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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-01-18 · Heft 3 (18.1.1876) · p. Seite 39

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 3 (18.1.1876)
Date
1876-01-18
Page
Seite 39 (sequence 7)
Language
German
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39 fertig. Die alten Synagogen blieben in ihrem verfallenen Zustande und mir ihren kleinen Räumen; der Gottesdienst wurde in hergebrachter Weise und mit alter gewohnter Unordnung vollzogen; Predigt kannte man nicht und an Religionsunterricht dachte man nicht; die Rabbiner waren deshalb überflüssig, und fanden sich — die Provinz Posen immer ausgenommen — in sehr geringer Zahl, da sie selbst, wo sie gewesen, bei eintretender Vacan; nicht wieder ersetzt wurden. Dies war der Zustand der größten Mehrzahl der Gemeinden in jenen Provinzen, bevor sie Lurch das Gesetz von 1847 neugestaltet und durch die Schöpfung der Repräsentanz erfrischt und neubelebt wurden. Solche Zustände sind vielleicht Len meisten Gegnern der jetzigen jüdischen Verfasiung willkommen und darum meinen sie, daß die Gemeinden sich dabei wohlbefunden hätten. Wäre es aber mit der religiösen und sittlichen Volksbildung — ich verstehe hier unter Volk alle Schichten und Elasten derselben aufrichtig meint, kann solche Zustände nicht wieder zurückwünschen. Dabei ist nicht ganz zu übersehen, daß die Gemeinden damals, wenn der Staat ihnen die Executive nicht gewährte, doch Zwangsmittel in Händen hatten, die jedoch jetzt wenig Wirkung mehr hätten. Sie benutzten die damals noch in der großen Mehrheit der Familien vorhandene Anhänglichkeit an die religiösen Satzungen, um ihrerseits von säumigen Zahlern die Beiträge zu erzwingen. Z. B. Las Ostermehl, die Copulationen u. dgl. Derartige Mittel sagen unsrem jetzigen Geiste nicht mehr zu und ihre Anwendung würde auch nur eine mangelhafte Wirkung erzielen. . Lübeck, 9. Januar. iPrivatmitth. i In diesen Tagen verläßt uns der Director der hiesigen Gewerbeschule, Herr vr. Schönfließ, der einem ehrenvollen Rufe der russischen Negierung als Profesior am Polytechnikum zu Riga folgt. Man bedauert Hierselbst seinen Abgang sehr, da man von seiner Leitung der eben gegründeten Gewerbeschule bei einer längern Dauer sehr viel Gutes erwartete. Immerhin muß es uns jedoch als Juden freuen, die Fähigkeit eines Glaubensgenossen selbst aus der Ferne und von einer Seite, wo man dies zu erwarten weniger gewohnt ist, anerkannt und gewürdigt zu sehen. Magdeburg, 7. Januar. (Privatmitth.i Das besondere Streben der Partei der „Kreuzzeitung" und „Germania" ist es, die Juden als ein dem Volke fremdes Element darzustellen, welches das Volk auch so ansehe und dermaßen behandele. Die Widerlegung ergiebt sich aus zahllosen einzelnen Thatsachen, welche natürlich jener Partei sehr unangenehm sind und die sie zu ignoriren sucht. Dies ist aber gerade der Grund, warum die ,,A. Z. d. I." alle solche Fälle, wo Glaubensgenoffen das Vertrauen des Volkes durch Wahlen oder sonstige Kundgebungen erwiesen wird, registriren muß, soweit sie ihr bekannt werden und nicht allzugewvhnlich geworden sind, wie z. B. Wahlen in die Stadtverordnetenversammlungen und Stadträthe. Wie sehr werden wir hingegen die Zeit willkommen heißen, wo dies nicht mehr sein wird, um den gehässigen Anschuldigungen verlebter Parteien entgegenzutreten. Gestatten Sie mir daher heute eines solchen Factums zu erwähnen, wenn es auch Ihre Person, Herr Redacteur, berührt. — Schon einige Jahre vor 1848 hatte sich Dr. Ludwig Philippson allhier der damals in Fluß kommenden Angelegenheiten des Handwerkerstandes, namentlich was die Fortbildung und die freie Affcciation innerhalb dieses wichtigen Elements des deutschen Volkes betrisst, angenommen. Das Vertrauen, welches die Bürgerschaft Magdeburgs dem Dr. Ph. widmete, bethätigte sich bei vielfachen Gelegenheiten, z. B. bei seiner Wahl zum Stadtverordneten mit einer überwiegenden Majorität, bei seiner einstimmigen Wahl seitens der Fabrikherren, Fabrikarbeiter und Handwerker zum ausführencen Secretär des Gewerberathes u. dgl. Als im Jahre IS50 die Bewegung einen so rückgängigen Verlauf nahm, und das Gewerbegesetz vom 0. Febr. 1849 sich in ihren Resultaten als illusorisch erwies, gründete l>r. PH. mit einigen einsichtsvollen Männern den Handwerker-Meister - Berein, der sofort weit über tausend selbstständige Meister zu Mitgliedern erlangte und welcher zum Zwecke halte, belehrende Vorträge halten zu laffen, eine Volksbibliothek zu gründen, eine Handwerker-, Wittwen- und Waisenkaffe zu schaffen und diese ernsten Bestrebungen durch gesellige Bereinigungen zu befestigen. Da der Verein eine Anzahl sehr tüchtiger und einsichtsvoller Meister in seinem Schooße zahlte, so gelang es, diesem Zwecke in einem nicht gewöhnlichen Maße zu erreichen, und mit diesem Gelingen wuchs auch der Verein immer mehr. Lange Zeit hielt vr. Ph. ebenfalls belehrende Vorträge in diesem Vereine, und dieser widmete ihm bei öfteren Gelegenheiten, z. B. auch bei seinem 25-jährigen Amtsjubiläum, die herzlichste Theilnahme und Anerkennung. Aber es sind jetzt 14 Jahre verftoffen, seitdem er durch überhandnehmende Kränklichkeit gezwungen war, die Gemeinde, der er seine besten Kräfte gewidmet, und die Stadt, die ihm so theuer geworden, zu verlaffen und ein milderes Klima auszufuchen. Dies ist ein Zeitraum lang genug, um bei dem Wechsel der Generation, das Andenken früherer Bemühungen zu erlöschen. Dennoch ist dies hier nicht der Fall. Jener Verein hat seine Lebenskraft bewahrt und feiert am 13. d. sein 25-jähriges Stiftungsfest. Bei dieser Gelegenheit erließ der Verein durch seinen Vorstand folgendes Schreiben an Len Dr. Philip pson: Magdeburg, den 6. Januar 1876. Hochverehrter Herr! Am 13. d. M. feiert der hiesige Handwerker-Meister-Verein im Odeum sein 25-jähriges Stiftungsfest. Der Unterzeichnete Vorstand erlaubt sich hiermit die Ehre zu geben, Sie, hochverehrter Herr, der Sie als Stifter und mehrjähriges Mitglied des Vereins noch im besten Andenken unserer altern Mitglieder stehen, zu dieser Feier ergebenst einzuladen. Das Festesten beginnt am obigen Tage Mittags I Uhr. Der freudigen Hoffnung uns hingebend, Sie, aUverehrter Herr, in unserer Mitte, Ihrem srühern, segensreichen Wirkungs-

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