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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-01-11 · Heft 2 (11.1.1876) · p. Seite 19

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 2 (11.1.1876)
Date
1876-01-11
Page
Seite 19 (sequence 3)
Language
German
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19 Stand gesetzt werden, manch heilig gehaltene Ceremonie auf ihren wahren Werth oder vielmehr Unwerth zurückzuführen. Allein es will uns bedünken, es sei zu weit gegangen und die Grenzen der Wahrscheinlichkeit überschritten, wenn man aus einigen Analogien in heidnischen und andern Eulten, oder aus ähnlichen ethischen Principien, oder gar aus emphatischen Gebetformeln schließen will, daß das Äudenlhum dieselben ausgenommen, und unter verschiedenen Modificalionen reproducirt hat. In Folge solcher unberechtigten Schlüsse hat vor ungefähr einem Deeennium ein nichtjüdischer Gelehrter in der platonischen Ethik den Mosaismus, in der neuesten Zeit jüdische Gelehrte in vielen jüdischen Satzungen heidnische Ideen und neulich in einem Gebete am Versöhnungstage christliche Beeinflußungen gefunden. In der Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Iudenthums ^on Prof. Dr. Grätz, Septemberheft IST5, Seile 410—415, versuch: Herr l)r. Rothschild in Alzey aus dem sogenannten nmer nno hohenpriesterlichen Ritual des Versöhnungstages die christliche Absolutionsidee im Judenlhume nachzuweisen. Zur genauern Verständlichkeit seiner Behauptung, erlauben wir uns die Schlußfolgerung seiner Abhandlung wörtlich hierher zu stellen. „Man ging sogar so weit, dem Hohenpriester eine Absolutio» nach christlicher Anschauungsweise und Praxis in den Mund zu legen, um auf diese Weise das christliche Beichtsystem einzuschmuggeln, indem man den Namen Gottes in so lange im Gesänge ausdehnen und von dem folgenden Worte trennen ließ, um mit emphatischem Priesterdünkel dem knieenden Volke nachher das innen „„Ihr sollt rein sein"" entgegenrufen zu können. Es heißt hierüber ausdrücklich: na:e Een ns meab "pene n-n E^ivm nebeei .innen snb neirri E'Eneen Auch die in der Beschreibung des Tempelrituals bedeutungslose Nachahmung des Kniens scheint in Liesen Tendenzen ihre Erklärung zu finden. Alles ist eine entschiedene Neuerung, wofür es im hohenpriesterlichen Rituale keine Anlehnung giebt." — Betrachten wir aber Las dreimal in der Mischnah (Joma Cap. 3, 5; 4, 2; 6, 2) — eine Mischnah, die, beiläufig gesagt, ihrem Hauptinhalte nach noch kurz vor der Zerstörung des zweiten Tempels abgefaßt worden — *), so ist's nicht möglich und Lenkbar, daß die Rabbiner im Mittelalter so verblendet gewesen wären, hierbei an eine Absolution zu denken, was mit dem Rituale überhaupt und mir dem Bibelvers insbesondere im directen Widerspruche stände und absolut unvereinbar sei. Der Hohepriester mußte, ehe er das Sündenbekenntniß für Las Volk 1 > Bergl. More Neboche ha-Seman von Nachman Krochmal, edit. Lemberg 1S51, S. $7. nnp'EE nnc: rrei^ npeoe /jsmnn =np T7-- Israel ablegte, und dessen Vergebung von dem Ewigen erflehte, für sich und die ganze Priesterschaft opfern, und sich und seine Genoffen als Sünder gleich dem ganzen Volke öffentlich bekennen. Zum ersten Mal sprach er also: „Een rerr Ach Ewiger! ich habe gefehlt, mich vergangen, und gefrevelt gegen Dich, sowohl ich als mein Haus, eee ich flehe mit rem Namen Ewiger oder im Namen des Ewigen, vergieb die Sünden, die Schuld und die Frevelthaten, Lurch welche ich gefehlt, mich vergangen und gefrevelt habe, ich und mein Haus, — wie geschrieben steht in der Lehre Moses, Deines Dieners, die er aus dem Munde Deiner Herrlichkeit vernommen: .... EE-br nss' nrn ei'e -e Denn an diesem Tage wird er (Golti Euch" entsühnen. Euch zu reinigen, von allen Euren Verschuldungen vor dem Ewigen .... sollt Ihr rein werden." Er bekannte hier öffentlich seine Sündhaftigkeit und flehte die Gnade um Vergebung an, und bekundete gleichzeitig stillschweigend, daß er mit seinen Dienstverrichtungen nicht als Vermittler zwischen Gorr und dem sündhaften Volke,, sondern nur als Gesandter des Volkes für und im Namen Lessen erscheine. -) Ferner legt der Talmud (auch die Tosiftha, den Schwerpunkt des hohenpriesterlichen Dienstes absolut auf das Sündenbekenmniß für sich, für seine Genossen und im Namen des ganzen Volkes. Mit Recht bemerken Sie, geehrter Herr Redacteur (Weltbewegende Fragen, 2. Th., S. 262 :c.): „Auch diese Opfer waren Mittel und zwar symbolischer Art, um die reuige Umkehr und das aufrichtige Sündenbekenntniß zu veranlaffen, nicht aber, daß in ihnen selbst die Wirkung der Sündenvergebung enthalten gedacht wurde." — Endlich schloß der Hohepriester das Gebet mir den Worten: wie geschrieben steht in der Lehre Moses: „Denn an diesem Tage entsühnt er (Gott) Euch" . . . ., bezog also das Wort nEE' auf Gott, ohne den Eontext zu berücksichtigen, um nachdrücklicher anzudeuten, daß die Sühne einzig und allein von Gort ausgehe. Denn nach dem Context schließt hiermit der Ritus des Hohenpriesters am Versöhnungsrage, deffen wesentliche Bedeutung der Gesetzgeber in die Worte faßte: eev7e 1EE- -~n e-pe -'E, und würde demnach zu übersetzen sein: „Denn an diesem Tage versöhnt er (der Hohepriester, für Euch". Und damit es nicht den Anschein habe, als ob der Hohe- 2) Talm. bab. Joma S. 43 b erklärt Raschi: :ine bsiE-» ba iram i-.iee nsne bma *tnE etw 3) Joma S. 361». .nene EinEn E-nen nnEEE ns ei ibid. S. 40 b. .nEn72 Einen s’nen nn-tEE i'ibr nssb neix e"n Megilla S. 2Ob.

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