1876-02-08
Page
Seite 87 (sequence 7)
Language
German
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87 auf diesem Wege ein Religionskampf wieder hervorgerufen werden soll und wird, der, wenn er auch nicht, wie in der Vergangenheit, zu Kriegen verheerendster Art, theils von Nation gegen Nation, theils scheußlichem Bürgerkriege, führen mag, roch alle Humanität mit Füßen zu treten, alles gemeinsame nationale Streben zu vernichten, selbst das Communalleben bei gemischter Bevölkerung zu vergiften und zwischen den einzelnen Bürgern Haß und Elend zu verbreiten droht. Allerdings sind wir nicht der Meinung, daß derartigen Bestrebungen der Staat mit polizeilichen Zwangsmaßregeln entgegentreten solle, es sei denn, Laß in der That Verletzungen der Gesetze Vorkommen; denn solche Maßregeln erleichtern jenen Parteiführern nur ihr Werk, da sie in den Gemüthern des Volkes nur um so mehr zur Opposition reizen. Vielmehr glauben wir, daß eines der besten Heilmittel darin besieht, das Unternehmen und jeden derartigen Versuch zur allgemeinen Kenntniß und zum klaren VerstLndniß der Absicht, des Zweckes und der zu erwartenden Wirkung, der öffentlichen Meinung und dem allgemeinen sieben nahezubringen. Es ist dann dem Geiste unsrer Zeit zu vertrauen, daß jenen Plänen nur beschränkte Mittel zu Gebote gestellt werden, und damit wären sie gescheitert, da sie nur als gelungen betrachtet werden können, wenn sie einen großen Wirkungskreis erlangen. Aus diesem Gesichtspunkte gestalten Sie mir wohl, auch an dieser Stelle auf die gestern hier vollzogene Constituirung einer „Görres - Gesellschaft zur Pflege der Wissenschaft im katholischen Deutschland" aufmerksam zu machen. Der §. 1. des Statutes lautet: „In der Ueberzeugung, daß die Ergebniffe echter Wissenschaft niemals in Widerspruch stehen können mit den Lehren der römisch-katholischen Kirche, bilden die Unterzeichneten unter oben stehendem Namen einen Verein zu dem Zwecke, wissenschaftliches Leben im katholischen Deutschland im weitesten Sinne und nach allen Richtungen hin zu wecken und zu fördern." Der erste Theil dieses Paragraphen sagt genug. Die Wiffenschaft soll wieder, wie im Mittelalter, zur Magd und Schleppträgerin der Kirche gemacht und das katholische Deutschland in seinem ganzen geistigen Leben von der übrigen deutschen Welt getrennt werden! Die Gesellschaft soll in Sectionen für Philosophie, Naturwiffenschaft, politisches und sociales Leben, Kunst und Literatur abgetheilt werden. Man kann sich denken, was für eine Philosophie mit dem Unfehlbarkeitsvogma, für eine Naturwiffenschaft nach dem Schema der Propaganda äe ticke, für eine Wiffenschaft des politischen und socialen Lebens mit dem Syllabus und den Besitzthümern zur tobten Hand! Münster, 27. Januar. < Privatmitth.i Vor einiger Zeit theilte ich mit, daß eine Fusion des Marks-Haindorf'schen Seminars mit dem orthodoxen Seminar in Düffelvorf beantragt sei und im Curatorium discutirt worden. Aus einer abermaligen Sitzung des Curatoriums in den letzten Tagen kann ich berichten, daß diese Fusion als aufgegeben angesehen werden kann. Die Wahl eines neuen Seminardirectors ist noch nicht entschieden; es haben sich nur wenige Bewerber angemeldet, und die Mehrheit der Stimmen scheint sich auf den bewahrten Lehrer der Anstalt, Dr. Steinberg, der seit 22 Jahren am Seminar sungirt, zu vereinigen. Bemerken will ich noch, daß gegenwärtig den Sitzungen des Curatoriums ein Regierungsrath als Bevollmächtigter des Staates mit Stimmrecht anwohnt, und daß dieser Beamte den regsten Eifer für das Wohl der Anstalt erweist. Man kann sich hiervon nur eine sehr nützliche Wirkung versprechen. Oesterreich - Ungarn. Pest, 24. Januar. (Privatmitth.) Für Deutschland ist seit Jahren aus den officiellen statistischen Nachrichten hinlänglich der Beweis geführt worden, daß die Juden ihre Kinder zum Schulbesuch eifrigst anhalten, und die höheren Lehranstalten von der jüdischen Jugend in einem Berhältniß besucht werden, das nach den Bevölkerungsziffern den Besuch derselben Lehranstalten seitens der christlichen Jugend um das Siebenfache übertrifft. Es wird demnach für die nächste Zeit überflüssig sein, über diesen Gegenstand allbort weitere Nachweisungen zu liefern. Um so näher liegt die Frage, ob ein ähnliches Berhältniß auch in anderen Ländern, namentlich den osteuropäischen, stattfindet, besonders da, wo der Schulzwang noch nicht gesetzlich eingeführt ist, oder mit geringem Nachdruck verwirklicht wird. Wir gestatten uns daher, einige Daten aus Ungarn und feinen Nebenländern über diesen Gegenstand hier zu geben. Laut den vom königlich ungarischen Cultusministerium dem Landtage vorgelegten Berichte über das Schuljahr 1872 73 zählte Ungarn 13,455,030 Seelen mit 11,552 Gemeinden, in welchen 1542 confessionslose und 13,903 confessionelle Schulen bestehen. Zum Schulbesuche waren in dem genannten Schuljahre 2,121,420 Kinder verpflichtet. Factisch haben aber nur 1,443,266 Kinder die Schule besucht; mithin entzogen sich dem Schulbesuche 678,154 Kinder. Jntereffrnt ist die in diesem Berichte enthaltene Tabelle, in welcher die die Schule factisch besuchenden Kinder nach Confessionen gruppirt erscheinen, und zwar besuchten die Schulen: 757,305 römischkatholische Kinder, 116,794 griechisch-katholische, 139,421 griechisch-nichtunirte, 219,575 evangelisch-helvetische, 148,248 evangelische Augsburger Ccnfession, 5547 Unitarier und 58,376 Juden. Um aus diesen Angaben zu einer klaren Ansicht darüber zu kommen, welchen Antheil die Confessionen an den die Schulen Besuchenden und Nichlbesuchenden haben, müffen wir deren Verhältniß an der Bevölkerung selbst zu Rathe ziehen. Nach Brachelli (1867) machen, um nur zwei Confessionen hervorzuheben, die Katholiken - beider Riten 77,6 Procent der gesammten Bevölkerung Ungarns aus, die Juden 3,2 Procent. Von den die Volksschulen besuchenden Kindern kommen aber nur 41,2 Procent auf die Katholiken, und 2,7 Procent aus die Juden-

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