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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-01-11 · Heft 2 (11.1.1876) · p. Seite 23

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 2 (11.1.1876)
Date
1876-01-11
Page
Seite 23 (sequence 7)
Language
German
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23 litäten sind in unsrer Zeit nicht zu conserviren. Wir meinen hauptsächlich das Verlesen des chalväischen Traubriefs; der ja durch den vorangegangenen Civilact völlig sinn- und zwecklos geworden, nur den Sinn eines Contractes hat und doch Len Contrahenten völlig unverständlich ist! Diesen aus dem religiösen Trauaci zu entfernen, ist nicht mehr ein Zugeständniß, sondern eine einfache pflichtgemäße Forderung. Herr l>r. Waffermann, die rabbinische Spitze unsres Oberkirchenralhs, hat fidi auf der zweiten israelitischen Synode über diesen Gegenstand so ausgesprochen, daß seine Ansichten über denselben gar nicht zweifelhaft sein können. (Ist seitdem erfolgt, "Näheres in nächster Nummer.) München, im December. (Eingesandt.) Die in Nr. 30 Ihres gesch. Blattes enthaltene Mittheilung aus München ist, wie ich von der eompetentesten Seite erfahre, in allen Punkten vollkommen grundlos und — wenn nicht auf die lebhafte Phantasie des Herrn Eorrespondenten — vermuthlich auf eine Verwechselung mit der im Sommer dieses Jahres dahier staltgehabten Abstimmung zurückzuführen, welche zu informatorischen Zwecken die Ansichten der Gemeindemitglieder über die Einrichtung eines oder zweier Riten feftstellen sollte und welche nicht von dem Rabbiner, sondern von der Gemeindeverwaltung veranstaltet wurde, l) Gestatten Sie mir bei dieser Gelegenheit noch eine weitere Berichtigung. In dem jüngst veröffentlichten statistischen Werke des Herrn Rabbiner llr. Engelbert über die israelitischen Gemeinden Deutschlands sind sämmtliche Angaben über München unrichtig. In Wirklichkeit beträgt die Seelenzahl mehr als das Doppelte, das feste Gehalt des Rabbiners genau das Vierfache und das Stiftungsvermögen der Gemeinde sogar das Hundertfache des dort Angegebenen (nicht 3000, sondern 300,000 fl.». Ueber die Gehälter der Eantoren und Lehrer ist nichts vermerkt. — Als erfreuliche und nachahmenswerthe Thalsache theile ich Ihnen mit. Laß die Verwaltung der hiesigen Gemeinte vom 1. Jan. 1876 an die Gehälter und Pensionen sämmtlicher Gemeindebeamlen durch die Umrechnung des Guldens in zwei ^ctr^ beträchlich erhöht hat. Oesterreich - Ungarn. Wien, 29. Dec. (N. fr. Pr.) Die israelitische Kleinkinder-Bewahranstalt feiert jährlich während res jüdischen Weihnachtsfestes (Chanukka» ein Kinderfest, welches auch Heuer von zahlreichen Kinderfreunden besucht war. Die Vorsteherinnen im Vereine mit anderen Wohlthätern beschenkten die Kinder mit warmen Winterkleidern und netten Spielwaaren. Vor der Beschenkung der ungeduldigen Kinder mußten dieselben Proben ihrer Fähigkeit ablegen, und war es wirklich erstaunlich, wie die 230 1) Die Grundlosigkeit der betr. Corrcspoudem ist also doch nickt vollständig, und das Dementi hätte wohl daran gethan, den Gegenstand genauer darzustellen. Redaetion. Kinder, die sich aus diesem Anlasse eingefunden, vom Herrn Direetor Fischer und dessen Gatrin in Disciplin gehalten werden. Nachdem die Kleinen herzhaft und ohne Schüchternheit gesungen und declamirt, wurden sie abgespeist, um rann endlich die schönen Geschenke in Empfang zu nehmen. Wien, 30. Dec. iPrivamitth.» Jüngst starb hie-r Herr Adolf "Neustad, Vorstandsmitglied der israelitischen Culiusgemeinde. Er war ein wackerer, biederer, überzeugungstreuerMann, dessen Verlust sehr zu beklagen ist. Das hiesige fürsterzbischöfliche Archiv war bisher der wissenschaftlichen Forschung ganz verschloffen, und am allerwenigsten durfte man hoffen, daß sich die Pforten desselben einem Juden öffnen würden. Ich glaube daher es hier verzeichnen zu dürfen, daß Herr Professor G. Wolf die Erlaubniß erhielt, das genannte Archiv zu wiffenschafrlichen Zwecken zu benützen. Pest, 20. Dec. lPrivatmitth.» Wenn man die jüngsten Erscheinungen aus den verschiedensten Ländern zusammenfaßt, so kommt es einem fast wie eine Verschwörung vor, die gegen die Juden geschmiedet worden. Der Heerd dieser weitverzweigten Verschwörung kann nicht zweifelhaft sein: er befindet sich im ultramontanen Lager. Dies beweist der Inhalt der jetzt, nachdem die Zeitungsprcffe über diesen Gegenstand sich so ziemlich erschöpft hat, in die Welt geschleuderten Broschüren, welche immer dieselben Klagen, Vorwürfe, gehässige Anschuldigungen mit derselben Verlogenheit und absichtlichen Unwiffcnhcit vertragen, und als ihre Beweisquellen das berüchtigte und so oft schon in seiner Ignoranz auf dem talmudischen Gebiete bloßgestcllte Mackwerk des entlaufenen Prof. Rohling und die Artikel der „Germania" anführen. Das schwere Geschütz, welches ehemals Eisenmenger losgebrannt, ist dem jetzigen schwächlicheren, darum aber noch gewiffenloseren Geschlecht weniger praktikabel, und deshalb hat es sich bei Rohling ein leichteres bestellt, das dieser aus den verrosteten Stücken Eisenmenger's zurechtgemacht hat. So hat man denn die Broschüre Rohling's jetzt auch in ungarischer Sprache hier erscheinen lassen, und verbreitet sie angelegentlichst. Man kann sich dann aucb in ungarischen Pamphleten um so leichter darauf berufen. Wir wollen hoffen, daß eine gute ungarische Feder derselben eine Widerlegung, d. h. einen Nachweis über die völlig falschen Ciiate Rohling's entgegenstellr, wie dies in Deutschland durch Kroner, Schwarz u. A. geschehen ist, nicht in der Erwartung, daß die ultramontanen Schreiber irgend welche Notiz davon nähmen, sondern damit sich die Befsergcsinnten darauf berufen können. Wenn diese Zeitung in Nr. 33 ein in Paderborn erschienenes Pamphlet bespricht, so finde ich in dem gestrigen „Pester Lloyd" einen sarkastischen Artikel über ein anderes, soeben in Berlin erschienenes, ebenfalls anonymes, welches von ganz gleichem Inhalte, wie das Pakcrborner ist, nur einige Kapitel mehr enthält, und unter anderen auch Tacitus

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