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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-01-25 · Heft 4 (25.1.1876) · p. Seite 56

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 4 (25.1.1876)
Date
1876-01-25
Page
Seite 56 (sequence 8)
Language
German
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56 deren Beziehungen und Wirken in der Ueberlieferung noch dem älteren jetzt lebenden Geschlechte bekannt sind. Redner entwarf ein anziehendes Bild beider Männer, die in engstem Verkehr mit ihrer Gemeinde standen; auch der Borbeier wurde ausführlich gedacht. Neben der Synagoge, die 1814 ihre Säcularfeier beging, entstanden in dem toleranten Zeitalter eine Anzahl Privatsynagogen. Im Jahre 1778 erfolgte die Gründung der jüdischen Freischule, 1792 die Stiftung der Gesellschaft der Freunde. König Friedrich Wilhelm II. war den Juden freundlich gesinnt, doch hemmten büreaukratische Einflüsse seine wohlgemeinten Absichten. — Das Jahrhundert sollte nicht zu Ende gehen, ohne Streit zwischen Juden und Christen. Beide vermochten es nichi über sich, eine gemeinsame Feier zum Antritt des neuen Jahrhunderts zu begehen, ein Ereigniß, das alsdann zur Gründung rer bekannten Ressourcen Veranlaffung gab. Beffere Tage haben die politischen und socialen Schranken, welche die Juden feffelten, hinweggeräumt, und der Jude sühlt sich mit Stolz als Mitglied res deutschen Reiches, in welchem gleichen Pflichten gleiche Rechte entsprechen. Seesen, im Januar. Das Br. T. berichtet: Die vom Rittergutsbesitzer M. Jacobson gestiftete „Jacobson'sche Waisenanstalt" in Seesen >) erfüllte ihren humanen Zweck: „eltern- und mittellosen Kindern, sowohl jüdischer als christlicher Covfession, das Elternhaus zu ersetzen und ihnen eine angemeffene Erziehung und Bildung zu geben," seit nun 24 Jahren in solcher Weise und in solchem Umfange, daß ihr allerseits die dankbarste Anerkennung und Theilnahme entgegengebracht wird. Ein zu rechter Zeit ausgesprochener guter Gedanke, ein ftommer Wunsch, wurde die Veranlaffung. daß solche Anerkennung und Theilnahme sich auch werkthätig bezeigen konnte. Bei der Beerdigung der Frau des Waisenhausinspectors Stern, die 23 Jahre als treue Waisenmutter in der Anstalt wirkte, ließen einige anwesende ftüheren Zöglinge die Absicht merken, ihrer einstigen treuen Pflegerin ein Denkmal setzen zu wollen. Das mußte jedoch die Familie Stern ablehnen; aber die dankbaren Zöglinge erhielten das Versprechen, daß ihnen eine andere Gelegenheit geboten werden solle, ihre Pietät zu bethatigen. Stern beantragte darauf in seinem Jahresberichte an das Curatorium die Genehmigung zur Stiftung eines Stipendienfonds behufs Unterstützung der künftig in die Lehre tretenden Zöglinge, damit dieselben nicht hilflos in die Fremde geschickt zu werden brauchten und von Seiten des jedesmaligen Waisenhausinspectors in geeigneter Weise auf die Wahl eines Berufs eingewirkt werden könnte. — Die Genehmigung erfolgte, da ja allerdings bei der bedeutenden Steigerung der internen Ausgaben die Anstalt nicht im Stande ist, aus eigenen Mitteln eine Beihülfe für entlaffene Zöglinge zu leisten. Solche Beihülfe aber darf ihnen nicht entzogen werden, denn die Gefahren und Versuchungen, welche die Kinder während der Zeit t) Nicht zu verwechseln mit Jacobson'schenSchule in Seesen. ihrer Vorbereitung zum Berufe auSgesetzt zu sein pflegen, werden unendlich erhöht, wenn sie von gänzlicher Mittellosigkeit begleitet sind. — Stern wandte sich nun in einem den Zweck klarstellenden Circulare an die Freunde der Waisenanstalt und an ftühere Zöglinge derselben, welche eigentlich den Impuls zu der neuen Stiftung gegeben hatten, und der Erfolg war ein überraschender. Es sind binnen kurzer Zeit 1680 M. haar eingezahlt und circa 200 M. jLhrl. Beitrage gezeichnet, und damit ist der Stipendienfonds gegründet. Derselbe wird dem Curatorio der Anstalt unter dem Namen „Johanna-Stiftung" unterstellt und nach den Bestimmungen deffelben von einem Ausschuß der Conservatoren des Waisenhauses verwaltet werden. — Möchten sich noch viele edle Menschenfteunde finden, das neugegründete wohlrhatige Werk zu fördern! Oesterreich-Ungarn. Pest, 9. Januar. (Privatmitth.) Der erst vor wenigen Jahren in'S Leben gerufene ungarische israelitische Landes-Stipendium-Verein war dieses Jahr in der erfteulichen Lage, 18 Stipendien im Betrage von 1950 fl. zu vertheilen. Die hiesige Gemeinde wird ihre confessivnelle Schule erhalten. Der diesbezüglich gestellte Antrag auf Auflaffung derselben wurde in der jüngsten Ausschußsitzung einstimmig abgelehnt. Zu Ehren des Herrn I. Barnay anläßlich seines Rücktrittes vom Gemeinde - Secretariate veranstalteten gestern die Beamten der hiesigen Gemeinde und der Chewra - Kadischa ein Festbanket, bei dem ihm ein schönes Ehrengeschenk: ein in getriebenem Silber musterhaft gearbeitetes Schreibzeug mit einer entsprechenden ungarischen Inschrift und eine silberne Feder, überreicht wurde. Krakau, im Januar. Unter den Wohlthätigkeitsvereinen Krakaus verdient der jüdische Verein zur Pflege und Erziehung armer jüdischer Knaben zu Handwerkern allgemeine Anerkennung, weil er nicht nur in humanitärer, sondern auch in sittlicher und intellectueller Beziehung Vorzügliches leistet. Von der allgemeinen Beliebtheit, deren sich dieser Verein erfteut, zeugt zur Genüge der Umstand, daß demselben auch von den Angehörigen anderer Confessionen Beiträge zufließen. Ein besonderes Verdienst um das Gedeihen des Vereins gebührt dem Präsidenten deffelben, vr. Arnold Rapoport. Im abgelaufenen Jahre wurden dem Vereinsfonds circa 2000 fl. ö. W. an mildthätigen Spenden zugeführt. Frankreich. Paris, 15. Januar. Durch Decret vom 30. December ist Baruch Levy, bisher Militarintendant des 19. Armeecorps und der Division Algier, zum Generalintendant-Jnspector ernannt worden: es ist dies der höchste Grad in der Militärverwaltung.

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