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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-01-18 · Heft 3 (18.1.1876) · p. Seite 37

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 3 (18.1.1876)
Date
1876-01-18
Page
Seite 37 (sequence 5)
Language
German
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37 Sie sagen, „die Kriterien, die hierangelegt werden, als höchst äußerliche, ohne bleibenden Einfluß und in den Einzelheiten meist unschwer zu widerlegen und auszugleichen" befinden. Bei dem Laien jeroch, der dergleichen nicht leicht zu durchschauen und von sich abzuwehren versteht, wird der zerstörende Einfluß nicht ausbleiben, ohne daß dieser doch wirklich gerechtsertigt ist. Wenn Zunz so gewiffenhaft ist, eine neue Auflage seiner „Gottesdienstlichen Borträge" nicht zuzulassen, weil er die Mängel dieses Werkes zu verbessern sich nicht aufgelegt fühlt, so sollte doch das Curatorium bei der Herausgabe feiner Schriften diesem Beispiele folgen und nicht aufnehmen, was Niemandem zum Nutzen und dem Autor nicht zum Ruhme gereicht. — Bonn, 6. Januar. Bekanntlich hat in keinem Lande der Welt die periodische Prefie einen solchen Umfang erreicht, wie in Nordamerika. Selbst in kleineren Ortschaften entstehen, sobald sie nur etwas in's Aufblühen gerathen, zahlreiche Zeitschriften, die sich meist an Format und Ausstattung recht stattlich ausnehmen. Eine andere Eigenschaft derselben ist, daß sie sich wenig um Schärfe der Tendenz und Systematik der Anordnung kümmern, vielmehr von allen Seiten zusammenraffen, was die Leser zu interessiren verspricht. Da die nordamerikanische Union auf Verträge über das literarische Eigenthumsrecht mit dem Auslande sich nicht einläßt, so haben es ihre Redacteure sehr leicht, und wiffen sich die Geisteserzeugniffe aller Zonen recht nutzbar zu machen. Selbstverständlich ist daher in Nordamerika auch die jüdische Presse zahlreich vertreten. Wir machen heute auf folgende Monatsschrift aufmerksam: Young Israel, an lllustrated Moullily Magazine for young People by Louis Schnabel; New-York, 17. Cedar-Streel. Diese Zeitschrift, welche jetzt bereits ihren fünften Jahrgang abschließr, scheint ihren Erfolg Lurch die Reichhaltigkeit und das Interesse ihres Inhalts zu verdienen. Wenn auch auf ras jür. Leben besondere Rücksichr genommen ist, so sind doch die meisten Artikel allgemeiner Natur: Neben Novellen für das jugendliche Alter, moralische Erzählungen, geschichtliche und geographische Mittheilungen, vermischte Nachrichten u. s. w. Freilich den wohlklingenden Titel einer „illuslrirten" Zeiischrifr verdient 'Zjoung Israel kaum/ da es in jeder Nummer nur eine einzige, ziemlich unbedeutende Illustration bringt. 'Neuerdings ist damit auch noch ein Blatt in futscher Sprache, „Der Libanon", verbunden worden, welches eine große Mannigfaltigkeit an Arükeln von verschiedenem Inhalt und Werth bringt. — Der Tanz zum Tode. Ein Nachtstück aus dem vierzehnten Jahrhundert. 'Jiad) urkundlichen Mülheilunzen des Professor Franz Delitzsch, erzählt von Richard Reinhard. Leipzig, Heinersdorf. In Nr. 8 des Jahrgangs 1873, Seite 127, schilderte einer unserer Mitarbeiter das Schauerstück, welches am 5. Mai 1349 mit den unglücklichen Juden in Nordhausen aufgeführt wurde. Die Quelle der ganzen Sage ist eine alte wormser Tefillah, aus welcher sie Elieser-ben-Samuel in ein Notizbuch überschrieb, das im Besitze des sel. Earmoly war. Aus diesem brachte Delitzsch einen Bericht in den Kalender der deutschen Reiches von 187 3. 'Nach diesem Berichte wieder, formte der Verfasser des vorliegenden Schriftchens eine Erzählung. Wir haben nichts dagegen, aber auffällig war es uns, wie der Verfasser eines solchen unbedeutenden Werkchens sich sofort herausnehmen zu dürfen glaubt, in seinem Vorwort die Juden zu haranguiren, sie auf den „Zeugenmuth" ihrer Väter zu verweisen, und alle diejenigen unter ihnen zu schmähen, welche den Geist der Aufklärung in sich ausgenommen. Von den Anderen hofft er, daß sie „den Messias finden". Dies sieht doch nach nichts anderem aus, als nach geistlichem Hochmuth. Denn das einfache Menschengefühl hätte ihn doch bei der Schilderung solcher Gräuelscenen vielmehr bewegen müssen, seine Glaubensgenoffen zu haranguiren, daß sie sich vor dem Dämon der Verfolgungssucht bewahren mögen, und daß sie an den Urenkeln derer, welche sie so grausam abgeschlachtet, Vieles wieder gut zu machen hätten. Im Uebrigen hätten Liese Herren auch wohl Veranlaffung genug, darauf zu Lenken, einen großen Theil ihrer eigenen Glaubensgenoffen zum „Messias" zurückzuführen. — Jedidjah Salomo Nor;i's Einleitung, Titelblatt und Schlußwort zu seinem massoretischen Bibelcommentar. Nach einer italienischen Handschrift hdrausgegegeben von vr. AL. Jellinek. Wien, 1876, Brüder Winter. Bekanntlich hat Herr I)r. Jellinek die jüdische Literatur schon vielfach durch Herausgabe unedirter hebräischer Schriften aus Handschriften bereichert, und fährt er in diesen verdienstvollen Arbeiten fort. Was er diesmal bringt, hat sein Interesse auch in seiner eigenthümlichen Geschichte, welche l)r. Jellinek in einer Einleitung berichtet, und die wir hier mit seinen Worten wiedergeben wollen. „Tie zweite Hälfte des l 6ten Jahrhunderts wurde von zwei ausgezeichneten Männern verherrlicht, welche einen Theil ihres Lebens daran setzten und Len größten Mühen sich unterzogen, um mit Benutzung seltener Hilfsmittel und einem Aufwande großer Gelehrsamkeit den massoretischen Text der Bibel von den Nachlässigkeiten der Abschreiber und den Schwankungen der Typographie zu säubern und demselben eine feste Grundlage für alle Zeiten zu sichern. Es sind dies der Orientale Menachem Le Lonzano und der Italiener Jedidjah Salomo 'Norzi. Der Erstere, halb blind, fast lahm und gänzlich arm, war so begeistert für die Wissenschaft, daß er Weib und Kinder darben ließ, um seine literarischen Entwürfe auszuführen und seinen massoretischen Commentar zum Pentateuch unter dem Titel „O r Thora" zu veröffentlichen. Zur Ausarbeitung desselben benutzte er außer handschriftlichen Maffora's zehn Penrateuch-Manuscripte, von denen einige fünf bis sechshundert Jahre alt waren. Ueberhaupt hatte er, von Wissensdurst getrieben, sehr werthvolle und seltene handschriftliche Werke gesammelt, wie: Zusätze zu Midrasch Rabba und Jelamdenu, die Perikopen Wai-lchanan und Ekeb des Midrasch Tanchuma, Midrasch Agur, correcte Texte von

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