Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 40 (1876)
- Issue
- Heft 5 (1.2.1876)
- Date
- 1876-02-01
- Page
- Seite 70 (sequence 6)
- Language
- German
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70 Wilhelm III. nämlich hatte sich zu einer Cabinetsordre bestimmen lasten, den Inden die Führung „christlicher Vornamen" zu verbieten. Dies wirbelte gewaltigen Staub auf, und es hatte sich damit die Reaction nur gründlich lächerlich gemacht. Denn am Ende vermochte Niemand zu sagen, was denn eigentlich „christliche Vornamen" seien, da selbst die Namen „Jesus, Maria, Joseph" hebräische Namen sind und im Alten Testamente Vorkommen. Da erschien denn die Schrift des Dr. Zun; und wies nach, daß es bei den Juden uralte Sitte war, die Namen des Landes anzunehmen, dem sie angehörten, daß aramäische und griechische Namen bei ihnen cursirten, besonders aber, daß sie, sowohl Männer als Frauen, durch das ganze Mittelalter hindurch zahlreiche deutsche Namen führten. Man war blamirt und das Verbot vergeffen, da es doch unausführbar war. Das Schriftchen behält aber sein antiquarisches Jntereste und beweist. daß so leicht dem Verfasser Niemand an Belesenheit, Ausdauer und Lust an Detailarbciten gleichkommt. Hieran (S. 83) reihen sich zwei Predigten (1817 und 1820), vier Reden (1829, 1840 und 186ö), drei Nekrologe und kleine ältere Aufsätze, zwei Gutachten über die Beschneidung und einige Culrusftagen, kleine Schulschriften, ein Aufsatz über Eidesleistung der Juden, sowie endlich „Zur Palästinischen Geographie aus jüd. Quellen" (1840). Das ist das Original zu dem Aussatze in englischer Sprache in Asher's Benjamin. Man sieht, daß es bei dieser Zusammenstellung nicht allein aus den besonderen Werth jedes einzelnen Stückes ankam, als vielmehr zerstreuete Arbeiten, die sonst leicht gänzlich verloren gegangen oder doch schwierig auszufinden waren, zu erhalten, und dies ist bei solchen Sammelwerken der richtigste Grundsatz. 6u,<xcfeuxr(ateu/. ^fcUtfcfylCinb. i möglich mit bittern Klagen über die Mißhandlung, welcher die I Juden noch ausgesetzt seien. Wir halten dies für ein Unrecht Berlin, 17. Januar. (Privatmitth.) Die Eröffnungsrede! gegen die Leser und gegen unsre Zeit; die ersteren werden unzur Session des Landtages, die gestern im Aufträge des Kaisers willkührlich geärgert und erbittert, und von unsrer Zeit wird ein und Königs vom Vice-Ministerpräsidenten Finanzminister Camp-! durchaus falsches Bild gegeben. Wir haben seit längerer und Hausen gehalten worden ist, zählt unter den Gesetzentwürfen,! auch in jüngster Zeit große Fortschritte in der bürgerlichen deren Vorlage als bevorstehend erklärt wird, das Gesetz über die! Gleichstellung gemacht; es sind uns, wonach wir als nach unsrem jüdische Gemeindeverfaffung nicht auf, obschon sie bei dieser An-1 Rechte so lange gestrebt haben, die Bahnen des öffentlichen Lebens kündigung in's Einzelnste einging. Aber auch was man aus' eröffnet worden; wir sehen Tag für Tag Männer unsrer Relizuverlässigen Kreisen über noch zu erfolgende Gesetzentwürfe, die I gion, wie sie es verdienen, gewürdigt und für das Gemeinwohl in der Thronrede, weil sie noch nicht völlig reif sind, aber während! verwendet: so daß wir die Bedeutung und Größe unsrer Zeit geder Vertagung des Landtages noch fertig gestellt werden könnten, vernimmt, deutet nicht an, daß der Gesetzentwurf über die jüd. Gemeindeverfaffung schon über die Verarbeitung der von den Oberpräsidenten und Bezirksregierungen eingeholten Informationen hinausgekommen sei. Es scheint sich also zu bestätigen, was die Correspondenz aus Berlin in Nr. 3 über diesen Gegenstand ausgesprochen hat. Berlin, 20. Januar. (Privatmitth.) Es drangt mich schon lange, eine Bemerkung hier auszusprechen, die, da Niemand genannt werden soll, gewiß inoffensiv ist und der Berücksichtigung werth scheint. Mehrere jüdische Blätter beeifern sich, auch die unbedeutendsten Vorgänge, welche ein Vorurtheil oder eine Gehässigkeit gegen die Juden enthalten, zu sammeln und zu registriren. Ob ein polnischer Soldat oder Officier einmal einen oder gar die Juden geschimpft hat, ob ein berüchtigter Pfarrer ein Plänchen ausgesonnen, die Juden zu zwingen, nach Syrien zurückzuwandern, ob ein Raubmord an einem Juden verübt worden, was täglich leider an Personen andern Glaubens auch vorkommt, alle diese nichtssagenden Vorfälle werden gewissenhaft den Lesern vorgeführt und der Nachwelt erhalten, woradezu herabwürdigen, wenn wir auf die Aeußerungen irgend ungebildeter und nichtssagender Persönlichkeiten ein Gewicht legen und sie beachten. Im Gegentheil schaden wir uns selbst dadurch, denn unsre eigentlichen Gegner weisen darauf als Aeußerungen der wirklichen Bolksmeinung hin. Selbst wenn hier und da ein Winkelblättchen einige Redensarten gegen uns losläßt, ist dies noch kein Gegenstand der Auftegung und Entgegnungen für uns. Erinnern wir uns stets des Spruches Göthe's: „Getretener Quark wird breit nicht stark". Wir bringen die Sache nur erst recht unter die Leute, halten diese langer dabei fest, als es sonst geschehen und zeigen dem Urheber, daß ihm gelungen ist, was er wollte, — uns zu ärgern. Nein! Wir haben der wirllichen und immerhin einflußreichen Gegner noch genug; man zieht uns absichtlich in Kämpfe hinein und drängt uns in das Bordertreffen derselben, in Kämpfe von weltgeschichtlicher Bedeutung und schwerstem Inhalte. Man greift uns in einer Weife an, daß es aller unsrer Kräfte zur Abwehr bedarf. Da haben wir unsren Mann zu stehen, den Kampf aufzunehmen und mit aller Kraft durchzuführen. Es ist geradezu thöricht, unter solchen Umständen über kleinliche Nichtswürdigkeiten zu winseln. —