Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-02-08 · Heft 6 (8.2.1876) · p. Seite 86

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 6 (8.2.1876)
Date
1876-02-08
Page
Seite 86 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3227069-3227076--34204-3304059
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

86 nicht im Stande sind. Wir werden diese Angelegenheit, die ernster Natur ist, in der nächsten Nummer ausführlich besprechen. Berlin, 26. Januar. Bei der diesjährigen großen Ordensverleihung erhielten Stadtrath Meyer Magnus i Vorsteher der jüdischen Gemeinde) den Rothen Adlerorven Ul. Claffe mit der Schleife und Profesior vr. Pringsheim den Kronenorden IH. Claffe. Berlin, 27. Januar. Ein Correspondent der „Köln. Z." giebt einen Auszug aus der von uns in Nr. 4 mitgetheilreu Petition des Ausschuffes des Israelitischen Gemeindebundes zu Leipzig an das preußische Justizministerium und fügt hinzu: „Wir können hinzufügen, daß die Absicht besteht, der Petition Folge zu geben und solchem Treiben der Ultramontanen ein Ende zu machen, über deffen Wesen und schädlichen Wirkung auf den Frieden der Bevölkerung bereits ein sehr umfangreiches Material gesammelt worden ist." —. Herr Dr. A. Berliner, der von seiner auf Kosten der preußischen Regierung gemachten zweiten Reise nach Italien, zur Kenntnißnahme der dortigen Bibliotheken, zurückgekehrt ist, wird am Freitag, den 28. d., Abends, einen Vortrag halten, betitelt: „Einen Gang durch die Bibliotheken Italiens". Breslau, 30. Januar. (Privatmitth.) In diesen Tagen erschien der „Jahresbericht des hiesigen jüdisch-theologischen Seminars". Den Bericht erstattet zum ersten Male der neue Seminardirector l)r. L. Lazarus. Nachdem er zuvor dem dahingeschiedenen vr. Zacharias Frankel ein herzliches und würdiges Wort des Gedächtnisses gewidmet, beschreibt er seine Einführung in sein neues Amt am 27. September v. I. durch das Curatorium, und giebt die dabei gehaltenen Reden in Umriffen. Eine Uebersicht belehrt über die im abgelaufenen Jahre gehaltenen Vorlesungen. Die Zahl der Hörer reicht jetzt nicht an die früherer Jahre; es sind derer 30, nämlich 24, welche die Anstalt seit längerer Zeit besuchen, und 6, die im October v. I. irnmarrriculirt wurden; unter diesen befindet sich ein Demfcher aus Lengsfelv. Aus den übrigen Miltheilungen heben wir hervor, daß der verstorbene vr. Z. Frankel 7000 Thrler der Anstalt vermacht hat, deren Zinsen theils zu Stipendien, theils für die von ihm 1571 begründete Stiftung zur Unterstützung bereits angestellter, aber nicht auskömmlich dotirler Rabbiner, theils zur Erweiterung der Bibliothek verwendet werden sollen. Seine eigene reichhaltige Bibliothek hat er ebenfalls dem Seminar hinterlaffen. Die vorangeschickte Abhandlung ist aus der Feder des Vr. Rosin gesioffen: „Ueber die Ethik des Maimonides". Auf diese werden Sie wohl noch einmal zurückkommen. Paderborn, 27. Januar. «Privatmitth.» Unsre israelitische Waisenerziehungsansialt gewinnt unter Gottes sichtbarem Beistände einen immer größeren Umfang, und werden in nächster Zeit wieder sieben neue Zöglinge ausgenommen. Jntereffant ist es gewiß, daß jüngst das Curatorium einer großen katholischen Stiftung, der von Hellin'schen Stiftung zu Werl, an deffen Spitze der königl. Landrath Freiherr v. Lilien steht, einen jüdischen Waisenknaben auf Kosten der Stiftung unsrem Waisenhause zur Erziehung übergab. — Am Beginn dieses Jahres hat auch die Kaiserin Augusta dem Waisenhause ihre hochherzige Aufmerksamkeit zugewendet. Die Vorsteherin, Fräulein Fanny Nathan, erhielt folgende Zuschrift. Berlin, den 31. December 1875. Ihre Majestät die Kaiserin-Königin lasten Euer Wohlgeboren für Uebersendung des jüngsten Jahresberichts Ihrer Waisenanstalr, sowie für die Allerhöchst Ihr zum Jahreswechsel dargebrachten Glückwünsche Allerhöchst Ihren Dank ausdrücken. Ihre Majestät erwidern dieselben mit den besten Wünschen für das fernere Gedeihen Ihres Waisenhauses und haben für daffelbe bas beifolgende Geschenk von Einhundert Mark Allergnädigst zu bestimmen geruht. Im Allerhöchsten Aufträge: gez. v. Mohl, Cabinets-Secretär Ihrer Majestät An der Kaiserin-Königin, die Vorsteherin des jüdischen Waisenhauses für Westphalen u. Rheinland, Fräulein Fanny Nathan, Wohlgeboren zu Paderborn. Cobleuz, 25. Januar. (Privatmitth.) Inwiefern jede Kirche oder Religionsgenoffenschaft für ihre unmittelbaren Bedürfniffe, für die Heranbildung ihrer Geistlichen und Lehrer, für die tüchtige Beschaffenheit ihres Religionsunterrichtes, für die Durcharbeitung ihrer Lehre nach allen Richtungen hin sorgt und Opfer bringt, ist jedes Bestreben gewiß vollberechtigt und anerkennenswerth. Aber eine geradezu schauerliche Empfindung verursacht es uns, wenn wir in der gegenwärtigen Zeit von gewiffer Seite her die entschiedene und unumwundene Absicht hervortreten sehen, den religiösen Riß innerhalb deffelben Volkes und Staates durch alle Schichten nnr Stände und durch alle Zweige des socialen wie geistigen Lebens hindurchzuführen, die Spaltung immer weiter auszudehnen, und womöglich feindselige Gegensätze aufzustellen, welche eine Versöhnung oder selbst nur Ausgleichung für eine weite Zukunft unmöglich machen sollen. Dies geschieht seit langer Zeit und gegenwärtig mit erneuten Anstrengungen von ultramontaner Seite. Mit der absolut getrennten Volksschule begann man, die katholischen Gesellenvereine folgten, die Aufforderungen, möglichst nur mit Gläubigen in Handel und Verkehr zu treten, erstehen bald hier, bald dort, den Juden gegenüber werden sie immer wiederholt in die Welt geschrieen, das Capital zu katholisiren, sind schon mehrfache, freilich immer zum Schaden der Verführten ausgefallene Versuche gemacht worden, gesonderte, bloß von katholischen Studenten besuchte Universitäten zu gründen, war alter Herzenswunsch, der gegenwärtig in Frankreich erfüllt wird — hierzu tritt nun neuerdings die Bemühung, „die Wiffenschaft zu katholisiren". Solchen umfaffenden Plänen gegenüber darf keine andere Religionsgenoffenschaft gleichgültig und indolent bleiben. Es ist offenbar, daß

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.