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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-01-18 · Heft 3 (18.1.1876) · p. Seite 43

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 3 (18.1.1876)
Date
1876-01-18
Page
Seite 43 (sequence 11)
Language
German
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43 thümer, und keineswegs zu irgend welchen Gesammt- und geistigen oder wissenschaftlichen Zwecken. Alles dies zusammengenommen schafft ein charakteristisches Gemälde, das einst seinen unparteiischen Zeichner finden wird.) —. Sir Anthony Rothschild war einer der leitenden Theilhaber der großen Firma N. M. Rothschild & Sohne, der zweite Sohn des Barons Nathan Meyer von Rothschild. 1810 geboren, heirathete er 1840 Louise Montefiore, eine Tochter des verstorbenen Abraham Montefiore, die ihm zwei Töchter gebar. Er wurde 1846 österreichischer Baron und seit 1858 österreichischer Generalconsul in London. Er zeichnete sich durck» seine Mildthätigkeit aus, und besonders jüdische Wohlrhatigkeitsanstalten aller Art verlieren an ihm einen freigebigen Gönner. Bei seinen zahlreichen Pachtern war er ein beliebter Gutsherr. Sir Anthony hatte, neben anderen national-englischen Eigenschaften, eine große Borliebe für Sport, und übernahm nach dem Tode seines Bruders im Jahre 1874 dessen reichbesetzten Rennstall. — . Die Times widmet dem jüngst verstorbenen Mitgliede des Hauses Rothschild einen Nachruf, dem wir Folgendes entnehmen: Nach einer mehrmonatlichen Krankheit, welche keine Hoffnung auf Besserung ließ, starb Sir Anthony Rothschild Dienstag (4. d.) Abends aus seiner Besitzung bei Southampton; Lady Rothschild und die Töchter standen an seinem Sterbebette. Sir Anthony's Leben war kein ereignißreiches und sein Wirken dem Publicum muthmaßlich minder bekannt, als das eines jeden seiner beiden Brüder. Er war ein tüchtiger Geschäftsmann und ein vollkommener Rittergutsbesitzer; aber in dieser vergleichsweise zurückgezogenen Sphäre leistete er im Stillen öffentliche und private Dienste von sehr bedeutendem Werthe. Er enthielt sich des Versuches, Eintritt in das Haus der Gemeinen zu erlangen, wohl im Bewußtsein, daß der wichtige Antheil, den er an dem Geschäfte seines eigenen Hauses nahm, ihm nicht die nöthige Muße zur Erfüllung parlamentarischer Pflichten lassen würde. Dadurch gewann er jedoch nur um so mehr Zeit für die gewöhnlichen Obliegenheiten der Freundschaft und Nächstenliebe, und er erfüllte dieselben mit genialer und unbegrenzter Liberalität. Selbst in seiner eigenen Familie ragte er in allen geschäftlichen Dingen durch praktischen Sinn und Scharfblick hervor, und in der Verwaltung seiner großen Besitzungen verband er mit diesen Eigenschaften eine Großmuth und Güte, wie sie nur selten in solchem Verein anzutreffen sind. Sein glanzvolles Haus in Aston Clinton, Buckinghamshire, war der beständige Schauplatz einer Gastfteundschaft, welche ausgezeichnete Persönlichkeiten aller Klassen und Stände umfaßte, und viele Namen aus der interessantesten Gesellschaft der letzten dreißig Jahre werden immer damit in Verbindung genannt werden. Er und seine Familie waren unermüdlich in der Wohlthätigkeit gegen die Armen der Nachbarschaft und wirkten stets in herzlicher Eintracht zusammen mit den menschenfreundlichen Bemühungen der Geistlichkeit in den Dörfern der Umgebung. Noch stärkere Ansprüche hat er jedoch auf ein dauerndes Gedächtniß bei seinen Religionsgenossen. Er hatte weitaus den bedeutendsten Antheil an der Verwaltung der großen jüd. Freischule in Spitalfields, deren Präsident er war. Die Juden besitzen eine besondere Fähigkeit, derartige Anstalten befriedigend zu leiten. Sie haben beispielsweise eine Art fteiwilligen Armengesetzes unter sich in Geltung und ersetzen auf diese Art, und ohne viel Aufhebens zu machen, ihren Glaubensangehörigen in sehr reichlichem Maße die gewöhnliche Kirchspielunterstützung. Die Schule ist ihres allgemein verbreiteten Rufes trefflicher Organisation würdig, und Sir Anthony war unermüdlich sowohl in seinen Bestrebungen nach einer guten Verwaltung derselben, als in der Freigebigkeit, womit er sie unterstützte. Seine nominellen Beisteuern, groß wie sie waren, reichten doch lange nicht an das hinan, was er im Ganzen spendete. Er war jederzeit bereit, durch fteigebige Beihilfe irgend einem Knaben vorwärts zu helfen, der Fähigkeit und Talent zeigte: und gar mancher junge Mann hat auf diese Art seinen Weg in der Welt gemacht, der ohne die private, im Stillen wirkende Großmuth Sir Anthony Rothschilds ein unbeachtetes und kümmerliches Dasein geführt hätte. Bei allen Handlungen der Mildthätigkeit durch seine Gemahlin unterstützt, bot er mit Einem Worte ein höchst seltenes Beispiel von der Verwaltung eines großen Vermögens durch eine fortwährende Vereinigung von Mildthätigkeit, richtigem Urtheil und jener einsichtsvollen Verwendung dar, ohne welche die Mildthätigkeit mehr als die Hälfte ihres Zaubers verliert. Er hat sich keinen großen Namen gemacht, aber ein Andenken hinterlassen, das lange Jahre hindurch in den Herzen eines großen Kreises von Freunden und Untergebenen dankbar bewahrt werden wird. Feuilleton. Historische Notizen. Bon G. Wolf in Wien. Ein kirchlicher Conflict. Man hat bekanntlich in die Bibel gar Vieles hineingelesen, was nicht darin steht, und Vieles aus derselben bewiesen, woran deren Autoren nicht im Entferntesten dachten. So z. B. erließ, nachdem das Concordat abgeschlossen war, der jüngst verstorbene Cardinal Rauscher einen Hirtenbrief, der mit den Worten Samuel's begann: „Bis hierher hat uns Gott geholfen." Gewiß dachte Samuel nicht daran, daß man sein Wort in solcher Weise mißbrauchen werde. Wir wollen nun einen Fall anführen, wo

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