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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-01-25 · Heft 4 (25.1.1876) · p. Seite 58

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 4 (25.1.1876)
Date
1876-01-25
Page
Seite 58 (sequence 10)
Language
German
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58 Jeremias <Kap. 29) und wies darauf hin, daß die Constitution Belgiens die weiseste aller Verfassungen sei und allen Bürgern jeder Religion die gerechtesten Freiheiten gewahre, weshalb die Israeliten des Landes sich mit allen ihren Kräften ihren versafsungmäßigen Pflichten widmen und mit ganzem Herzen der Constitution anhängev, wodurch sie zu gleicher Zeit den Geboten ihrer Religion Nachkommen. Holland. Amsterdam, im Januar. (Eingesandt.) Wir haben früher schon des vortrefflichen Catalogs der Hebraica und Judaica der L. Rosenthal'schen Bibliothek (Amsterdam 1874. I! Bde.) Erwähnung gethan, ein wiffenschaftliches Werk, welches sich den Steinschneider'schen und Zedner'schen Arbeiten würdig anreiht. Die darin behandelte Bibliothek ist bekanntlich nach der Oxforv'schen Bodleiana und der des British Museum die bedeutendste dieser Art. — Wie wir vernehmen, besteht jetzt, nachdem besagter Catalog erschienen und mit Munificen; an Fachgelehrte, sowie an Hochschulen und öffentliche Bibliotheken zum Geschenk versandt ist, bei den Erben des Sammlers die Absicht die Bibliothek zu veräußern, jedoch nur so, daß sie als „Rosenthal'sche Bibliothek"' beisammen bleibe und niemals zersplittert werden oder unter den Hammer kommen darf. Der Bibliograph M. Roest in Amsterdam, der Verfertiger des genannten CatalogS, ist ermächtigt wegen des Verkaufs der Bibliothek in Unterhandlung zu treten. Schweiz. St. Gallen, im Januar. (Entgegnung.) Ein Münchener Correspondent erklärt in Nr. 2 dieses geschätzten Blattes.sämmtl ich e in meiner „Statistik des Judenthums" enthaltenen Angaben über München für unrichtig, und spricht damit ein großes Wort gelassen aus. Ob er wohl nicht nur von den betreffenden Zahlen, sondern auch — und dies ist doch das Wenigste, was man von einem Referenten erwarten darf — von den diese Zahlen commentirenden Einleitungsworten und Bemerkungen Einsicht genommen? Wenn dieses, dann hat der Herr Berichterstatter wissentlich ein falsches Urtheil abgegeben. Denn mehrmals und deutlich genug wird dort (s. S. X. und S. 10) darauf hingewiesen, daß die statistischen Daten, soweit sie Bayern betreffen, als das Ergebniß amtlicher Erhebungen vom Jahre 1869, soweit auch nur in Rücksicht auf diese Zeit der Erhebung als zuverlässig zu betrachten sind, und zur Beurtheilung der gegenwärtigen, durch die Bewegung der israelitischen Bevölkerung, durch den enormen Zuzug vom Lande in die Städte oft total veränderten Gemeindezustände einen sicheren Maßstab durchaus nicht abgeben können und wollen. Von dem Umstande aber, daß seit 1869 die Seelenzahl der Münchener Gemeinde sich verdoppelt, das Rabbinatsgehalt um ein Bedeutendes erhöht worden :c., kann doch unmöglich auf die Unrichtigkeit der 1869 erhobenen Daten geschloffen werden, vielmehr wird durch diese Thatsache das oben cirirte nur bestätigt. — Zur Ehre des Herrn Corresondenten wollen wir indeß annehmen, daß er meine Einleitung gar nicht gelesen und über fragliche Angaben — ohne zu wissen stian ywz, von wannen sie kommen und was sie bedeuten — allzu voreilig referirt, somit nur in Uebereilung irrthümlich abgeurtheilt habe. Zum Schluffe, und wenn auch zum Ueberfluffe, nur noch die Bemerkung, daß die mehrerwähnten Angaben genau dieselben sind, die von der Münchener Gemeindebehörde seiner Zeit dem bayerischen Ministerium eingereicht wurden, und ich das so ’irnarj vn. sspr auf das Strengste eingehalten habe. En gelbert. I e u i l Äus dem Gerichtssaale. Wien, 24. December. Ein tiefer Zug des Wiener Volkes, der bei denselben immer wieder hervortritt und sich in anmuthender Weise bemerklich macht, ist die Gemüthlichkeit, welcher selbst eine brutale Aufwallung Platz macht, sobald die Leidenschaft verflogen. Diese zu beobachten, ist immer intereffant, und deshalb werden unsere Leser folgenden Bericht der „N. fr. Pr." gern lesen: Der Greißler Georg Mayer lebte seit fünf Jahren in glücklicher Ehe mit seiner Gattin Katharina. Beide hatten früher gedient, sich im Dienste kennen gelernt und mit den Ersparniffen ein Greißlergeschäst begründet, welches sich des besten Rufes erfreut. Da Mayer auch sonst ein sehr fleißiger und wirthschaftlicher Mann ist, seine Gattin ihm an Fleiß und Sparsamkeit nicht nachsteht uud der Segen Gottes im Hause nicht fehlt, zählten die Leutchen bis vor Kurzem zu den Glücklichsten am l e 1 o n. Grund. Seit einiger Zeit wurde jedoch die Frau kopfhängerisch, sie war wohl fleißig und sparsam wie sonst, doch zeigte sie an nichts mehr eine Freude, wich ihrem Manne, wo sie nur konnte, aus und nahm ihre Zuflucht zum Gebet. Des Nachts, wenn bereits Alles im festen Schlafe war, suchte sie ihr Gebetbuch hervor und betete inbrünstig und unter Schluchzen zur Mutter Gottes, daß ihr ihr Mann wiedergegeben werden möge. Georg Mayer nicht ahnend, was mit seinem Weibe vorgegangen, consultirte einen Arzt und erhielt von diesem nach einigen Visiten die Auskunft: „Dem Weibe fehlt äußerlich nichts, doch ist sie aus Eifersucht schwermülhig." Georg Mayer, der sich keiner Schuld bewußt fühlte, setzte alle Hebel in Bewegung, um von seinem Weibe Aufklärungen über ihr Benehmen zu erhalten. Nach langem Zaudern und erst nachdem Mayer alle möglichen Drohungen ausgestoßen hatte, bequemte sich Katharina Mayer, ihm ein Paket anonymer Briefe

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