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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-12-28 · Heft 53 (28.12.1875) · p. Seite 864

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 53 (28.12.1875)
Date
1875-12-28
Page
Seite 864 (sequence 10)
Language
German
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864 werde, die Kosten dieses Studiums herabzusetzen, so daß sie denen der übrigen Universitätsfächer gleich kämen, und um sofort mit gutem Beispiele voranzugehen, hatte er die Honorare für seine Collegien den armen Studenten erlaffen muffen. Statt dessen verlangt er, daß unbemittelte Jünglinge gar nicht Medicin studiren sollen, so daß also die Heilkunst ein Privilegium für die Reichen werden müßte. Dabei führt er sein persönliches Beispiel an, und widerlegt sich also hinsichtlich der Erfolge eines unbemittelten Studenten selbst. Dazu kommt, daß die Medicin nach zurückgelegtem Studium viel eher Aussichten auf Broderwerb eröffnet als andere Universitätsfächer. Und was speciell die galizischen und ungarischen Studenten betrifft, so ist deren Ausbildung eine wahre Wohlthat für viele Landschaften ihres Vaterlandes, in welchen sich sonst nur äußerst selten ein studirter Arzt niederlassen würde. Herr B. hat sich hiermit selbst ein Armuthszeugniß ausgestellt. Pest, 18. Dec. Zwei Tage verhandelte das Abgeordnetenhaus über den rumänischen Handelsverlag, und nahm denselben schließlich an. Chor in und Wahrmann regten den, die Juden betreffenden Punkt san, doch war was darüber gesagt wurde, beiderseits unbedeutend. Näheres in der nächsten Nummer. Altofeu, im December. (Privatmitth.) Je schmerzlicher es dem Menschenfreunde wird, zuzugestehen, daß unsere Gegenwart, betreffs confessioneller Hetzerei, wieder das Mögliche leistet, und im Geiste der religiösen Duldsamkeit hinter der Vergangenheit weit zurücksteht: desto geneigter wird derselbe aus dem Leben die Beispiele sammeln, welche das Gegentheil bezeugen, und die uns hoffen laffen, daß die Zukunft all' dieses künstlich hervorgebrachte Feuer wieder auslöschen werde. So wurde in diesen Tagen hierorts die Feier das fünfzigjährigen Jubiläum des jüd. Lehrerveterans Salomon Reumann von christlichen Lehrern arrangirt, und in einem öffentlichen Saale begangen, wobei christliche und jüdische Pädagogen wetteiferten, ihre Hochachtung dem greisen College« zum Ausdruck zu bringen. Den Reden und der Ueberreichung von Geschenken und Adreffen folgten gemeinsam Festtafel und Ball. Frankreich. Paris, 15. December. (Nach den Arch. isr.) Bei der zweiten Jahresprüfung von 1875 für das Zeugniß als Lehrerin wurden 39 Israelitinnen zu den schriftlichen und von diesen 30 zu de» mündlichen Prüfungen zugelassen. Sammtliche 30 erhielten das Brevet. — Unter den Professoren am College de France befinden sich jetzt 3 Israeliten: Adolphe Franck, Professor der Moral und des Naturrechts, Michel Breul, Professor der vergleichenden Grammatik und Moritz Levy, Ingenieur, beauftragt mit dem Cursus über Mechanik. Herr Bröal ist soeben zum Mitgliede der Acad&mie des inscriptions et belles-letlres erwählt worden. — Herr Bischofsheim hat dem hiesigen Observawrium einen Telescop für 25,000 Frcs. geschenkt. — Der Gemeinderach von Paris hat 106,000 Frcs. zur Vergrößerung der israel. Schule in der kue des tourneHes bewilligt. Dagegen hat er einen Gehallszuschuß und eine Wohnungsenffchädigung für einen neuen Rabbinatsgehülfen verweigert, für welchen das etatsmäßige Gehalt der Cultusminister bereits bewilligt hat, und zwar aus dem eigenthümlichen Motiv des Berichterstatters: „Wenn wir für das Gleichgewicht jedes wohlorganifirten Staates die absolute Gleichgültigkeit der weltlichen Gewalten in Angelegenheiten der Dogmen und der religiösen Organisationen nothwendig erachten, so können wir, ohne uns selbst zu dementiren, keine neue geist. liche Stelle in Paris gründen." Dieses Motiv wurde in einem Staate, wo die unbedingte Trennung von Staat und Kirche verfaffungsgemäß besieht, ganz am Platze sein. Jedoch in einem Staate, wo diese Trennung nicht vorhanden, wo vielmehr, wie in Frankreich, der Staat und die Commune die Cultuskosten für die drei anerkannten Religionen übernommen hat, sieht sich jenes Motiv ganz curios an; hier gilt es vielmehr, die Nothweudigkeit einer neuen geistlichen Stelle nach der anwachsenden Zahl der Bekenner einer Religion am Orte zu erörtern, und hiernach zu beschließen. Die Frage über die verfassungsmäßigen Grundsätze kann doch nicht von einem einzelnen Municipalrathe den bestehenden Gesetzen geradezu entgegen aufgeworfen und entschieden werden. Das Beispiel zeigt, wie verworren gegenwärtig die Verhältnisse im Innern Frankreichs sind. — Herr Adolphe Crsmieux ist von der National-Bersammlung in den Senat gewählt worden, für welchen sie 75 Mitglieder zu wählen hatte. Niemand hat wohl diese Würde durch treue Dienste und unerschütterliche Charakterfestigkeit mehr verdient als er. Italien. Rom, im December. Man schreibt von hier: Trotzdem Victor Emanuel schon volle fünf Jahre in der Ewigen Stadt residirt, so existirt noch immer das Ghetto daselbst, da die Armen und minder Begüterten unter den römischen Juden die Stätte durchaus nicht verlassen wollen, auf der sie geboren wurden und die ihre Väter schon zur Zeit des zweiten panischen Krieges bewohnt haben sollen. (Bekanntlich gab es zur Zeit des Kaisers Augustus eine große jüdische Gemeinde in Rom, die damals 800o Seelen zählte.» Da dieser Stadttheil nun hart an den Ufern des Tiber liegt, so ist er bei einem Austreteu des Flusses aus seinem Bette sogleich der Gefahr einer Ueberschwemmung ausgesetzt, und so wurden auch in der vorigen Woche durch das plötzliche Austreten des Tiber viele Familien im Ghetw hart mitgenommen. Der Präfecr von Rom, Herr Gadda, hat zu Gunsten dieser Unglücklichen eine Subscriptiou eröffnet, an deren Spitze er selbst sich sogleich mit 1000 Lire stellte. (Es trifft wohl nicht vollends zu, wenn man das Verbleiben im Ghetto seitens der Wahrheit der römischen Juden blos senümentalen

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