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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-01-11 · Heft 2 (11.1.1876) · p. Seite 24

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 2 (11.1.1876)
Date
1876-01-11
Page
Seite 24 (sequence 8)
Language
German
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24 zu Hülfe ruft. Man sieht hieraus, wie systematisch die Sache I von den Verschwörern betrieben wird, und System in ihre Plane zu bringen, war stets, was die Uliramontanen am besten verstanden haben; es fehlten ihnen dazu weder die Hände, noch die Geldbeutel, weder der Eifer, noch das Geschick. Auch an Zeit haben sie keinen Mangel, denn was sie nicht in Jahrzehenden zu Stande bringen, versuchen sie in Jahrhunderten, und selbst ein Jahrtausend ist ihnen nicht zu lang, um Lasielbe Ziel consequent zu verfolgen. Der angeführte Artikel des „P. L." schließt: „Luft! Luft! Wer könnte aber auch diese Atmosphäre vertragen, welche getränkt ist von Böswilligkeit, Unwisienheit und brutaler Gehässigkeit, — wer könnte sie vertragen, ohne Athmungsbeschwerden, ohne daß ihm das Wort in der Kehle stockte und die Befähigung zur Schöpfung einer logischen Gevankenreihe wenigstens aus Momente lahmgelegt würde! Man lacht wohl über dies Geschmier, welches alle Noch und alles Elend, allen Schwindel und alles Gekrach der Gegenwart dem specifischen Mangel an Moral in der jüdischen Bevölkerung des deutschen Reiches und ganz Europas zuschrcibt, und nicht übel Lust hat, gegen die verhaßten Besitzer von Geld und Wißen, von Fleiß und Einfluß die ganze tolle, bestialische Wuth, deren unsere Zeit noch fähig ist, loszulaffen; — man lacht, sage ich, über diesen Wahnsinn, aber nicht lange, — bald übermannt selbst den Leser von engelgleichem Gemüthe der Ekel, der Abscheu, und er wirst das Buch an die Erde, nicht wenig ärgerlich darüber, daß der Berfasier nicht genannt, und der Leser nicht in der Lage ist, das Opus dem würdigen Schöpfer deffelben an den Schädel zu spediren. Der Einfluß des Judenthums im modernen Staate und in der modernen Gesellschaft ist ein interesiantes, ein lehrreiches Thema, und die Culturgeschichte des neunzehnten Jahrhunderts wird sich bald zur Bearbeitung dieses Themas entschließen müsien, wenn sie in allen Fragen und Bewegungen der Gegenwart klar sehen will. Diese ernsten und wisienschastlich begründeten, einzig im Dienste der unvoreingenommenen Wiffenschasr geführten Studien werden reiches und recht vielartiges Material zu Tage fördern, — aber riese Studien werden frei bleiben von der gemeinen Gesinnung, welche das uns vorliegende Buch durchzieht, und werden daher den Leser fesseln und belehren, nicht aber abstoßen und empören. Hoffen wir, daß die Wisienschast diese Aufgabe je früher löse, damit ras abgeschmackte und entwürdigende Spiel mit hohlen Schlagwörtern des Tages und die niedrige , demoralisirende Speculation aus die schlechtverhehlten Leidenschaften eines lauernden Pöbels endlich unmöglich werden." Frankreich. Paris, 1. Januar. (Nach den Arch. isr.) Am 15. Dec. fand im israelit. Tempel zu Reims die Einführung des Herrn Emil Kahen in das neucreirte Rabbinat von Reims statt, gemäß dem Ministerialerlasie vom 4. Nov. 1874. Der Großrabbiner Lipman von Lille, der Unterpräfect, der Maire u. s. w. wohnten der Ceremonie bei, und der neue Rabbinerhielt eine treffliche Rede, welche den besten Eindruck auf die zahlreichen Anwesenden machte. — Die Arch. isr. enthalten unter der großgedrucklen Ueberschrift: „Polemik gegen die Allg. Ztg. des Judenthums" einen Artikel eines Herrn Victor Blum in Havre — doch st derselbe nur eine Druckseite groß. Wir finden darin nichts, was einer besonderen Widerlegung bedürfte, abgesehen davon, daß wir durchaus nicht Willens sind, uns immer wiederholt als in einem Streite gegen Frankreich und unsre französischen Glaubensgenoffen begriffen, darstellen zu laßen, was durch und durch grundlos ist. Wir haben nie geleugnet, daß die sociale Stellung der Juden in Deutschland noch viel zu wünschen übrig läßt. Aber ebenso wenig gelingt es Herrn Blum, die Fortschritte des Ultramontanismus im gegenwärtigen Frankreich abzuleugnen. Wenn er die Ereirung katholischer Universitäten für bedeutungslos erklärt, so kann Lies wohl nur Jemandem in einer etwas entlegenen Seestadt einfallen. Unsre anderen Gründe, z. B. das kirchliche Gesetz für das Militär, wonach die Soldaten jüdischer Religion auch bei den kirchlichen Festen fungiren müssen, übergeht er mit Stillschweigen. Doch, wie gesagt, wir wollen keine Polemik. — In Dran giebt es merkwürdiger Weise sehr viele Beispiele hohen Lebensalters, namentlich unter den Juden. So starb dort am 24. Nov. Joseph Levy im Alter von 110 Jahren, und am 30. Nov. Athias Nephtali 100 Jahre alt. Großbritannien. London, im December. Der verstorbene Alderman Sir David Salomons hat dem Stadtrath von London das silberne Kunstwerk vermacht, welches ihm seine Glaubgensgenoffen bei seinem Antritt des Sherifamtes, in Anerkennung seiner Bemühungen für die Gewiffensfreiheit, verehrt hatten. Dieses Kunstwerk ist in der Bibliothek von Guildhall ausgestellt worden. Er hat außerdem dem Municipium die Summe von 1000 Livres Sterling vermacht, um ihm seine Dankbarkeit auszudrückeu für dessen fortgesetzte Anstrengungen, der religiösen Toleranz zum Siege zu verhelfen, die einen so heilsamen Einfluß auf die Lage der Israeliten geübt hat. Der Berwaltungsrath hat sich letzthin mit der Frage über die Verwendung dieses Geldes befaßt, und 300 Livres Sterling zum Ankauf von neuesten Werken der jüd. Wissenschaft bestimmt. Ein Bermächtniß des Bruders des Verstorbenen, Herrn Philipp Salomons, in 400 Bänden best-...cnd, die den Kern einer israelitischen Bibliothek bilden, war bei dieser Bestimmung des Municipalrathes sicher von großem Gewicht. Man hat außerdem den Ankauf von nichtjüdischen Werken für die Summe von 600 Livres Sterling aus dem Bermächtniß des sel. David Salomons beschlossen.

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