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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-01-18 · Heft 3 (18.1.1876) · p. Seite 45

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 3 (18.1.1876)
Date
1876-01-18
Page
Seite 45 (sequence 13)
Language
German
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Das Zudenthum bedarf keines Zeugnisses; das Zeugniß seiner Größe und Erhabenheit liegt in ihm selbst. Aber nicht gleichgültig ist es, ob die Anerkennung der Wahrheit sich immer weiter ausdehnt, mitten durch das Gewühl absichtlicher Gehässigkeit und immer von Neuem aufgeregter Voruriheile. Wir geben daher hier in wortgetreuer Uebertragung zwei Aeußerungen, welche die „Arch. isr." jüngst zusammengestellt haben. Voysey, ein in England wohlbekannter christlicher Geistlicher, sagte jüngst: „Nehmet zu dauerndem Borbilde das jüdische Volk seit der Zerstörung seiner Herrschaft und seiner Zerstreuung. Sein Leben war stets gut und sanft; selbst in den düstersten Zeiten ihrer Unterdrückung haben sie sich niemals gegen ihre Feinde gewandt, oder das Böse mit Bösem vergolten. Bis auf unsre Tage sind sie vor unsren gröbsten Lastern frei geblieben. Sie begehen den Ehebruch nicht in einem, der europäischen Verderbtheit sich näherndem Maße; sie unterliegen nicht der Trunksucht; sie bedrücken nicht die Armen, noch vernachlässigen sie diese; sie mißhandeln nicht ihre Frauen und schlagen sie nieder; sie sind barmherzig selbst gegen die Thiere; sie sind gut und wohlwollend gegen alle Hülfsbedürstige Darauf fragt Ihr mich, worin besteht ihr religiöser Glaube? Es giebt nichts Einfacheres. Sie glauben an Gott als an ihren Bater und Freund, der zugleich auch der Vater und Freund aller Menschen ist. Sie haben weder Teufel noch Hölle, um zu schrecken, und was die Erlösung nach dem orthodoxen Sinne betrifft, wissen sie nicht, was dies bedeutet. Sondern sie verstehen unter Religion, Treue gegen Gott, liebevolle Gesinnung gegen die Menschen, Hoffnung aus eine ewige Barmherzigkeit für alle Menschen; und deshalb leben und leben lassen, gut, wohlwollend und barmherzig sein, ist ein Theil ihrer Religion, ihre Weise. Gott ihre Liebe und Dankbarkeit zu zeigen. Einen anderen Menschen wegen seiner Religion verfolgen, wäre für den Jsrae liten ebenso als wenn die Taube sich in einen Raubvogel vev wandeln, oder das Lamm den Wolf verzehren sollte. Eine alte blinde Frau, die sich während dreißig Jahre zur und von der Kirche durch den ersten besten Vorübergehen führen ließ, erhielt wenn sie ihren zufälligen Begleiter fragte, ob er Christ oder Jude sei, neunmal unter zehnmal die Antwort: „Jude!" Ein nicht weniger ausgezeichneter christlicher Prediger in den Bereinigten Staaten drückte sich in einer Sonntagspredigt folgen dermaßen aus: „Ich sehe keinen Grund ein, weshalb eine Scheidewand zwischen Juden und Christen bestehen solle. Die Schatten der Vergangenheit sind verschwunden; das Mittelalter, das aus dem Namen „Jude" ein Schimpfwort machte, hatte diese Verachtung Wurzel schlagen lassen. Wir verdanken den Juden das Beste in uns; von dem alten jüdischen Stamme er hielten wir die reinsten Ideen über die Menschenliebe. Von ihnen haben wir die edelste Auffassung der Gerechtigkeit empfangen Die ganze Welt ist bei dem Judenthum in die Schule gegangen. Rechten und des Unrechten, als Menschen von einem unbeschreiblichen Drange nach der erhabensten Entwickelung beseelt, sind wir geworden durch die jüdischen Schriften und den jüdischen Christus." Die „Tribüne" erzählt: „Ein edler Gläubiger. Am heiligen Abend saß in der Gattenstraße eine Familie still und traurig um den eisenen Ofen versammelt. Dem Vater, einem Handwerksmeister, dem es in ftüherer Zeit bis vor noch einem Jahre beffer gegangen, schnitten die schüchternen Fragen der Kinder nach dem Weihnachtsmann tief in's Herz. Er, der noch vor Kurzem gesuchte Tischlermeister H., war nicht im Stande gewesen, das Geringste an Geschenken zu kaufen. Der Executor hatte die Wohnung längst geleert, und ein letzter Wechsel über 600 Mark war ihm vor wenigen Tagen präsentirt worden. Es war gewiß, daß der reiche Geldmann, in dessen Händen das Papier sich befand, sofort nach den Feiertagen den letzten Rest an Mobilien würde abholen lassen. Da pocht es um » Uhr an die Thür. Herein tritt begleitet von einem Dienstmann der Gläubiger. Starr vor Erstaunen sieht die ttauernde Familie, wie der Dienstmann den Korb aus den Tisch setzt und lautlos fortgeht. Der Gläubiger drückt dem Schuldner die Hand und läßt dabei ein Couvert in dieselbe gleiten. Mit den Wotten: „Auf bessere Zeiten!" verläßt auch er den Kreis. H. zeigt auf den großen Korb, und zitternd packt seine Frau aus. Da findet sich Kaffee, Zucker, Rum, eine Gans, Aepsel, Nüsse, Pfefferkuchen und Spielzeug für jedes Kind. Jubel bricht los, die Kleinen lachen und schreien: „Der Weihnachtsmann! Der Weihnachtsmann!" H. hat das Couvert geöffnet und reicht es, ohne ein Wort zu sagen, seiner Frau. Sie weint und faltet die Hände — es enthält den zerrissenen Wechsel und einen Hundertmarkschein. — Selten dürste ein Bekenner jüdischen Glaubens — ein solcher war der Wohlrhäter — einen schöneren Christabend als in diesem vorliegenden Falle verlebt haben." Auch die „Köln. Ztg." entnahm der Tribüne vorstehende Erzählung wöttlich, strich aber den Schluß, Laß der Thäter ein Jude gewesen, sammt der Reflexion, welche Las genannte Blatt daran knüpft. Ist dies nicht bezeichnend für die „Köln. Ztg.", die, wenn in dem Berichte über ein Verbrechen der Thäter als ein Jude bezeichnet wird, dies nicht verschweigt? Herr Hermann Hirsch (Israelit) hat vor einiger Zeit eine neue Schraube für Dampfschiffe erfunden, die sich durch die Vortheile an Zeit, Kohlenverbrauch und geringerer Vibration des Schiffes so empfiehlt, daß sie bereits von 229 Schiffen angenommen worden ist und sich auf vielen Fahrten über den Ocean und was wir sind als Menschen in der Unterscheidung des j bewährt hat. In der Liste der Schiffe, welche damit bereits

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